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Buchtipp

Eine nasse, neue Welt

Unterhaltung | Donnerstag, 27. November 2014 06:00, Matthias Gräub

Der Freiburger Naturfotograf Michel Roggo hat sich auf Wasser-Aufnahmen spezialisiert. Für «wasser.schweiz», hat er sich in die Schweizer Gewässer gewagt und eine überraschende Vielfalt verschiedener Lebensräume und Ökosysteme entdeckt.

Die Schweiz hat alles zu bieten: Eisige Klippen, tropische Regenwälder, ausgedehnte Sandwüsten. Ja, unter Wasser hat die Schweiz wirklich alles zu bieten, wie der Naturfotograf Michel Roggo in seinem neuen Buch «wasser.schweiz» aufzeigt.

Der Freiburger nimmt den Betrachter seines Bildbandes mit zum Gornergletscher, wo er seine Kamera in kristallklares Gletscherwasser taucht. Er nimmt ihn mit ins Torfmoor, wo das Wasser – durch Säuren rot gefärbt – in Flammen zu stehen scheint. Und er nimmt ihn auch mit ins Schilf, das von unten einerseits undurchdringbarer Dschungel, andererseits unverzichtbare Lebensader für Fische und Wasservögel ist.


© Michel Roggo in «wasser.schweiz»

Genau diese Fische und Wasservögel sind denn auch die Markenzeichen von Roggos Fotografie und Titelfiguren von «wasser.schweiz». Der Schwan von unten ist gleichermassen typisch wie überraschend. Er ist in den meisten Schweizer Gewässern zu finden, jeder hat ihn schon gesehen, kaum jemand jedoch aus dieser Perspektive. Der an Land so tollpatschige und beim Abflug so behäbige Vogel wird endlich in seinem wahren Element abgelichtet. Aber seien wir ehrlich: auch da sieht er mit seinen weit gespreizten Paddelbeinen und dem runden Hintern eher witzig als grazil aus.

Selten zu sehen bekommen wir auch Fische in ihrem natürlichen Habitat. Und wenn, dann meist durch den verschwommenen Filter aus Lichtbrechung und trübem Wasser. Umso überraschender und Eindrücklicher sind Roggos Bilder von ganzen Fischschwärmen, die durch den Unterwasserwald schwimmen. Da werden etwa die Laichwanderungen von Lachsen und Forellen dokumentiert und junge Äschen bei der Jagd auf Plankton fotografiert. Das Bild ganz oben zeigt einen gemischten Schwarm aus Brachsmen und Alet, zwei Arten von Karpfenfischen.


© Michel Roggo in «wasser.schweiz»

Tiere und Pflanzen im Wasser von unten zu fotografieren, das ist die Spezialität von Michel Roggo. Dabei hat sich der Fotograf bis vor kurzem kaum einmal die Füsse nass gemacht. Jahrzehntelang hat er seine Kameras in Flüssen und Seen versenkt, sich ans Ufer gesetzt und blind per Fernauslöser abgedrückt. Erst mit sechzig Jahren hat Roggo doch noch den Sprung ins kalte Wasser gemacht. Heute schnorchelt und taucht er mit Vergnügen. In «wasser.schweiz» sind nun erstmals Unterwasserbilder zu sehen, die er «von Hand» aufgenommen hat. 

Der Aufwand hat sich gelohnt. Der Bildband vermittelt einen ganz neuen Blick auf die Schweiz. Eine Schweiz, die in ihren Flüssen, Seen und Bächen mindestens genauso abwechslungsreich ist wie oberhalb des Wasserspiegels. Die kurzen Bildlegenden in drei Sprachen hätten etwas ausführlicher ausfallen dürfen, doch im Interview am Buchende erklärt Roggo explizit, dass es sich bei «wasser.schweiz» um einen Bildband und nicht um ein Sachbuch handle. Der Fokus des Betrachters soll also auf den Bildern liegen und ihn ruhig etwas im Dunkeln über die Details lassen. Eine gute Entscheidung.

Michel Roggo: «wasser.schweiz», gebunden, 288 Seiten, Verlag: Werd, ISBN: ISBN 978-3-85932-731-3, ca. Fr. 60.–

 

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