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Tiere in der Musik

Sonaten für Samtpfoten

Unterhaltung | Donnerstag, 4. Dezember 2014, Matthias Gräub

Heute wollen wir Sie in die Welt der klassischen Musik entführen. Nehmen Sie sich einen Moment Zeit und lauschen Sie den Klängen grosser Komponisten, die eines gemeinsam haben: Ihre Stücke sind tierisch schön.

Camille Saint-Saëns: «Der Elefant» aus «Der Karneval der Tiere». Video: YouTube/Fledermaus 1990. Titelbild: Alan Levine/Flickr/CC-BY-SA

Kuckuck, Kuhreigen, Katzenfuge: Vom barocken Zeitalter bis in die Moderne haben klassische Komponisten immer wieder Tiere in ihre musikalischen Motive aufgenommen. Immer wieder haben die Grossen ihrer Zunft dabei versucht, das Wesen der Tiere in musikalischer Form herauszuarbeiten.

Eins der anschaulichsten Beispiele dafür ist mit Sicherheit die musikalische Suite «Der Karneval der Tiere» des französischen Komponisten Camille Saint-Saëns (1835-1921). In 14 kleinen Abschnitten widmet er sich den verschiedensten Tieren, so heissen die Stücke unter anderem «Königlicher Marsch der Löwen», «Hühner und Hähne», «Schildkröten» oder «Kängurus». Sogar den eigentlich stummen Fischen im «Aquarium» und den «Fossilien» (mit dem damals für Orchester unüblichen Instrument Xylophon) hat er einen Satz gewidmet.

Im Video oben können Sie den «Elefanten» hören, der genau so behäbig tönt, wie Sie es sich vorstellen. Hauptinstrument ist – wie es sich für Elefanten gehört – der Kontrabass. Ähnliches kennen Sie vielleicht in einer neueren Form: «Colonel Hathis Marsch» in Disneys «Dschungelbuch» zeigt den elefantösen Trott mit Trompeten als Sinnbild der Elefantenrüssel.

Ein Märchen gedichtet hat der russische Komponist Sergei Prokofjew (1891-1953). «Peter und der Wolf» ist ein musikalisches Märchen, das Kinder an die klassische Musik und das Sinfonieorchester hinführen sollte. Dabei wurde jeder der Figuren in der Handlung ein Musikinstrument zugeordnet. Peter wird durch die Streicher dargestellt, der Wolf durch drei Hörner, die Ente quakt als Oboe und die Katze miaut als Klarinette. Unten hören Sie den berühmten Marsch aus dem Stück.

Der Marsch aus «Peter und der Wolf» von Sergei Prokofjew. Video: YouTube/TheWickedNorth

Apropos Klarinettenkatze: Die Samtpfote ist schon seit jeher ein beliebtes musikalisches Sujet. Schon Domenico Scarlatti (1685-1757) hat sich ihrer angenommen. Der Italienische Barock-Komponist hat eine Sonate in g-minor geschrieben, die später «Katzenfuge» genannt wurde. Das Cembalo-Stück erinnert an einen Stubentiger, der über die Tastatur trippelt. Und wer der Legende Glauben schenkt, fühlt sich bestätigt, denn Scarlatti besass offenbar tatsächlich eine Katze, «Pulcinella», die gerne über das Instrument seines Halters huschte und sich der Töne erfreute, die sie dabei erzeugte.

Domenico Scarlatti: «Katzenfuge». Video: YouTube/ptalka

Was nun noch fehlt, um die «Katzenmusik» perfekt zu machen, fragen Sie? Na klar: Der Gesang! Aber keine Sorge, auch den können wir bieten. Ursprünglich dem grossen Opernkomponisten Rossini zugeschrieben (auf ihn kommen wir später zurück) wurde das «Katzenduett», ein humoristisches Duett für zwei Soprane, deren Text einzig und allein aus dem Laut «miau» besteht. 

In Wahrheit stammt das Stück vermutlich vom britischen Komponisten Robert Lucas Pearsall (1795-1856), der sich die instrumentale Begleitung für das witzige Katzengejammer aus Rossinis Oper «Othello» lieh. Im Video unten sehen Sie eine von vielen Versionen des heute zur Auflockerung oft vorgetragenen Stückes. Die Besonderheit: Anstelle von zwei Frauen wird der Gesangspart von zwei Knaben übernommen.

Das «Katzenduett». Video: YouTube/Buddiespace.net

Auch der Norwegische Romantiker Edvard Grieg (1843-1907) hat sich in seinem musikalischen Schaffen mit Tieren auseinandergesetzt. Neben seinem «Kuhreigen», der das Treiben auf der Alp versinnbildlichen soll, hat er den «Schmetterling» erschaffen, ein kleines lyrisches Stück, das den Zuhörer den Flügelschlag des Sommervogels bei geschlossenen Augen sehen lässt.

Edvard Grieg: «Der Schmetterling». Video: YouTube/theoshow2

Was in der Luft umhergaukelt, ist überhaupt sehr geeignet und beliebt für klassische Kompositionen. Und wenn es dazu noch heiter tiriliert erst recht. So gibt es Unmengen von Stücken, die nach Vögeln benannt sind. Schon im 15. Jahrhundert hat Clément Janequin den «Chant des oyseaulx» geschrieben, den «Vogelgesang» in seiner altfranzösischen Schreibweise. Georg Friedrich Händel hat ein Duett zwischen Kuckuck und Nachtigall geschrieben, Beethoven ein Terzett mit den beiden genannten sowie der Wachtel und Vivaldi hat ein Konzert mit Solo-Flöte «Il Cardellino» genannt, «Der Distelfink».

Das Video unten zeigt die Ouvertüre zu «La Gazza Ladra», einer Oper, die der grosse italienische Komponist Gioachino Rossini (1792-1868) der «diebischen Elster» gewidmet hat. Sie handelt von einer tragischen Liebesgeschichte zwischen einem zurückkehrenden Kriegshelden und dem Dienstmädchen Ninetta, das beschuldigt wird, einen silbernen Löffel gestohlen zu haben und deshalb zum Tode verurteilt wurde. Im letzten Moment stellt sich jedoch heraus, dass nicht sie die Täterin war, sondern... Sie können es sich schon denken.


Die Mannheimer Philharmoniker spielen die Ouvertüre von «La Gazza Ladra». Video: YouTube/Mannheimer Philharmoniker

Vögel halten sich bis heute in der klassischen Musik. Auch moderne Komponisten bedienen sich ihrer Gesänge gerne – und zuweilen in äusserst kreativen Formen. Während die Vögel früher noch durch Flöten, Violinen und Klarinetten dargestellt wurden, fliessen sie beim finnischen Komponisten Einojuhani Rautavaara (*1926) gleich «in echt» in seine Musik ein. Sein «Cantus Arcticus» von 1972 wird als «Konzert für Vögel und Orchester» bezeichnet. Darin lässt er Vogelstimmen vom Tonband in sein Livekonzert einfliessen. Eine (gewöhnungsbedürftige) Kostprobe gibt's im Video unten.

Einojuhani Rautavaara: «Cantus Arcticus». Video: YouTube/pomip926

Der «Rockstar» unter den musikalischen Tieren ist die Hummel. Jeder hat den «Hummelflug» vermutlich schon einmal gehört. Ursprünglich war es ein Zwischenspiel aus der Oper «Das Märchen vom Zaren Saltan» von Nikolai Rimski-Korsakow (1844-1908). Heute wird es aber meist unabhängig davon gespielt, oft als Zugabe von Konzerten. 

Was das Stück ausmacht, ist sein hohes Tempo. Wie das unruhige Schweben und Surren einer Hummel spielen Geigen und Flöten um ihr Leben, etwa 12 Töne pro Sekunde müssen im Originaltempo gespielt werden. Und das während gut 3 Minuten und 20 Sekunden. Heute haben es sich vor allem virtuose Violinisten zum Ziel gesetzt, das Stück immer noch schneller zu spielen. Den prestigeträchtigen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde hat zurzeit Ben Lee inne, der den «Hummelflug» 2011 in 54.24 Sekunden spielte.

«Der Hummelflug». Video: YouTube/TheWickedNorth

Nun, da Sie hoffentlich genug Inspiration und Entspannung durch klassische Musik genossen haben, gibt es als kleine Zugabe noch etwas ganz anderes auf die Ohren. Beziehungsweise genau dasselbe, aber anders. Denn der «Hummelflug» macht nicht Halt bei Extrem-Geigenspielern, er ist auch beliebt bei E-Gitarristen. Um Sie aus der besänftigenden Trance von Suiten und Sonaten zu wecken, sehen Sie sich auch noch das letzte Video unten an. Es zeigt eine Metal-Version des «Hummelflugs», den «Sting of the Bumblebee» von Manowar. Festhalten.

Manowar: «Sting of the Bumblebee». Video: YouTube/Jahfifa

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