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Mit einem Eisbären

Greenpeace-Aktivisten kapern Kohlezug

Unterhaltung | Mittwoch, 24. September 2014, Matthias Gräub

Um gegen ein Kohlekraftwerk zu protestieren, haben 50 Greenpeace-Aktivisten am Dienstag einen vollbeladenen Güterzug zum Anhalten gezwungen. Als Blockade haben sie eine lebensgrosse Eisbären-Attrappe verwendet.

Video über die Aktion: © Greenpeace.

Mit Notfallsignalen haben am Dienstag 50 Aktivisten der Umweltorganisation Greenpeace den Lokführer eines 400 Meter langen Kohlezugs dazu gebracht, anzuhalten. Der Zug war auf dem Weg zum nahegelegenen Kohlekraftwerk in Cottam, im Osten Englands. Als der Zug zum Stehen kam, sind die Aktivisten in die offenen Kohlewaggons geklettert und haben damit begonnen, die Briketts in braune Säcke zu schaufeln, die mit einem Rücksende-Zettel an den russischen Präsidenten Wladimir Putin adressiert waren. Zusätzlich haben sie eine lebensgrosse Eisbären-Puppe auf die Gleise gestellt, um die Weiterfahrt des Zuges – zumindest symbolisch – zu verhindern.

«Grossbritannien ist zu 51 Prozent von russischer Kohle abhängig», schreibt Greenpeace auf ihrer Website. «Allein letztes Jahr haben die britischen Stromproduzenten eine Milliarde Pfund an Steuergeldern in die Taschen der russischen Oligarchen geschaufelt.» Das Kohlekraftwerk in Cottam sei eines der schmutzigsten Kraftwerke Europas, schreiben die Umweltschützer. Gleichzeitig versorgt es aber 7.5 Millionen Haushalte mit Strom.

Passender Zeitpunkt
Wie die «Nottingham Post» berichtet, habe die Besetzung des Zuges von 3 Uhr nachmittags bis 10 Uhr abends gedauert. Die Aktivisten hatten zuvor angekündigt, sie hätten genügend Wasser und Nahrung für einen ganzen Tag mitgebracht. Wie «BBC News» schreibt, sei die Protestaktion friedlich verlaufen. Sowohl die britische Eisenbahn-Polizei als auch der Betreiber des Kraftwerks hätten verlauten lassen, dass kein Schaden durch die Blockade entstanden sei. Der Personenverkehr sei nicht behindert worden und der Betrieb des Kraftwerks sei nicht gestört worden.

In der Zwischenzeit seien drei der Aktivisten verhaftet worden. Sie werden damit gerechnet haben. Doch ihr Ziel, mediale Präsenz, dürften sie mit ihrer Aktion erreicht haben. Auch der Zeitpunkt der «Zug-Besetzung» war nicht zufällig gewählt: Aktuell ist der britische Premierminister David Cameron am UNO-Klimagipfel in New York, wo er mit Staatsoberhäuptern aus aller Welt über die Zukunft des Weltklimas verhandeln soll.

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