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Regenwälder wachsen nicht von selber nach

Natur & Umwelt | Freitag, 17. Februar 2017 16:00, sda

Wiederaufforstung von Regenwäldern – das klingt nach einem aktiven Prozess. Sollte es zumindest teilweise auch sein, zeigen Forschende. Denn manche bedrohte Baumarten siedeln sich nicht von selbst wieder auf den gerodeten Flächen an.

Betroffen sind vor allem Baumarten mit grossen Früchten, die bei der Verbreitung ihrer Samen auf Vögel setzen, berichten Forschende um Chris Kettle von der ETH Zürich im Fachblatt «New Phytologist». Diese Arten müssten aktiv wieder gepflanzt werden.

Für die Studie hatten die ETH-Forscher gemeinsam mit indischen Kollegen Gebiete in Indiens Westghats untersucht, dem westlichen Küstengebirge. Dort waren besonders Ende des letzten Jahrhunderts grosse Flächen abgeholzt worden. Bei der Untersuchung ging es um die Frage, wie gut sich Baumarten aus den unversehrten Regenwald-Flecken wieder auf den gerodeten Flächen ansiedeln konnten.  

Im Fokus stand dabei die Art Dysoxylum malabaricum, die zu den Mahagoni-Bäumen gehört. «Diese Regenwaldriesen überragen die anderen Bäume und besetzen damit eine ökologisch wichtige Nische», erklärte Kettle gemäss einer Mitteilung der ETH vom Mittwoch.

Malabar-Grautoko
Der Malabar-Grautoko ist der wichtigste Samenverbreiter der in der
Studie untersuchten Baumart Dysoxylum malabaricum.
  Bild: Rathika Ramasamy/CC BY-SA 2.0

Verbreitung über kurze Strecken  
Die Samen dieser Baumart werden hauptsächlich durch Nashornvögel verbreitet. Diese fressen die feigengrossen Früchte und scheiden die Samen später wieder aus. Allerdings nicht sehr weit vom Baum entfernt, wie genetische Analysen der Verwandtschaftsverhältnisse zwischen Keimlingen und ausgewachsenen Bäumen zeigten.  

Demnach tragen die Vögel die Samen höchstens bis zu einer Distanz von 200 Metern vom Mutterbaum, meist sogar weniger als 100 Meter, schrieb die ETH. Dies sei zu kurz um gerodete Flächen zwischen Waldstücken zu überbrücken. «Wir gehen davon aus, dass die Nashornvögel die Samen relativ nah am Futterbaum wieder hochwürgen, um nicht mit dem Magen voller schwerer Samen fliegen zu müssen», sagte Studien-Erstautor Sascha Ismail von der ETH gemäss der Mitteilung.

Aktiv anpflanzen statt abwarten  
Daraus ergibt sich auch, dass sich diese Baumart kaum wieder auf gerodeten Flächen etablieren kann, wenn diese einfach nur als Schutzzonen deklariert und sich selbst überlassen werden. Das gleiche gelte für andere Baumarten mit grossen Früchten, die durch Vögel verbreitet werden, so Kettle. Hinweise darauf hatte der Forscher bereits in früheren Studien beobachtet.  

«Damit Regenwald-Aufforstungsprojekte erfolgreich sind, muss man ein besonderes Augenmerk auf diese Bäume richten», sagte Kettle. «Will man ihre Verbreitung fördern, gibt es keinen anderen Weg, als ihre Samen zu sammeln, Baumschulen einzurichten und später die Jungbäume aktiv zu pflanzen.»

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