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Die Ruderer im Karpfen-Sturm

Unterhaltung | Samstag, 18. April 2015 15:00, Simon Koechlin

Eigentlich wollte das Ruderteam der Universität Washington auf dem Creve Coeur Lake trainieren. Doch plötzlich befand sich das Boot, gefilmt von einem Kommilitonen, mitten in einem Gewitter aus fliegenden Karpfen. 

Die armen Ruderer wussten weder ein noch aus, als ihnen die Karpfen um die Ohren zu fliegen begannen.

Dutzende von Fischen begannen rund um das Ruderteam aus dem Wasser zu springen. Einige landeten im Boot, der eine oder andere traf einen unglücksseligen Ruderer gar im Gesicht. «Der Fisch plumpste auf meine Beine. Er war so glitschig, dass ich ihn nicht packen konnte», sagte Devin Patel, einer der Ruderer, dem US-Fernsehsender CNN.

Verletzt wurde niemand – und nach etwa einer Minute war der Spuk vorbei. Doch den Sportlern war der Schreck sichtlich in die Glieder gefahren. Auf englischsprachigen Webseiten schrieben Journalisten über das Video, das die Ruderequipe nach dem Vorfall auf die Videoplattform Youtube gestellt hatte, munter vom Angriff der Killerkarpfen und dergleichen.

Fluchtreaktion
Doch dass es sich bei der Hüpferei um einen koordinierten Angriff vom Fischen auf Menschen gehandelt hat, ist laut Experten äusserst unwahrscheinlich. «Es ist eher ein Fluchtmechanismus», sagte Viv Shears von der britischen Karpfenzucht VS Fisheries gegenüber dem Nachrichtensender BBC. Wahrscheinlich seien sie vom herannahenden Boot gestört worden.

Das heisst aber noch nicht, dass aus dem Wasser springende Karpfen ungefährlich wären. Bei den Tieren, die im Creve Coeur Lake leben, handelt es sich laut Fischkennern um Asiatische Karpfen. Unter dieser Bezeichnung laufen diverse Karpfenarten, die einst aus Asien nach Europa und Amerika eingeschleppt wurden.

Fatale Folgen
Einige dieser Arten, etwa der Marmorkarpfen oder der Silberkarpfen, können so gross werden wie ein Primarschüler – und bis zu drei Meter aus dem Wasser springen, wie die US-Behörde für Fischerei und Jagd in einem Faktenblatt schreibt. «Zusammenstösse zwischen springenden Silberkarpfen und Menschen auf Booten können fatale Folgen haben», heisst es darin weiter.

Verschärft wird die Situation dadurch, dass viele Asiatische Karpfenarten anscheinend häufig aus dem Wasser springen. Bei einer Umfrage unter Fischern und Bootshaltern auf dem Illinois-Fluss (USA) gaben drei Viertel an, schon einmal einen springenden Asiatischen Karpfen gesehen zu haben – oder gar schon von einem getroffen worden zu sein. So betrachtet, hat die Ruderequipe vom Creve Coeur Lake also Dusel gehabt.

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