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Claude Kuhn

«Ich hatte schon immer Hunde, sie geben mir eine Struktur»

Unterhaltung | Donnerstag, 27. März 2014 08:00, Christina Burghagen

Viele Plakate des Berner Künstlers Claude Kuhn erzählen besondere Tier­geschichten. Es sind Werke, welche die Intelligenz kitzeln – bis sich auf einmal ein schmunzelndes Verstehen einstellt. 

Auf dem Fell eines Tigers tummeln sich plötzlich Elefanten, Schlangen oder Schmetterlinge. Ein Hund hinterlässt statt eines stinkenden Haufens eine Denkblase. Ins Berner Wappen stiehlt sich anstelle des korpulenten Bären ein schlankes Füchslein. An einem Boxerhandschuh hängt eine brennende Zündschnur. Wer solche Plakate erblickt, bestaunt Werke von Claude Kuhn oder auch «QN», wie sein launiges Kürzel lautet.

Einst erhielt der Berner seine Ausbildung an der Kunstgewerbeschule Bern, besuchte die Akademie der bildenden Künste in Stuttgart und auch die Kunstgewerbeschule Zürich. Seit 1972 widmet er sich freier künstlerischer Arbeit. Zugleich war der Grafiker Ausstellungsgestalter am Naturhistorischen Museum Bern. So kommt in vielen seiner Plakate seine Liebe zum Tierreich zusammen mit seinem Sinn für Humor zum Vorschein. 

Preisgekrönt sind auch Claude Kuhns Fecht- und Boxplakate. Er ist selbst Fechter und dem Boxsport sehr zugetan. Seine einzigartigen Plakate haben weltweit viele Preise abgeräumt. Zurückzuführen ist der Erfolg wohl auf die überraschende Perspektive, die Kuhn immer wieder aufs Neue einnimmt und die nie überladen daherkommt. Er bereichert seine aufs Wesentliche reduzierten Motive mit visuellem Witz.

Mit «Bambi» auf Entdeckungsreisen
Claude Kuhns schlappohriger Freund «Bambi» schläft unter seinem Arbeitstisch. Es ist ein Ungarischer Vorstehhund (Vizsla): rehbraun, wie der Name Bambi schon verrät und hochbeinig wie ein Setter. Wenn Kuhns kreativer Kopf raucht und eine Themenschwangerschaft beschwerlich wird, bevor ein neues Plakatbaby das Licht der Welt erblickt, verschafft Bambi seinem Halter eine Pause. «Ich muss den Hund auspressen gehen!», sagt der Künstler dazu. «Ich hatte immer Hunde, die alle jeweils 15 Jahre alt wurden. Sie geben mir eine Struktur, denn ich bin auf eine strukturierte Weise unstrukturiert!»

Statt sich auf der Suche nach einer neuen Idee am Schreibtisch festzubeissen, wird Kuhn von Bambi in die Natur auf Entdeckungsreise gezwungen, wo er sich schon manche Inspiration geholt hat. In den Ferien ist Kuhn oft in der Schweiz unterwegs – in Begleitung seines Hundes. Fliegt er in fremde Gefilde, mutet er Bambi die Reise nicht zu. «Ich hab schon beim Safaritrekking in Kenia zwischen Nilpferden, Elefanten und Zebras gezeltet. Davon erzähle ich Bambi dann auf dem Sofa, wenn ich wieder zu Hause bin.»

Kuhns Motto: Mehr Platz für weniger Text
«Glückwunsch an einen 75-Jährigen» – so hiess das Plakat, das der Berner Künstler zum Jubiläum des Tierparks Dählhölzli vor zwei Jahren geschaffen hatte. Es zeigt einen Pelikan, der eine Rose im Mund trägt. Das Plakat spricht für sich. «Mehr Platz für weniger Tiere ist das Motto des Tierparks», erzählt der 64-Jährige. «Und mein Motto lautet: Mehr Platz für weniger Text.» Beim Gestalten eines Plakates konzentriere er sich auf das Bild. «Ich versuche, mich auf das formale Charakteristikum des Dargestellten zu reduzieren.» So bekam er vom Museum of Modern Art im japanischen Toyama für die Pelikan-Arbeit unter 4600 Bewerbern die Silbermedaille.

Interne Diskussionen, Kopfschütteln inbegriffen, gab es im Naturhistorischen Museum immer mal wieder ob der ungewöhnlichen Kuhn’schen Ideen. Doch das Museum vertraute ihm vier Jahrzehnte lang – und auch seinem Team, wie der mittlerweile offiziell pensionierte Kuhn ausdrücklich betont. So ist es ihm zu verdanken, dass die Ausstellungen nicht aus ausgestopften Tieren und platt gedrückten Pflanzen bestehen. «Es geht doch darum, die Leute intelligent zu unterhalten, sie zu überraschen. Man kann zu jedem Thema eine gewitzte Ausstellung machen, wenn man es aus einer anderen, ungewohnten Perspektive angeht», ist Kuhn überzeugt.

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