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Wegen LED-Licht

Lichtverschmutzung im Wald

Wildtiere, Natur & Umwelt | Samstag, 9. Dezember 2017 16:20, Walter Tschannen, Wald und Holz/msi

Der moderne Mensch macht die Nacht mit künstlichem Licht immer mehr zum Tag. Aber die Lichtverschmutzung wirkt sich auf das Verhalten vieler Tiere aus. Auch im vermeintlich dunklen Wald wird dies immer mehr zum Problem.

Der Mensch braucht Licht. Es erweitert im Dunkeln seinen Aktionsradius und vermittelt Sicherheit. Die öffentliche Beleuchtung allerdings gibt es erst seit etwa 100 Jahren. Und seither haben sich die Siedlungsgebiete massiv ausgedehnt, zudem steuern wir auf eine 24-h-Gesellschaft zu. Wen wunderts, dass sich die Licht-Emissionen in den letzten 20 Jahren mehr als verdoppelt haben. Im Mittelland beispielsweise findet man kaum mehr Orte, wo es nachts wirklich finster wird und 60 Prozent der europäischen Bevölkerung können heute von zuhause aus am nächtlichen Himmel die Milchstrasse nicht mehr sehen (lesen Sie hier mehr zur weltweiten Zunahme der Lichtverschmutzung).  

Völlig vermeiden lassen sich Lichtemissionen nicht. Selbst bei optimal gestalteten Aussenbeleuchtungen geht ein Teil des Lichts in die Umgebung verloren. Denn das Licht muss von den Gegenständen reflektiert werden, sonst würden wir sie ja nicht sehen. Nur ein winziger Teil dieses reflektierten Lichts gelangt in unsere Augen, der Rest «verflüchtigt sich» und erzeugt zum Beispiel die bekannten Lichtglocken über grösseren Agglomerationen – sogenannte sekundäre Lichtemissionen.  

Solche Lichtemissionen gelangen auch in den Wald oder zumindest bis an den Waldrand. Somit kann auch der Wald von indirekter Lichtverschmutzung betroffen sein. Eine Revolution hat nun zusätzlich das neuartige LED-Licht ausgelöst. Weil es weniger Strom verbraucht, werden vielerorts die Beleuchtungen verstärkt und ausgedehnt – man spricht von einem Reboud-Effekt. Ein typisches Beispiel dazu sind die teilweise ausufernden Weihnachtsbeleuchtungen. Aber auch die starken Lichter am Velo oder an der Stirnlampe sind erst durch die LED-Technik möglich geworden. Eine Folge davon ist, dass sich sportlich Aktive auch nachts im Wald bewegen können.

Verhalten der Tiere ändert sich
Früher hatten die Tiere wenigstens nachts im Wald ihre Ruhe. Vor allem in der Umgebung grösserer Agglomerationen ändert sich dies, nicht nur durch verstärkte menschliche Aktivität im Wald. Das LED-Licht scheint die Problematik noch zu verschärfen. Während die früher üblichen Glühlampen und Strassenbeleuchtungen ein feuerähnliches warmes Licht mit tiefer Farbtemperatur erzeugten, strahlen LED ein kühles, bläuliches Licht mit einer hohen Farbtemperatur ab. Zwar gibts heute auch beschichtete LEDs, die warme Lichtfarben erzeugen. Aber auch sie strahlen noch viel Blaulicht ab. Der Blauanteil des LED-Lichts breitet sich in der Atmosphäre weiter aus als warmes Licht, verstärkt also die Lichtglocken über den Städten. Zudem kommt Blaulicht nachts in der Natur kaum vor und schreckt viele Tiere ab. Das kann man sich auch zunutze machen: blaue Reflektoren am Strassenrand halten Wildtiere besser ab als rote und reduzieren Wildunfälle deshalb nachweislich wirksamer.    

Grundsätzlich ist Licht in der Natur des Einen Freud und des Andern Leid: Zwar fehlen systematische Kenntnisse, aber eine Literaturstudie des Forschungsbüros SWILD über ökologische Auswirkungen künstlicher Beleuchtung bestätigt, dass manche Lebewesen das Licht suchen und andere vor ihm fliehen. Lichtliebend sind beispielsweise viele Insektenarten und Amphibien. Lichtflüchtend sind viele Fledermäuse: Bei Kunstlicht fliegen sie gar nicht aus und beleuchtete Strassen können für sie unüberwindliche Barrieren sein. Auch gewisse nachtaktive, blütenbestäubende Insekten scheinen Licht zu meiden; man hat festgestellt, dass sich dies durchaus auf den Befruchtungserfolg auswirken kann.  

Wenn aber gewisse Tiere vom Licht angezogen und andere abgestossen werden, kommt es zu kräftezehrenden bis lebensbedrohenden Wanderungen. Oft sind Nahrungsaufnahme und Reproduktion erschwert. Aber auch das Gegenteil kann geschehen. Somit verändern sich Konkurrenzverhältnisse sowie Jäger-Beute-Beziehungen. Das Reh beispielsweise bleibt einen Moment lang stehen, wenn es geblendet wird; es muss sich zuerst wieder ans Dunkel gewöhnen und ist somit etwas länger seinen Feinden ausgesetzt. Solche Effekte scheinen recht häufig zu sein, und sie wirken sich auf die lokalen Vorkommen der Arten aus. Zusammen mit anderen Faktoren können Licht-Emissionen somit sogar verantwortlich sein für das Verschwinden einer Art an einem bestimmten Ort.  

Licht hat noch weitere Effekte. Von nachts fliegenden Zugvögeln ist bekannt, dass sie über hell erleuchteten Städten die Orientierung verlieren können, umherirren und schliesslich entkräftet zu Boden gehen. Auch Pflanzen reagieren auf Licht; beispielsweise ist der Blattfall bei Bäumen verzögert, die nahe bei Strassenlampen stehen. Weitere Veränderungen hinsichtlich Blütezeit und Fruchtbildung wurden beobachtet; offenbar beeinflusst künstliches Licht die innere Uhr der Pflanzen.

Was kann man tun?
Bei ortsfesten Anlagen (Strassen, Skipisten und andere) greift im Prinzip die Umweltschutzgesetzgebung. Aber sie enthält keine Immissionsgrenzwerte für Licht. Der Bund veröffentlicht demnächst eine neue Vollzugshilfe betreffend Lichtemissionen. Darin wird empfohlen, im Naturraum wenn möglich:

  • auf Licht zu verzichten 
  • die Beleuchtungszeiten zu verringern und/oder sie zu steuern 
  • die Helligkeit tief zu halten 
  • eher warmweisses Licht mit tiefem Blau- und UV-Anteil zu verwenden 
  • die Leuchten gut zu platzieren und wo nötig abzuschirmen 
  • nur von oben nach unten zu beleuchten. 

Pro Natura unterstützt diese Empfehlungen. Der Beleuchtung von Freizeit-Infrastrukturen wie Fussballplätzen oder auch Skipisten steht die Organisation kritisch gegenüber, vor allem ausserhalb der Siedlungsgebiete. Sehr kritisch sehe man auch Licht für Werbezwecke. Aber auch die nächtlichen Freizeitaktivitäten im Naturraum erachtet die Umweltschutzorganisation als problematisch. Sie müssten zeitlich und örtlich gelenkt und in sensiblen Räumen ganz unterlassen werden.

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