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Wandern

Einmal rund um den schönen Pfäffikersee

Unterhaltung | Donnerstag, 24. April 2014 07:30, René P. Moor

Ob man ihn nun wandernd, spazierend oder gar schwimmend erkundet: Der Pfäffikersee ist ein perfektes Revier zum Verlustieren mitten im industrialisierten Zürcher Oberland. 

Wie der Greifensee, so liegt auch der Pfäffikersee in einem Zungenbecken. Die zugehörige mehrgliedrige Stirnmoräne quert das Tal etwa 500 Meter nördlich des Sees in zwei Wällen. Der See misst nur 331 Hektar und ist, wie der Greifensee, 33 Meter tief. Breite Verlandungs- und Sumpfsäume, besonders im Südteil, deuten auf die unbestimmte Ausdehnung des Seespiegels.» 

So beschreibt 1969 Professor Heinrich Gutersohn in seinem epischen Werk «Geographie der Schweiz» die Charakteristik meines heutigen Wanderziels. Allein ein Blick auf die Karte zeigt, dass der Weg rund um den Pfäffikersee angenehm zu begehen sein muss. Was mich indes bei der Planung bereits beschäftigt: Reichen zehn flache Kilometer für eine Wanderung, oder ergeben sie nur einen Spaziergang? Und: Worin besteht eigentlich der Unterschied zwischen Spazieren und Wandern? Wo liegt die Grenze?

Nicht nur bei Wanderern beliebt
Vom Pfäffiker Bahnhof schlendere ich in wenigen Minuten zum See hinunter. Daselbst angelangt, ein wunderbares, an Ferien gemahnendes Bild. Im Vordergrund der spiegelglatte See mit ein paar Ruderbooten. Dahinter ein schmaler Waldstreifen, darüber die Alpenkette. Vom Glarner Mürtschenstock über die Schwyzer, Urner, Nidwaldner und Obwaldner Alpen bis hin zum Wetterhorn im Berner Oberland. Mir ist zum Jauchzen zumute, doch es sind zu viele Menschen da.

 Zur Nachahmung empfohlen
Diese Kurzwanderung ist durchgehend ausgeschildert und eignet sich sehr gut auch für Kinderwagen und Rollstühle. Vom Bahnhof Pfäffikon vorerst dem Nahziel «Römerkastell» folgen. Im Naturschutzgebiet (auf Karte ockerfarben dargestellt) besteht Leinenpflicht für Hunde. In Pfäffikon, beim Camping Auslikon und bei Seegräben laden Seebäder zum Schwimmen. Distanz: 9,2 km. Aufstieg: 60 m. Abstieg: 60 m. Dauer: 2½ Std. Karte: 1092 Uster; 226T Rapperswil. Einkehren: Restaurants in Pfäffikon sowie direkt am See beim Camping Auslikon und bei Seegräben. Museum Pfäffikon: Heimatmuseum an der Seepromenade, geöffnet Ende März bis Oktober (ohne Sommerferien) jeden 1. und 3. Sonntag von 14–17 Uhr. Hin: Mit der Bahn bis Zürich HB, weiter mit der S-Bahn nach Pfäffikon ZH. Zurück: Mit der S-Bahn ab Pfäffikon ZH bis Zürich HB, weiter mit der Bahn in alle Richtungen.  

Rechts oder links? Weil mich das unweit vom Ausgangspunkt gelegene Römerkastell von Irgenhausen brennend interessiert, entscheide ich mich für den Gang in Uhrzeigerrichtung. Das seit 1909 unter Bundesschutz stehende kulturhistorische Denkmal liegt etwas erhöht auf einem Moränenhügel und beeindruckt durch seine Grösse. 60 mal 60 Meter misst der Grundriss des Kastells, das ab der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts nach Christus bis zum Abzug der Römer ein paar Jahrzehnte später die wichtige Verbindungsstrasse von Winterthur nach Chur sicherte. 1856 fanden erste Ausgrabungen statt. Als 1897 entschieden wurde, die Ruine als Steinbruch für einen Fabrikbau zu nutzen, erwarb die Antiquarische Gesellschaft Zürich das Grundstück und führte von 1898 bis 1908 mithilfe der Eidgenossenschaft Grabungs- und Konservierungsarbeiten durch. Ich empfehle den kurzen Abstecher hoch zur Anlage, die sich auch vorzüglich zum Rasten eignet.

Im Süden des Kastells breitet sich ein geschütztes Moorgebiet von über 200 Hektaren aus. Mitten hindurch führt ein breiter Weg. Dass ich nicht der Einzige bin, dem es hier gefällt, beweisen zahlreiche Spaziergänger, Jogger, Nordic Walker und Wanderer. Ich mache mir einen Sport daraus, anhand des Laufgeräusches zu erraten, ob sich mir von hinten ein Jogger oder eine Joggerin nähert. In 90 Prozent der Fälle liege ich richtig. Frauen machen kürzere Schritte und treten in der Regel leichter auf. Männer verursachen beim Auftreten, bedingt durch das grössere Körpergewicht, unverwechselbare Stampflaute.

Die Moore rund um den See wurden seit der Rodung deren Wälder vielseitig genutzt. Ab 1715 wurde mit dem Abbau von Torf als Heizmaterial begonnen. Die letzten Torfstecher traten erst nach dem Zweiten Weltkrieg ab. Heute wird das Riedgras regelmässig geschnitten, damit lichtbedürftige Pflanzen wie Orchideen, Enziane und Schwertlilien gedeihen können. Aber auch verschiedene Riedvögel benötigen offene Streuwiesen als Überlebensraum. Der Pfäffikersee ist übrigens ein Stausee. Seit 1861 reguliert ein Wehr den Wasserstand nach genauen Vorschriften.

Ranger sorgen für Recht und Ordnung
Wäre heute Juli oder August und der See über 20 Grad warm, ich würde im hübschen Strandbad von Auslikon oder im direkt am Weg gelegenen Bad von Seegräben eine Runde schwimmen gehen. So aber bleibt mir nichts anderes übrig, als den Stockenten zuzuschauen, wie sie schnatternd im Schilfgürtel herumkurven.

Der Uferstreifen ist gesäumt von T-förmigen Stegen, die etwa 20 Meter in den See hineinreichen. Was aussieht wie eine Bootsanlegestelle, sind Fischerstege. Diese dürfen nur zum Angeln und für Naturbeobachtungen benützt werden. «Zuwiderhandlungen sind strafbar», steht auf einem Schild. Damit im Naturschutzgebiet alles mit rechten Dingen zu- und hergeht, sind Ranger im Einsatz. Sie verstehen sich als Schiedsrichter im Spiel Mensch gegen Natur und wachen darüber, dass die Naturschutzregeln eingehalten werden. Eine der wichtigsten Aufgaben ist zudem die Aufklärung und Information der Besucher über die Belange des schützenswerten Pfäffikersees.

Das Westufer zeigt ein anderes Gesicht. Der Weg verläuft an einem zum Teil bewaldeten Hangfuss im willkommenen Schatten. Noch einmal schweift mein Blick über die gemähten Riedwiesen und den See zum Kirchturm von Pfäffikon hinüber. An der Seepromenade schliesst sich der Kreis dieser – jetzt hab ich’s! –  Spazierwanderung.

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