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DVD-Tipp

Der alte Mann und die Bienen

Unterhaltung | Mittwoch, 9. April 2014, Jonas Baud

Einst konnte Ibrahim Gezer von der Imkerei leben. Doch der türkisch-kurdische Konflikt zwang ihn, in die Schweiz zu flüchten. Mitgenommen hat er seine Leidenschaft für Bienen. Ein Dokumentarfilm erzählt seine Geschichte. MIT VERLOSUNG.

Trailer zu «Der Imker». Quelle: YouTube/kinofilme. Titelbild: © Frenetic Films

Er besass 500 Bienenvölker und produzierte bis zu 17 Tonnen Honig, hatte elf Kinder, eine Frau und ein Auto: Ibrahim Gezer hatte alles, was er für sein Leben brauchte. Doch dann kam alles anders. Die türkische Armee zerstörte seine Besitztümer, weil sie den Imker irrtümlich für einen kurdischen Freiheitskämpfer hielt. Vier seiner Kinder wurden getötet und seine Frau nahm sich aus Kummer das Leben. Gezer flüchtete aus seiner Heimat. 

Sieben Jahre versteckte er sich in den kurdischen Bergen und kam schliesslich in die Schweiz, genauer gesagt ins Baselbieter Städtchen Laufen. Dort in der Nähe hatten bereits seine verbliebenen sieben Kinder Zuflucht gefunden. Gezer musste sich einer völlig fremden Welt anpassen.

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Auf dem Sozialamt sagte ihm eine überkorrekte Beamtin, er müsse arbeiten – das sei in der Schweiz so. Gezer, der deutschen Sprache kaum mächtig, erkundigte sich schüchtern: «Bienen?» Doch sie wies ihn zurecht und beschied ihm, Imkerei sei nur ein Hobby – er müsse in eine Werkstatt, um dort «Däfeli» abzupacken.

Dabei hätte Gezer gar nicht mehr arbeiten sollen, denn er war bereits 65 Jahre alt und damit pensioniert. In seinem Pass war er fünf Jahre jünger – seine Mutter hatte das so eingerichtet, damit er erst später Militärdienst leisten musste. Das wurde ihm zum Verhängnis – Tag für Tag hatte er stupide Einfüllarbeit zu verrichten, dabei hätte er sich viel lieber um seine Bienen gekümmert; in einem abgeschiedenen Urner Bergtal bei Andermatt legte er sich bereits Bienenstöcke für die Honigproduktion an. 

Der Film wurde in Solothurn prämiert
Beim Bundesamt für Migration wollte Gezer erreichen, dass sein Geburtsdatum angepasst wird. Nach langen Mühen war es dann so weit. Anders als Don Quijote war er siegreich im Kampf gegen die (bürokratischen) Mühlen und konnte sich endlich in Ruhe seiner Lieblingsbeschäftigung widmen. In der Gegenwart der geschäftigen Insekten fühlt sich Gezer am wohlsten. «Bienen sind sehr kluge Wesen», sagt er. Er lässt sich sogar gerne von ihnen stechen: «Das ist gut gegen Rheuma.»

 Mano Khalil: «Der Imker», Dokumentarfilm, 107 Minuten,
 Studio: Frenetic Films, ab 11. April auf DVD erhältlich,
 EAN: 7-619965-024223, ca. Fr. 28.–

Der Dokumentarfilm «Der Imker» ist aber nicht, wie der Titel vermuten lässt, eine Vorstellung der Bienenzucht, sondern das einfühlsame Porträt eines einfachen Mannes. Eines Mannes, der alles verlor und sich ein neues Leben aufbauen musste. Angenehm unaufgeregt erzählt der kurdische Regisseur Mano Khalil vom Schicksal des Imkers. Er begleitete Ibrahim Gezer während vier Jahren seines Lebens.

Entstanden ist ein sehr ruhiges, bedächtiges Werk, passend zum bescheidenen Charakter der Hauptfigur. Trotz des langsamen Tempos wird der Film nie langweilig, der Regisseur schafft es die Spannung hochzuhalten und trotz aller Tragik gelegentlich eine Prise Humor einzustreuen. Der Film überzeugte auch die Kritiker, er erhielt an den Filmtagen in Solothurn 2013 den «Prix de Soleure». Zu Recht: Das Werk ist eine Hommage an die Menschlichkeit, es regt zum Nachdenken an und zeigt, dass Menschen sich trotz aller Hindernisse und Verluste einen lebensfrohen Optimismus bewahren können.

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