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Buchkritik

Schaben, Eichhörnchen und Damen in der Stadt

Unterhaltung | Donnerstag, 19. Juni 2014 06:00, Niklaus Salzmann

Auf wundersam einfache Weise zeigt Illustratortin Nadia Budde im Buch «Grossstadttiere» den Unterschied zwischen grauhaarigen Damen und grauen Eichhörnchen und weitere Phänomene aus der städtischen Tierwelt.

Grossstädte sind grundsätzlich grau. Das liegt nicht nur am Beton, sondern auch an den Tieren – wir kommen gleich dazu. Die Menschen aber haben gerne Farbe, wie Illustratorin Nadia Budde in ihrem Buch «Grossstadttiere» schreibt:

    «Zeigen sich an Schläfen und am Ansatz graue Stellen, eilen die Leute zum Haarfärberegal im Drogeriemarkt. Dort findet sich jede Farbe und kinderleicht ist Selberhaarefärben.»

Bei den menschlichen Haaren scheint also die graue Farbe auszusterben, bei den Eichhörnchen ist es hingegen umgekehrt. Die grauen eingewanderten verdrängen die roten einheimischen Eichhörnchen.

Es ist die Kombination aus Sprachwitz, eigenwilliger Illustration sowie Fakten und Beobachtung aus Natur und Gesellschaft, die den Reiz des Buches ausmacht. Kaum je sieht man die Problematik der invasiven Arten auf so kindlich einfache Weise dargestellt wie am Beispiel der Eichhörnchen in «Grossstadttiere».

Zweifache Gewinnerin des Jugendliteraturpreises
Autorin Nadia Budde ist 1967 geboren und lebt mit ihrer Familie in Berlin. Sie hat in Berlin und London Grafik studiert. Bereits für ihr erstes Bilderbuch «Eins zwei drei Tier» war sie mit dem deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet worden. Ein zweites Mal gewann sie den Preis mit «Such dir was aus, aber beeil dich!», einem Buch über das Kindsein.

Einige ihrer «Grossstadttiere» waren bereits in der Berliner Zeitung erschienen, für das Buch zeichnete und schrieb sie weitere. Manche sind schlicht unterhaltsam, etwa der bildliche Vergleich des Pfauen mit dem Dogwalker. Andere zeugen von Hintergrundwissen – die Tatsache etwa, dass auf dem Areal des Zürcher Hauptbahnhof eine der grössten Mauereidechsenpopulationen des Schweizer Mittellands lebt, nimmt sie zum Anlass für eine Kürzestgeschichte über diese Reptilien. Die Invasion der Schaben aus aller Welt wiederum kommt ganz ohne Worte aus, kann aber durchaus als Globalisierungskritik aufgefasst werden. So kann sich die Leserschaft selbst auswählen, ob sie «Grossstadttiere» nur als unterhaltsames Bildbuch oder aber als Denkanstoss in Sachen Ökologie und Biodiversität sehen will.

Grossstadttiere

Nadia Budde: Grossstadttiere.
140 Seiten, gebunden, durchgehend farbig.
Ab 9 Jahren und für die ganze Familie.
Verlag Jacoby & Stuart 2013, ISBN 978-3-941087-85-9
Ca. 26 Fr.

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