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Porträt

«Wir zeigen die Natur aus dem Blickwinkel der Tiere»

Unterhaltung | Donnerstag, 18. September 2014 07:00, Monika Zech

Wenn es darum geht, als Botschafter für die Natur aufzutreten, ist TV-Moderator Andreas Moser alles andere als kamerascheu. Als Privatperson möchte er jedoch lieber im Hintergrund bleiben.

Das Treffen mit dem Mann, der den Fernsehzuschauern die Natur ins Wohnzimmer sendet, findet an einem Ort statt, der exemplarisch das Wachstum der Stadt Zürich in den letzten Jahren aufzeigt. Für die einen ist das Leutschenbach-Quartier im Norden Zürichs, wo das Fernsehstudio von SRF steht, grossartig grossstädtisch, für andere eine hässliche Betonwüste. Welche Sichtweise man auch hat, Andreas Moser wirkt irgendwie fremd in dieser Umgebung. Zumindest auf jemanden, der ihn nur in der Rolle als Botschafter für die Natur – aus der Sendung «Netz Natur» – kennt.

Das ist denn auch das Thema, auf das er sich im Gespräch beschränken möchte. Privates soll privat bleiben. Wegen seiner Begleiterin, einer hübschen kurzhaarigen Hündin mit freundlichen Augen, kommt er allerdings nicht drum herum, ein klein wenig davon preiszugeben. Sie heisse Tuna, antwortet Moser auf die Frage nach ihr. Nicht etwa, weil sie viel Thunfisch esse, sondern weil sie Fortuna, Glück, gehabt habe. Er habe die Hündin vor bald fünf Jahren in Sardinien bewusstlos auf der Strasse gefunden, angefahren. Er brachte sie zu einem Tierarzt. Als sie wieder gesund war, suchte er mit Freunden einen Platz für sie in Sardinien, vergeblich. Also beschloss er, sie zu sich in die Schweiz zu nehmen. «Wer A sagt, muss auch B sagen.»

Als Bub im Basler Zolli geholfen
So viel Persönliches muss nun aber genügen. Das sei nicht unfreundlich gemeint, aber er wolle verhindern, dass man zu viel über ihn und zu wenig über Inhalte schreibe. «Den spärlichen Raum, den man der Natur noch einräumt, soll man nicht mit dem Moser besetzen.» Er sei zu wenig interessant, sagt er. Was eine äusserst bescheidene Selbsteinschätzung ist. Immerhin ist Andreas Moser für seine Arbeit mit mehreren Preisen ausgezeichnet worden, 2006 hat ihm die Vetsuisse-Fakultät der Universität Zürich «in Anerkennung seiner grossen Verdienste um die Darstellung von Tieren und ihrer Vernetzung mit ihrem Lebensraum» die Ehrendoktorwürde verliehen – und was auch nicht jeder hat: Es gibt einen Wikipedia-Eintrag über ihn, wo sich einige Stationen im Leben des heute 58-Jährigen nachlesen lassen.

Dort heisst es unter anderem, der in Basel geborene und aufgewachsene Andreas Moser sei durch seine naturliebenden Eltern und den nahe gelegenen Zolli schon früh in Kontakt mit Tieren gekommen. Besonders intensiv beschäftigte er sich mit den Reptilien. So untersuchte er als Jugendlicher zusammen mit einem Kollegen während eines Klassenlagers die Reptilienfauna im Tessin. Für diese Arbeit erhielten die beiden 1973 im Wettbewerb «Schweizer Jugend forscht» das Prädikat «hervorragend», beim europäischen Wettbewerb für junge Wissenschaftler erreichten sie damit den zweiten Rang. Als Student der Biologie führte er weiterhin Feldstudien zu Reptilien durch und er promovierte über Giftschlangen. Als wissenschaftlicher Assistent und Laborchef im Gifttierlabor des Schweizerischen Tropeninstituts war er für die Haltung tropischer Gifttiere verantwortlich.

Mehr als nur Vermittlung von Wissen
Weshalb fesselten ihn gerade die Reptilien so sehr? Weil es auf diesem Gebiet noch einiges zu erforschen und Platz für Wissenschaftler gegeben habe, sagt Moser. «Ornithologen hatte es viele, bei den Säugetieren war auch ein ziemliches Gedränge …» Und dann war da schon auch noch so etwas wie ein Schlüsselerlebnis: Als Kind habe er in seiner Freizeit, wann immer er konnte, den Tierpflegern im Zolli geholfen. Und sein grosser Wunsch war, einmal dort während der Schulferien am Stück durchzuarbeiten, ein Volontariat zu machen. «Aber aus versicherungstechnischen Gründen musste man dafür mindestens 15 Jahre alt sein, ich war gute 13.» Einer der Wärter bei den Reptilien hatte den Buben offenbar besonders ins Herz geschlossen. Jedenfalls fragte dieser den jungen Kurator, der von dieser Regel nichts wusste, ob Andreas ihm während der Ferien helfen dürfe. Der Kurator sagte Ja «und so kam es, dass ich zwei Wochen lang jeden Tag bei den Reptilien arbeiten konnte».

Seit 1987 ist Andreas Moser beim Schweizer Fernsehen, von Beginn weg zuständig für Reportagen aus der Tierwelt. Beim Vorabend-Magazin «Karussell» lernte er das Fernsehhandwerk. Bekannt wurde er vor allem durch die Sendung Netz Natur, die er seit 1989 moderiert und seit 1993 als Redaktionsleiter verantwortet. Im Zentrum der Sendung stehen immer die Tiere und ihre natürlichen Lebensräume. Und welche Folgen die menschlichen Eingriffe in diese Lebensräume haben. Auch Konflikte zwischen Tier und Mensch werden häufig thematisiert. Beispielsweise mit mehreren Dokumentationen über die Grossraubtiere, deren Rückkehr in die Schweiz Ängste bei den einen, Freude bei den anderen auslöst.

«Wir versuchen, den Menschen die Natur aus dem Blickwinkel der Tiere zu zeigen», beschreibt Moser das inhaltliche Konzept seiner Sendung. «Wie sie leben, was sie dazu brauchen.» Es gehe um mehr als um Wissensvermittlung, darum, bei den Menschen das Bewusstsein für die Lebenswelt der anderen Arten, mit denen sie die Erde teilen, zu schärfen.

Nun ist Moser in seinem Element, hier wird seine Leidenschaft für das, was er macht, spürbar. Es wird klar, weshalb er auch schon als «Mahner mit der Kamera» bezeichnet worden ist. «Wir müssen den Tieren auf der gleichen Ebene, mit Respekt, begegnen, und das können wir nur, wenn wir ihre Sprache verstehen lernen, ihre Bedürfnisse kennen.» Denn es mangle zunehmend an Sensibilität den Tieren gegenüber. «Weil die Beziehung zu ihnen mehr und mehr abhanden gekommen ist.» Einerseits sei die Distanz zu den Tieren grösser geworden – «die Landwirtschaft wurde industrialisiert, die Jugendlichen stehen unter dem Einfluss der virtuellen Welten, haben immer weniger Bezug zur Realität» – andererseits habe man bei den Heimtieren die Distanz verloren. «Ein Tier darf aber nicht einfach unser Benutzungsobjekt sein, es gilt, auch seine Bedürfnisse zu achten.»

Sondersendung aus dem Nationalpark
Moser hätte noch viel zu diesem Thema zu sagen: über die mächtige Futtermittelindustrie, den falschen Umgang mit Hunden, ausgehend von unzähligen Missverständnissen über den Wolf. Aber es fehlt nicht nur an Platz für all diese Ausführungen, er muss zurück an seinen Arbeitsplatz. Dort liegen 250 Stunden Filmmaterial, die auf 90 Minuten zugeschnitten werden müssen. Für eine Spezialsendung «Netz Natur» am 25. September zum 100-Jahre-Jubliläum des Schweizerischen Nationalparks.

An diesem Tag stemmt «Netz Natur» zusammen mit dem Nationalpark und den Kolleginnen und Kollegen der Wissens-Sendung «Einstein», die alle ebenfalls an der Produktion beteiligt sind, eine ganz «grosse Kiste». Den ganzen Tag über kann das Fernsehpublikum vom Sessel aus den Nationalpark «erleben». Nebst der 90-minütigen Spezialsendung am Abend, die Ihnen live aus dem Engadin geboten wird, sehen Sie die besten Aufnahmen von rund 30 automatischen «versteckten» Kameras, die während eines Jahres an verschiedenen Orten im Park aufgestellt waren. Diese Originalaufnahmen werden unkommentiert und ungeschnitten tagsüber als Intermezzi zwischen insgesamt vier einstündigen Live-Sendungen von verschiedenen Orten im Nationalpark gezeigt. Andreas Moser wird gemeinsam mit dem Moderationsteam von «Einstein» durch die Livesendungen führen, und am Abend präsentiert er die Spezialsendung «Netz Natur», die uns Menschen «aus dem Blickwinkel von drei Bewohnern des Nationalparks – einer Eintagsfliege, eines Hirschkalbs und einer Arve – zeigt, wie lang oder kurz 100 Jahre sind».

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