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Kein Schlaf für die Tiere

Wilde Partynächte im Londoner Zoo

Zoo, Unterhaltung | Donnerstag, 21. August 2014 08:00, Dorothy Allen

Im Sommer feiern viele Londoner ausgelassene Partys im Zoo. Das bringt zwar eine Menge Geld ein, wirft aber auch die Frage auf, ob der Trubel gut für die Tiere ist. 

Es ist Freitagnacht im Zoologischen Garten von London. Und es geht wild zu, aber nicht, weil sich die Tiere wild aufführen, sondern weil es «Party Time» ist. Weil 6000 junge Leute nach Feierabend in den Zoo gekommen sind, um zu trinken, zu tanzen und – wie es in der Zoo-eigenen Werbung heisst – «mit den Tieren zu feiern». Und weil einige von ihnen das Feiern mit den Tieren offenbar zu wörtlich nehmen.

Der älteste Zoo der Welt hat schon seit geraumer Zeit diese «Freitagabende zur Sommerszeit» veranstaltet. Er versucht damit, jüngeres Publikum anzulocken und zusätzliche Einnahmen für seine Naturschutz-Programme aufzutun. Neuerdings aber fragen sich die Zoo-Verantwortlichen besorgt, ob das tiergerecht ist. Und ob der Zoo seine Politik überdenken muss.

Ursprünglich war es eine brillante Marketing-Strategie, mit erstaunlichem Erfolg. Bis zum heutigen Tag haben diese Partys umgerechnet 1,2 Millionen Franken eingebracht. Und im ersten heissen und sonnigen Sommer seit Jahren in London ist die Sache für 25- bis 35-Jährige mit Geld in der Tasche zu einer Veranstaltung geworden, bei der man einfach gewesen sein muss. Die Besucher kommen in Scharen, oft um Büro-Partys, Junggesellen-Abschiede oder Geburtstage zu feiern. Viele erscheinen in Tierkostümen.


Bild: zVg

Schmuse-Versuche mit Pinguinen
Die Tierpfleger befürchten aber, dass die Partys den Schlaf der Tiere stören und zu erhöhtem Stress bei ihren Schützlingen führen. Einigen Berichten zufolge sind Tiere auch von betrunkenen Gästen gefährdet worden. So hat ein Feierlustiger über einen Tiger ein Bier geschüttet, bevor er von den Wächtern hinausgeworfen werden konnte. Ein anderer zog sich aus und versuchte, ins Pinguin-Becken zu springen. Auch da musste das Zoo-Personal schnell reagieren.

Einzelne Wärter haben gemeldet, dass etliche Partygänger mit Baby-Pinguinen zu schmusen versuchen. Diese Tiger- und Pinguin-Zwischenfälle sind vom Zoo bestätigt worden. Hingegen gibt es keine offizielle Bestätigung für einen weiteren Bericht, demzufolge eine Frau versucht haben soll, in den Löwenkäfig zu klettern.

Augenzeugen haben derweil gemeldet, dass Besucher im Schmetterlings-Haus oft rücksichtslos herummarschieren und Schmetterlinge am Boden zertreten. Manche hämmern offenbar auch an Glasscheiben und zeigen wenig oder gar keinen Respekt für die Tiere.

Der Zoo hat jetzt ein paar Massnahmen ergriffen, um seine Tiere zu schützen. So gibt es eine «stumme Disco», bei der Partygänger Kopfhörer erhalten, damit sie tanzen können, ohne die Tiere zu stören. Oft singen Besucher allerdings laut zu der Musik, und das zu Zeiten, zu denen sich viele der Tiere schlafen legen.

Die meisten Partygäste benehmen sich
Blitzlichter sind verboten. Wein wird früh ausgeschenkt bei diesen Abenden, die von 18 Uhr bis 22 Uhr laufen. Kleine Bars und Imbiss-Stuben sind überall zu finden. Und das Ganze endet jeweils mit einem Kabarett, das Schreie, Hurrarufe und Beifall auslöst.

Eine Sprecherin des Zoos hat erklärt, das Wohl der Tiere sei für den Zoo von höchster Bedeutung und man dürfe die kleine Anzahl von Zwischenfällen nicht überbewerten. «Wir finden, dass Besucher unserer Freitagabend-Veranstaltungen generell Rücksicht nehmen auf die Tiere, so wie wir es von ihnen erwarten», sagte sie. «Nur in sehr wenigen Fällen musste mal jemand vor die Tür gesetzt werden.» 

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