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«Tierwelt»-Förderpreis

Die Wächter der Dunkelheit

Natur & Umwelt | Donnerstag, 25. Juni 2015 09:00, Oliver Loga

Mit künstlichem Licht machen wir die Nacht zum Tag. Was der Sicherheit dienen soll, stört das natürliche Gleichgewicht von Menschen, Tieren und Pflanzen. Der Verein Dark-Sky setzt sich deshalb für mehr Dunkelheit ein. 

Dark-Sky. Der Name klingt wie der Titel eines düsteren Science-Fiction-Films. Tatsächlich dreht sich bei dem Verein Dark-Sky Switzerland alles um Dunkelheit, allerdings nicht fiktiv und auch nicht zu Unterhaltungszwecken. Die gemeinnützige Organisation setzt sich seit bald 20 Jahren für natürliche Dunkelräume und gegen die zunehmende Lichtverschmutzung ein. «Als 1988 die Internationale Dark-Sky-Gesellschaft in den USA entstand, fassten weltweit viele Amateurastronomen Mut, etwas gegen die Lichtverschmutzung zu tun», erinnert sich Rolf Schatz, Leiter der Geschäftsstelle von Dark-Sky Switzerland. «Davon inspiriert, gründeten wir 1996 unseren Verein.»

Aktuell hat Dark-Sky rund 400 Mitglieder aus der ganzen Schweiz. «Darunter befinden sich Naturwissenschaftler, Elektroingenieure, Lichtplaner und Astronomen. Alle arbeiten ehrenamtlich», sagt Schatz. Und alle haben dasselbe Ziel: das innere Gleichgewicht dank eines intakten Tag-Nacht-Rhythmus wieder herzustellen. Mittlerweile gibt es in der Schweiz nämlich keinen Ort mehr, an dem in der Nacht natürliche Dunkelheit erreicht wird. Das hat teilweise verheerende Folgen.

Zu den Leidtragenden zählen nicht nur Astronomen, die die Sicht auf die Sterne verlieren, sondern vor allem nachtaktive Tiere wie Fledermäuse oder Flusskrebse. «Für einige Fledermausarten wird es unmöglich, von ihren Schlafplätzen zu den Jagdplätzen zu gelangen, da sie zu vielen Lichtquellen ausweichen müssen. Das kostet sie zu viel Energie», erklärt Schatz. Eine Lösung könnte die «Bat Lamp», also Fledermausleuchte sein. Es handelt sich um eine LED-Lampe, die nicht weiss mit bis zu 6000 Kelvin, sondern orange mit bis zu 2000 Kelvin leuchtet. «Die tiefe Farbtemperatur stört Fledermäuse und andere Tiere weniger», sagt Roland Bodenmann. Das Vorstandsmitglied von Dark-Sky hat eine Bat Lamp vor seinem Haus installieren lassen.

Jeder kann Lichtverschmutzung reduzieren
Doch das ist nur ein Tropfen auf den heissen Stein. Die meisten Tiere werden weiterhin von der öffentlichen Beleuchtung gestört. Für Zugvögel etwa sind die vielen Lichtquellen eine tödliche Gefahr, da diese ihre Orientierung stören. Zu viel und vor allem falsch ausgerichtetes Licht stört aber nicht nur Tiere und Menschen, auch der Stoffwechsel von Pflanzen kann massiv gestört werden. Die innere Uhr kommt durcheinander und der Blattabwurf findet nicht oder zum falschen Zeitpunkt statt.

Befürworter von Strassenlaternen und anderen Lichtquellen argumentieren, dass das Ausleuchten dunkler Ecken der Sicherheit diene. Ein Trugschluss, wie Rolf Schatz findet. Es gebe keinen nachweisbaren Zusammenhang zwischen der Häufigkeit von Kriminalfällen und der Lichtmenge. «Wir vergessen oft, dass sich unsere Augen in wenigen Minuten an die Dunkelheit gewöhnen und dunkle Ecken dann viel heller erscheinen als erwartet», sagt Schatz. Er ist der Meinung, dass es sich bei Lichtverschmutzung um eine Form von Umweltverschmutzung handelt, genau wie bei der Luft- oder Gewässerverschmutzung. Besonders falsch ausgerichtetes Licht ist ihm ein Dorn im Auge. «Viele Aussenleuchten strahlen dorthin, wo es überhaupt keinen Sinn ergibt», kritisiert Schatz. «All das Licht, das in den Himmel strahlt, ist unnötig.»

Aus diesem Grund versucht Dark-Sky bei Gelegenheiten wie Podiumsdiskussionen Aufklärungsarbeit zu leisten. «Wir beraten zudem viele Privatleute und auch Gemeinden bei allen Fragen rund um das Licht beziehungsweise die Beleuchtung», berichtet Schatz. Denn es ist gar nicht so schwierig, die Lichtverschmutzung zumindest einzuschränken, wenn man fünf Grundregeln beherzigt: 

1. Die Notwendigkeit von Leuchten im Aussenraum überprüfen. 
2. Von oben nach unten beleuchten, damit kein Licht in die Atmosphäre abstrahlt. 
3. Leuchten abschirmen. Optimal ist es, wenn der Leuchtkörper nicht sichtbar ist. 
4. Beleuchtungsstärke und -art anpassen. 
5. Leuchtdauer zeitlich begrenzen. Die meisten Lampen müssen nicht die ganze Nacht hindurch brennen.

«Jeder kann mithelfen, unnötige Lichtemissionen zu vermeiden, und damit einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der heimischen Artenvielfalt leisten», sagt Rolf Schatz. Denn die Natur und der Mensch finden nachts erst wieder Ruhe, wenn es dunkel ist. 

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