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Wenn Hollywood und Tierschützer sich streiten

Natur & Umwelt, Unterhaltung | Dienstag, 16. September 2014, Alice Tsirigotakis

Wo Filmcrews sich niederlassen, läuten die Alarmglocken der Tierschützer. So auch während der Dreharbeiten zur neusten Episode von «Star Wars». Die Realität hinter den Kulissen von Filmproduktionen.

Erinnern wir uns an die geschwungenen Hügel des Auenlands, an die kargen Felsen von Mordor in «Herr der Ringe» oder an den Wüstenplaneten Tatooine in «Star Wars». In Filmen ziehen Landschaften an uns vorüber, als gäbe es sie wirklich. Keiner käme auf die Idee, dass Tatooine kein Planet, sondern nur ein kleiner Fleck in der tunesischen Wüste ist. Als Zuschauer schwelgen wir lieber im satten Grün der Heimat der Hobbits und berauschen uns am Anblick des Elbenwaldes. Wer möchte sich schon der Illusion berauben, Mittelerde befinde sich in einem fernen, uns unbekannten Land, obwohl es sich in Wahrheit um verschiedene Regionen in Neuseeland handelt.

 Papageientaucher suchen Schutz unter dem Felsen.
 Bild: Maureen/Flickr

Die Realität hinter den Kulissen von «Star Wars»
Bei den Dreharbeiten im Mai dieses Jahres zur «Star Wars Episode VII» (ab Dezember 2015 im Kino) ist ein Streit zwischen Filmproduktion und Naturschützern entbrannt. Genau zur Brutzeit seltener Seevögel fand auf der irischen Insel Skellig Michael ein mehrtägiger Filmdreh statt. Die kleine Insel an der Südwestküste Irlands gehört zum UNESCO-Welterbe. Sie beherbergt ein mittelalterliches Kloster und ist als Wildnis- und Naturschutzgebiet verzeichnet. Zur Paarungszeit nisten dort unter anderem Papageientaucher, Schwarzschnabel-Sturmtaucher und Sturmschwalben.  

Die Drehgenehmigung wurde von der irischen Regierung zugelassen, hiess es in einem Beitrag der BBC. Seevogel-Experten von «BirdWatch Ireland» sagten, sie hätten keinen Zugang zur Insel gehabt und das Timing der Dreharbeiten sei völlig unangemessen gewesen. Die Möglichkeit, dass der Lärm und die Vibrationen die Vögel zur Paarungszeit vertrieben hätten, sei sehr gross gewesen.  

Ganz anders sah es die irische Filmagentur «Irish Film Board», die internationalen Filmproduktionen bei der Suche nach geeigneten Drehorten hilft. «Der Drehplan wurde spezifisch so ausgerichtet, um die Störung der brütenden Vögel auf der Insel zu vermeiden», sagte eine Sprecherin. Experten seien während des Drehs auf der Insel stationiert gewesen und hätten die Befugnis gehabt, jederzeit zu intervenieren, wenn sie eine Auswirkung auf die natürliche Umgebung und die ansässige Tierwelt vermuteten. Dies beruhigte die Vogelexperten in keinster Weise. Sie seien viel zu spät über die Dreharbeiten informiert worden, sagte ein verantwortlicher Experte. Ausserdem seien die Auswirkungen und Folgen für die Vögel meist erst viel später zu erkennen.

 Der Mount Sunday diente als Kulisse für «Edoras».
 Bild: Phillip Caper/Flickr

Der «Herr der Ringe» kann es besser
Doch es geht auch anders. So zum Beispiel in Neuseeland bei den Dreharbeiten zur Film-Trilogie «Herr der Ringe». Der Vorteil einer der grössten Filmproduktionen der letzten Jahre war der Faktor Zeit, wie es in einem Artikel des «Audubon»-Magazins hiess. Mehr als ein Jahr lang liefen die Vorbereitungen und Abklärungen mit der neuseeländischen Regierung und den Naturschutzorganisationen vor Ort. Das ökologische Gleichgewicht der Region beizubehalten hatte oberste Priorität. Diverse Massnahmen wurden ergriffen: Die Pferde wurden wochenlang in Quarantäne gesteckt und mit unkrautfreiem Heu gefüttert. Fahrzeuge wurden komplett desinfiziert. Katzen und Hunde waren für den Dreh verboten, aus Angst, diese könnten Vögel und andere Wildtiere jagen. Der Boden, auf dem das technische Material stand, wurde geschützt, um den natürlichen Untergrund so wenig wie möglich zu beschädigen.

 Auf Skellig Michael wurde «Star Wars» gedreht.
 Bild: IrishFireside/Flickr

Die Natur geht vor
Dass grosse Filmproduktionen einen immensen logistischen Aufwand betreiben, um Illusionen zu erzeugen, wissen wir spätestens seit dem Monumentalfilm «Ben Hur» und dem Wüstenepos «Lawrence of Arabia». Filmcrews scheuen keine Herausforderung. Sie trotzen der Hitze und der Kälte, sie erleben Stürme, Erdbeben und Überschwemmungen.

In der Vorproduktion herrscht Papierkrieg. Drehgenehmigungen müssen eingeholt und Verträge geschrieben werden. Wer Aussendrehs organisiert, wird folgendes beachten: die Natur geht vor. Nicht jede Filmproduktion schafft die Gratwanderung zwischen Naturschutz und kommerziellem Profit. Mit viel Zeit und Geld sind akzeptable Lösungen, die auch die Naturschützer befriedigen, möglich. Der «Herr der Ringe» hat es vorgemacht – «Star Wars» nicht.

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