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Blumen sei Dank

Weniger Schädlinge ohne Pestizide

5 Kommentare Natur & Umwelt | Mittwoch, 26. August 2015, sda

Ein Blumensaum am Ackerrand kann dem Bauern Bares einbringen: Laut einer Studie der Forschungsanstalt Agroscope fördern Blühstreifen nicht nur die Biodiversität, sondern können sogar den Schädlingsbefall deutlich reduzieren.

Für Buntbrachen, Säume oder Ackerschonstreifen auf seinem Land erhält der Bauer Ökosubventionen. Diese sogenannten Biodiversitätsförderflächen (BFF) sollen in erster Linie wilden Tieren und Pflanzen einen Lebensraum bieten. Dafür gibt es kommerzielle Saatgutmischungen mit einheimischen Pflanzen zu kaufen. Bunte Blumenstreifen können aber sogar direkt den Ertrag auf dem Acker erhöhen, wie Forscher um Matthias Tschumi von der Forschungsanstalt Agroscope in Zürich herausgefunden haben. Sie testeten dies im Rahmen des Projekts «100 Nützlingsblühstreifen» am Winterweizen und seinem wichtigsten Schädling, dem Getreidehähnchen, einem Käfer, der die Blätter des Weizens frisst.

Die Forscher säten einen standardisierten, drei Meter breiten Blühstreifen entlang von 15 Winterweizenfeldern in den Kantonen Aargau und Zürich an. 15 Kontrollfelder blieben ohne Blühstreifen. Die neu entwickelte Samenmischung enthielt Dill, Buchweizen, Koriander, Kamille, Kerbel und bunte Korn- und Mohnblumen, in denen Nützlinge wie Marien- und Laufkäfer sowie Schweb- und Florfliegen gediehen.

60 Prozent weniger Schäden
Diese fleissigen Helfer reduzierten die Dichte von Getreidehähnchen-Larven in den Weizenfeldern um 40 Prozent im Vergleich zu Kontrollfeldern ohne Blühstreifen, die von erwachsenen Tieren um über die Hälfte. Alle Versuchsfelder wurden ohne Pestizide gemanagt. Der Schaden am Winterweizen durch die Larven ging mit Blühstreifen sogar um 60 Prozent zurück, wie die Agroscope-Forscher und Kollegen der Universität Koblenz-Landau in den «Proceedings B» der britischen Royal Society berichten. Der Erfolg hängt aber davon ab, dass mehrjährige artenreiche Lebensräume in der Nähe sind, von woher Nützlinge einwandern können.

«Im Durchschnitt konnten die Blühstreifen den Befall von über der Schadschwelle auf knapp darunter drücken», sagte Tschumi auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Die Schadschwelle ist in der integrierten landwirtschaftlichen Produktion, die in der Schweiz so gut wie alle Bauern praktizieren, jene Schädlingsmenge, ab der Insektizide gespritzt werden dürfen.

Alternative zu Insektiziden
Fazit: «Der Blühstreifen ist eine praktikable Alternative zu Insektiziden», schreiben die Forscher. Bisher unveröffentlichte Daten des Teams legen zudem nahe, dass die sanfte Methode nicht nur bei Winterweizen und Getreidehähnchen funktioniert, sondern auch Blattläuse auf Kartoffelpflanzen unterdrückt.

Larve eines Getreidehähnchens und Schaden am Blarr
Eine Larve eines Getreidehähnchens und der von ihr angerichtete
Schaden am Blatt
  Bild: Matthias Tschumi

Die Blumenmischung ist bereits seit diesem Jahr zum Anlegen von «Blühstreifen für Bestäuber und andere Nützlinge» auf Biodiversitätsflächen zugelassen, die vom Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) mit Subventionen vergütet werden. Honig- und Wildbienen sowie andere Bestäuber profitieren nämlich ebenso davon. Die Wirkung der Samenmischungen in der Praxis wird derzeit noch von Forschungsprojekten wissenschaftlich begleitet.

Im Projekt «100 Nützlingsblühstreifen» werden die Versuche jetzt auf Landwirtschaftsbetriebe und landwirtschaftliche Schulen der ganzen Schweiz ausgedehnt, erklärte Studienleiterin Katja Jacot von der Agroscope. Dies solle zeigen, ob sich die vielversprechenden ersten Ergebnisse wiederholen lassen und ob sich durch die Förderung von Nützlingen eventuell sogar Ertragssteigerungen erzielen lassen.

Damit wird der ökologische Ausgleich für den Bauern auch kommerziell interessant, spart er doch direkt Geld für Pestizide ein. «Die direkte Verbindung zwischen Blühstreifen, weniger Schädlingen und weniger Schäden an den Kulturpflanzen sollte Bauern dazu animieren, diese Fördermischungen auch anzuwenden», folgern die Forscher.

Kommentare (5)

Martina Bach am 03.09.2016 um 09:17 Uhr
Ein ausführlicher wissenschaftlicher Bericht über das Thema:

http://orgprints.org/28779/1/benz-2015-Bluehstreifen_AGRIDEA-Merkblatt.pdf

... und hier ev. auf Englisch:

https://www.researchgate.net/publication/304936385_Flower_strips_control_pests_in_vegetable_production_and_ecologically_upgrade_arable_land

Pamela Rau am 30.08.2016 um 16:18 Uhr
Ich bin direkt aufgeklärt ! Wohne auf dem Land und habe jetzt in diesem Frühjahr festgestellt auf meiner Walkingstrecke in Hessen, ist ein Grünstreifen wo ich garkeinen vermutete-dort wuchsen immer Brennessel.Dann an anderer Stelle,an einem Feld ist ein sehr großer Streifen mit genau diesen Blumen. Hatten den Foto dabei und gleich fotografiert.Das war eine Überraschung.

Gernot K- am 30.08.2016 um 13:41 Uhr
Wie heißt der Blumensamen?

Heidi Gallenberger am 01.05.2016 um 13:33 Uhr
Solange man mit Pestiziden viel Geld verdient, werden gierigen Erzeuger weiterhin Wildtiere, Bienen und Wildkräuter vernichten! Am Ende stirbt dann der Mensch und hinterlässt eine vergiftete Erde??Politiker interessieren sich kaum mehr für Menschen oder Tiere. Milliardengeschäfte zB Unterstützung der Tierversuchsindustrie scheinen interessanter zu sein??

Lies van Manen am 28.08.2015 um 12:30 Uhr
Bitte mehrsprachig, english, Französisch und Spanisch ev.
Holländisch zum teilen in ganz Europa

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