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Ängstliche Insektenforscher

Zwei Beine machen den Unterschied

Unterhaltung | Dienstag, 6. Januar 2015, Matthias Gräub

«Arachnophobic Entomologists». Was der Titel eines Horrorfilms sein könnte, ist in Wahrheit der Titel einer Studie über Insektenforscher, die Angst vor Spinnen haben. Für sie sind sechs Beine toll, acht der Horror.

Spinnen sind für uns Normalbürger nicht gerade Sympathieträger. Obwohl sie uns Mücken und Fliegen vom Leib halten, finden wir sie irgendwie eklig. Wer einmal kopfvoran in einem Netz hängengeblieben ist, wird sich ungern daran erinnern, wem eine dicke Kreuzspinne einmal unvermittelt vor dem Gesicht herumgebaumelt ist, erst recht.

Für jemanden, der sich tagein, tagaus mit kleinen Krabbeltieren beschäftigt jedoch, sollten Spinnen kein Problem sein, könnte man meinen. Und doch hat der US-Amerikanische Spinnenforscher Richard S. Vetter eine Gruppe Insektenkundler gefunden, die von sich selbst behaupten, Angst vor Spinnen zu haben. Die Studie dazu wurde 2013 im Fachjournal «American Entomologist» veröffentlicht. Die Resultate sind nicht bahnbrechend, aber durchaus mit interessanten und witzigen Fakten bestückt.

Mit Hilfe eines Fragebogens hat Vetter 41 Entomologen (Insektenforscher) auf ihre Abneigung gegenüber Spinnen untersucht. Dabei stellte er Fragen wie «Spinnen sind eine meiner grössten Ängste», auf die immerhin fünf der Befragten mit «stimme völlig zu» antworteten. In der Gesamtauswertung fand sich jedoch, dass ein Grossteil der Insektenkundler, die immerhin selbst angegeben hatten, Angst oder Ekel vor Spinnen zu haben, keineswegs unter einer Phobie litten.

Kindheitserlebnisse sind oft schuld
Ob sie nun lediglich eine kleine Abneigung oder eine ausgewachsene Arachnophobie haben, die ausführlichen Antworten der Befragten haben hohes Unterhaltungspotenzial. So schreibt eine: «Ich würde lieber eine Handvoll Maden aufheben als mich einer Spinne zu nähern.» Eine andere Person schreibt von Albträumen aus ihrer Kindheit, in denen sie durchs Haus rennt und in in einem riesigen Spinnennetz landet und erst in dem Moment aufwacht, in dem sie von der Riesenspinne gefressen wird. 

Auch die Familien der Befragten werden für schuldig befunden. Eine Probandin wurde als Kind von ihrem Bruder mit Hilfe von toten Spinnen durchs Haus gejagt. Zum Glück fand sie kurz darauf heraus, dass der Bruder schreckliche Angst vor Pilzen hatte, so konnte sie den Spiess umdrehen.

Es scheint, dass auch Menschen, die beruflich mit vielbeinigen Gliederfüssern zu tun haben, von einer irrationalen Angst befallen werden können, sobald das Tier vor ihnen nicht sechs, sondern acht Beine hat. Dabei unterscheiden sie sich nicht wesentlich von Nicht-Wissenschaftlern, die eine Abneigung oder gar Phobie gegenüber Spinnen haben.

Ein grosser Unterschied zeigt sich aber in der Sympathieskala unterschiedlicher Tiere. Die Probanden mussten eine Rangliste erstellen, welche Tiere ihnen am sympathischsten sind und welche sie verabscheuen. Mit von der Partie waren etwa Hund, Katze, Maus, Schlange, Spinne, Kaninchen, Tintenfisch, Libelle oder Raupe. Beim Normalbürger würden hier die kleinen, flauschigen «Streicheltiere» haushoch gewinnen, vielleicht die Katze vor dem Hund und dem Pferd, und ganz weit hinten all die Insekten und Spinnentiere.

Geliebte Küchenschabe, verhasste Spinne
Die Spinnen sind auch bei den ängstlichen Entomologen ganz hinten. Schlechter schneidet bei ihnen nur die Zecke ab, ein enger Verwandter. Doch an der Spitze der Rangliste geht es nicht etwa flauschig zu und her. Dort befinden sich die Tiere aus dem Berufsfeld der Befragten. Platz eins: Der Schmetterling. Gefolgt von der Libelle, dem Marienkäfer, der Biene und der Raupe. Dazwischen auf Platz vier der Delfin. Der Frosch ist beliebter als die Katze, der Tintenfisch sympathischer als das Eichhörnchen.

Und auch wenn Maden und Küchenschaben sogar bei den Insektenkundlern relativ weit unten landen, haben doch einzelne der Befragten diesen Tieren die maximale Sympathienote verliehen. Mit Erklärungen wie: «Maden lauern dir nicht auf und springen dir auch nicht ins Haar» oder «Die erste Woche in der Entomologie-Klasse war hart. Thema waren die Verwandten der Insekten. Aber sobald sie die Küchenschaben rausgeholt hatten, war ich begeistert!»

So ganz gleich wie Normalbürger ticken sie wohl doch nicht, die Entomologen. Aber auch sie sind nicht vor dem irrationalen Ekel gefeit, den so viele von uns haben. Falls Sie übrigens Ihre Angst vor Spinnen testen wollen, schauen Sie sich mal das Video unten an. Es zeigt eine Wolfsspinne mit ihren Jungen auf dem Rücken. Ein Krabbeln ohne Ende, das auch einen gestandenen Spinnenfreund leicht erschaudern lässt.

Video: YouTube/Street Hip-Hop

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