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Island

Im Bann der Elemente

Natur & Umwelt | Donnerstag, 4. Dezember 2014 07:00, Oliver Loga

Feuer, Wasser, Luft und Erde. Nirgendwo sind die Grundelemente derart sicht- und spürbar wie auf Island. Wer die ­Natur mag, wird die grösste Vulkaninsel der Welt lieben. 

Majestätisch, märchenhaft, magisch, oder alles zusammen? Als ich vor der Gletscherflusslagune Jökulsárlón stehe, ringe ich um Worte, die der überwältigenden Schönheit gerecht würden. Vergeblich. Dafür bemerke ich eine Gänsehaut, nicht etwa weil es sehr kalt ist, sondern wegen der Glückshormone, die mein Körper in Scharen freisetzt. Gestrandete, riesige Eiskristalle schmücken wie kunstvolle Skulpturen den feinen, schwarzen Sand, der dank der Ebbe sichtbar ist. Kein Wunder, dass sich die Fotografen die Finger wund knipsen. 

Wenige Meter vom vulkanischen Sandstrand entfernt treiben bläulich schimmernde Eisberge auf dem Wasser. Das Naturschauspiel versetzt Besucher in eine andere Welt. Da erstaunt es nicht, dass Jökulsárlón bereits als Kulisse für mehrere bekannte Kinofilme diente. So wurde etwa für «James Bond – Stirb an einem anderen Tag» der Zugang zum Meer abgeschnitten, was zu einer geschlossenen Eisdecke führte, auf der sich der britische Geheim­agent in seinem hochmotorisierten Aston Martin spektakuläre Verfolgungsjagden mit futuristischen Fahrzeugen lieferte. 

Wo Amerika und Europa sich treffen
Ebenfalls filmreif präsentieren sich die zahlreichen Wasserfälle der Insel. Einen besonderen Charme versprüht dabei der Seljalandsfoss, der nicht nur von vorne ein Blickfang ist, sondern auch von hinten betrachtet werden kann. Als sich auch noch ein Regenbogen bildet, verharre ich in Ehrfurcht. So muss Goethe empfunden haben, als er sein berühmtes Zitat niederschrieb: «Augenblick verweile doch! Du bist so schön!»

Wer es weniger romantisch, dafür aber imposant mag, ist am Gullfoss richtig. Der «goldene» Wasserfall (gull = Gold, foss = Wasserfall) besteht aus zwei Stufen, von denen die Wassermassen in eine enge Schlucht stürzen und sich durch eine malerische Landschaft schlängeln.

Der Gullfoss gehört zum sogenannten Golden Circle – eine Route, die wichtige Sehenswürdigkeiten östlich der Hauptstadt Reykjavik umfasst. Unverzichtbarer Bestandteil davon ist der Þingvellir-Nationalpark. Hier  ist etwas schier Unglaubliches möglich: Durch das Auseinanderdriften der amerikanischen und der eurasischen Kontinentalplatte sind begehbare Felsspalten und Risse entstanden. So kann man buchstäblich zwischen zwei Erdteilen wandeln. 

Während ich mich noch frage, ob ich mich gerade in Amerika oder Europa befinde, freuen sich zwei ältere Damen darüber, dass sie sich nun bildlich vorstellen können, weshalb es so viele Erdbeben und Vulkanausbrüche auf Island gibt. Apropos: Was macht eigentlich der unterirdische Vulkan Bárðarbunga, der vor unserem Reiseantritt Ende August die Schlagzeilen bestimmte und nicht nur bei Touristen für bange Momente gesorgt hatte?

«Es gibt weiterhin keine Anzeichen von einem bevorstehenden Ausbruch», berichtet unsere Reiseleiterin Monique, die wie unter Isländern üblich nur beim Vornamen angesprochen werden möchte. «Dabei hatte ich mich schon auf spektakuläre Bilder gefreut.» Bei uns herrscht dagegen kollektives Aufatmen. Offenbar sind nicht nur mir die verheerenden Folgen des 2010 ausgebrochenen Zungenbrechers Eyja­fjallajökull noch präsent. Zwei Tage später ist es dann aber doch so weit: Aus einer Spalte nördlich des Bárðarbungas sprudelt Lava. Es handelt sich allerdings «nur» um einen Ausbruch mit geringer explosiver Aktivität abseits der Zivilisation. Die Reise kann also unbeschwert weitergehen. 

Ein Genuss für Haut und Augen
«Nach all den aufregenden Erlebnissen kann etwas Entspannung nicht schaden», denke ich und freue mich, dass nun ein Besuch der Blauen Lagune auf dem Programm steht. Der Eintritt ist zwar sündhaft teuer, lohnt sich aber. Wegen des ­hohen Mineralgehalts hat ein Bad in der Lagune nämlich eine nachgewiesenermassen heilende Wirkung bei Hautkrankheiten. Für eine geschmeidige Haut sorgt zudem eine breite Palette an Mineralschlamm. Die natürliche Gesichtsmaske lässt einen zwar für zwei Minuten wie ein Zombie-ähnliches Wesen aussehen, verfehlt seine Wirkung aber nicht. Zum Glück habe ich mich morgens rasiert, so fühlt sich meine Haut tatsächlich weich wie Samt an. 

Wer nicht (nur) seiner Haut, sondern seinen Augen etwas Gutes tun möchte, braucht etwas Glück und die richtige Jahreszeit. Von Ende August bis Ende März locken nämlich bei klarem Himmel Polarlichter mit unvergleichlichen Szenen. «Vielleicht müsst ihr dafür aber bis nach Mitternacht aufbleiben», warnt uns Monique vor. Während die meisten müde abwinken und nach einem ausgefüllten Tag ins Bett gehen, heisst es für mich: abwarten und Kaffee trinken. Das Koffein verfehlt seine Wirkung nicht, um halb eins bin ich hellwach und sehe erste, helle Streifen am Horizont. Sofort wecke ich meine Zimmernachbarin und stürze mit ihr im Pyjama nach draussen. Der Anblick verschlägt uns den Atem: Ein weiss-grünlich leuchtendes Gemälde am Himmel gepaart mit Sternschnuppen lässt uns innehalten. «Augenblick verweile doch! Du bist so schön!» 

Immer noch berauscht von der magischen Nacht, müssen wir uns am nächsten Morgen langsam mit dem Abschied vertraut machen. Mir kommt plötzlich die erste Aussage von Monique in den Sinn: «Wer einmal auf Island war, kommt immer wieder zurück.» Nun weiss ich auch, warum.

Die «Tierwelt» bietet ihren Leserinnen und Lesern gemeinsam mit «Island ProTravel» eine Leserreise nach Island an. Informieren Sie sich hier darüber und erleben Sie die Insel aus erster Hand. 


Bild: © Artalis/shutterstock.com

Anreise und Tipps

Die isländische Fluggesellschaft «Icelandair» bietet im Sommer fünfmal wöchentlich Direktflüge von Zürich nach Keflavik an. Von dort gibt es Shuttlebusse in die nahe gelegene Hauptstadt Reykjavik. Tipps: Viele Unterkünfte bieten sogenannte Hot Pots (deutsch: heisse Töpfe) an. Es handelt sich dabei um einen natürlichen oder künstlichen Pool mit heissem Thermalwasser, der sich perfekt für einen entspannten Ausklang nach einem ereignisreichen Tag eignet. Wer es sportlicher mag, sollte auf keinen Fall einen Ausritt auf einem Islandpferd versäumen. Die trittsicheren Vierbeiner eignen sich auch bestens für Anfänger. Buchen Sie die Reittour am besten im Voraus. Zum Beispiel unter 

www.eldhestar.is
www.polarhestar.is
www.strandir.is
www.islandprotravel.ch


 

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