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Vierbeinige Artisten

Seemannskatzen kapern Zirkus-Schiff

Unterhaltung | Donnerstag, 23. April 2015 09:00, Matthias Gräub

Die einzigen Raubtiere im Circus Gasser Olympia sind Katzen und Hunde. Das moldawische Duo Dascal fürt mit ihnen Tricks auf der Zirkusbühne vor.

Noch sitzen sie alle in einem Boot, die Katzen. Ludmilla und Ion Dascal betreten die Zirkusbühne im Seemanns-Look, sie als Matrosin, er als kugelrunder Kapitän. Die wahren Artisten warten in dem selbst gebastelten Schiff auf ihren Auftritt im Circus Gasser Olympia: Sieben Katzen, die Ion nun eine nach der anderen aus ihren Kajüten holt. Angespornt von kleinen Belohnungen balancieren die Büsis über schmale Balken, springen von Podest zu Podest, gerne auch auf den Oberkörper des Katzenkapitäns, der über die Bühne wackelt und sich den Stubentigern als Plattform anbietet.

Was einfach und spielerisch aussieht, ist harte Arbeit, wie das Katzentrainer-Duo aus Moldawien erklärt. «Das sind keine Wundertiere, die werden lange trainiert», sagt Ludmilla. Mindestens ein Jahr dauere es, bis die Tricks sitzen. Und da Katzen ihren eigenen Kopf haben, gelingt auch auf der Zirkusbühne nicht immer jeder Trick. «Wenn es sehr heiss ist, sind die Katzen etwas minimalistisch», sagt die Trainerin. Doch die Dascals wissen darauf zu reagieren. «Jede Katze beherrscht jeden Trick», erklärt Ion. Wenn eine keine Lust hat, kann die nächste einspringen.

Ihre Freizeit verbringen die Katzen entweder im Wohnwagen der Dascals oder in einem grossen Auslaufgehege, in dem sie nach ihrem Auftritt faul, aber zufrieden vor sich hindösen. «Freien Auslauf können wir ihnen nicht geben, weil wir immer an einem anderen Ort sind», sagt Ludmilla. Überhaupt geht der Katzenalltag mit demjenigen ihrer Trainer einher. «Alles ist ständig in Bewegung. Aufbau, Abbau, Umzug, Training – es gibt keine festen Zeitpläne.» Einen Richtwert gebe es allerdings: Etwa 30 Minuten pro Tag verbringen die Trainer mit jeder Katze, um zu trainieren.

Ein Pudel als Rechenkünstler
Die Zirkuskatzen verstehen sich nicht nur untereinander prächtig, sondern auch mit den beiden Pudeln des Artisten-Ehepaars. Diese sind die Hauptdarsteller der zweiten Tiernummer im Zirkusprogramm. Beziehungsweise einer davon. Der andere ist erst vier Monate alt und «in Ausbildung». In der Hundeshow tanzt Ludmilla mit ihrem Pudel in Dogdance-­Manier über die Bühne, der Hund hüpft auf Kommando über die Knie der «Dompteurin», huscht ihr zwischen den Beinen hindurch und stellt sich auf die Hinterbeine.

Der Pudel ist nicht nur wendig, sondern auch schlau. «Er kann sogar rechnen», wird auf der Bühne verkündet. Schilder mit Zahlen von eins bis zehn werden im Kreis aufgestellt, das Publikum darf einfache Rechenaufgaben stellen. «Sieben minus zwei» und ähnliche Knacknüsse werden dem Hund auf einer Tafel präsentiert, worauf er über die Bühne huscht, das Schild mit der entsprechenden Zahl schnappt und seinem Frauchen zeigt.

Die Katzennummer nähert sich ihrem Höhepunkt. Nun hängt eine weisse Katze kopfüber an einer Kratzbaum-Stange und hangelt von Podest zu Podest. Ihre schwarze Artgenossin versucht sich als Barrenturnerin und bäumelt zwischen zwei Stangen, die Hinterbeine schwingen in der Luft. Und dann der Trommelwirbel: Eine rote Katze sitzt auf dem «Schiffsmast», den Kapitän Ion gut fünf Meter in die Luft reckt. Woanders müsste man nun wohl die Feuerwehr rufen, doch nicht hier. Das Büsi zögert zwar kurz, springt dann hinunter und landet sanft auf einem Kissen, das ihr Ludmilla hinhält.

Der Auftritt ist vorbei, die Katzen sitzen wieder in ihrem Boot. Bleibt bei dieser Seefahrerthematik noch die Frage, ob die Katzen denn Wasser mögen. «Nein, keine Katze mag Wasser», antwortet Ion. Trotzdem kommen die Tiere für seine Zirkusnummer nicht immer ums kühle Nass herum: «Wenn es heiss ist, wasche ich die Tiere vor der Show kurz. Dann sind sie auf der Bühne aktiver.»

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