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11 Tage

Künstler lässt Publikum auf Ratte schiessen

Unterhaltung | Samstag, 14. März 2015, sk

Der Künstler Florian Mehnert gibt eine Ratte zum Abschuss frei. Abdrücken kann jeder - per Mausklick. Ist es ein Denkanstoss, um über Drohnen und Ballerspiele zu diskutieren? Oder blosse Tierquälerei?

Elf Tage heisst das neueste Kunstexperiment von Florian Mehnert. Der deutsche Künstler hat dafür eine Laborratte in eine Box mit Stroh gesetzt. Über einen Livestream können Internetnutzer auf der ganzen Welt elf Tage lang zuschauen, was die Ratte gerade so tut.

So weit, so unspektakulär - eine Art Big Brother mit einer Ratte. Wäre da nicht die Pistole, die auf das Tier gerichtet ist. Der User sieht nur die Mündung der Waffe, ganz so, wie bei den so genannten Egoshooter-Spielen am Computer.

Per Mausklick töten
Momentan ist die Waffe nicht scharf. Aber am 24. März, punkt 19 Uhr, nach elf Tagen, kann jeder eingeloggte Nutzer per Mausklick den Abzug drücken. Wie Mehnert gegenüber der Webseite fudder sagte, will er mit der Aktion aufrütteln.

Er wolle eine Diskussion in Gang setzen zu den extremen Folgen, welche die heutigen Überwachungsmethoden haben könnten, sagte er. «Mit den Daten, die man durch die Überwachung von Menschen anfertigt, kann man durch Drohnen gezielt töten. Das geschieht bereits.»

Von deutschem Boden aus würden die Amerikaner zum Beispiel Drohnen im Jemen, in Waziristan und in Syrien fliegen. «Da sterben Zivilisten, denn man vertut sich auch mal – aber das finden die Leute dann in Ordnung. Bei der Ratte dagegen sind sie hochgradig empört!»

Morddrohungen erhalten
Gegen den Vorwurf, völlig sinnlos ein Tier zur Tötung freizugeben, wehrt sich der Künstler. Auch Krieg sei unsinnig, sagte er. Genauso auch Menschen gezielt zu töten, auch wenn sie vielleicht terroristische Ambitionen hätten. «Es ist immer unsinnig, auf Aggressivität mit weiterer Aggressivität zu antworten.»

Aufgrund seines Projektes habe er schon zig empörte Zuschriften und auch einige Morddrohungen erhalten, sagt Mehnert. Wegen eines Drohnenkrieges oder der Totalüberwachung im Internet rege sich niemand auf, «aber wenn eine einzige Ratte getötet werden könnte, explodiert die Empörung».

30 Prozent wollen Ratte tot sehen
Immerhin: Sicher ist es nicht, dass die Ratte getötet wird. Drückt nach Ablauf der elf Tage niemand ab, bleibt das Tier am Leben. Daran glauben mag Mehnert aber nicht. Die Wahrscheinlichkeit, dass Leute schiessen, sei sehr gross, sagte er.

Bei einem Voting auf der Seite des Projekts stimmten (bis zum Zeitpunkt der Publikation dieses Textes) fast 30 Prozent aller Teilnehmer dafür, dass die Ratte getötet werden solle. Und genau das ist es, was Mehnert aufzeigen will. Der Künstler sagt: «Er (der Mensch) traut sich gerade aus der Anonymität heraus viel. In seiner Grundhaltung ist er sehr tötungswillig und aggressionsbereit.»

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