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Kunst

Wie der Border Collie ins Gemälde kam

Unterhaltung | Donnerstag, 28. Mai 2015 06:00, Niklaus Salzmann

Da Vinci, Vermeer und Chagall haben eines gemeinsam: Sie alle haben den Border Collie «Bella» porträtiert. Das machen zumindest die Adaptionen der Grafikerin Andrea Marques glauben.

Die Grafikerin Andrea Marques hat eine Muse mit vier Pfoten. Bella heisst der Hund, ein Border Collie, ungefähr sechs Jahre alt, den sie aus einem Tierheim adoptiert hat. Inzwischen hat Marques ihre Bella in unzähligen Gemälden verewigt. Sie griff dazu aber nicht selber zum Pinsel, sondern fügte den Hund mittels Photoshop in klassische Vorlagen ein, von Leonardo Da Vincis «Mona Lisa» bis zu Gustav Klimts «Der Kuss».

Marques, aufgewachsen in Rio de Janeiro, hat dort ursprünglich Industrial Design studiert. Ihre Abschlussarbeit schrieb sie damals über die Rolle des Computers im kreativen Prozess – und dies Ende der Achtziger, als noch niemand zu Hause einen Computer hatte und das Bildbearbeitungsprogramm «Photoshop» nicht mal existierte. In der Zwischenzeit ist Andrea Marques in die irische Hauptstadt Dublin gezogen und hat lange Zeit nicht als Grafikerin gearbeitet. Erst Mitte 2014 entstand die Idee zu den Bella-Bildern, mit denen sie gleichzeitig den Umgang mit Photoshop üben und ihre Hündin in gewisser Weise unsterblich machen konnte.

«Bella hilft mir, stark zu sein»
«Bella ist mein kleines Mädchen», sagt Marques gegenüber der Tierwelt. Und mehr als das – Marques bezeichnet die Hündin gar als Retterin. «Vor ein paar Jahren wurde bei mir Multiple Sklerose diagnostiziert, und in letzter Zeit muss ich feststellen, dass sich mein Gesundheitszustand verschlechtert. Ich bleibe meist zuhause. Bella hilft mir, stark zu sein.»

«Ich fotografiere sie ständig, ihre Mimik, ihre Posen», erzählt Marques. «Es ist wohl dasselbe Verhalten, das menschliche Eltern mit ihren Kindern zeigen.» So hat sich eine riesige Auswahl an Fotos angesammelt, die sie für ihre Collagen verwenden kann. Bella allerdings habe nicht mehr so Freude daran, ständig abgelichtet zu werden. «Sie rennt jetzt meist davon, wenn sie sieht, dass ich die Kamera oder das Mobiltelefon hole – als würde sie denken: ‹Verdammt, jetzt kommt sie schon wieder mit diesem Ding...›»

Die Bilderserien mit den klassischen Gemälden, «Little Gallery of Dog Art», umfasst inzwischen Dutzende Werke. Daneben bearbeitet Marques auch historische Fotos, in die sie ihren Liebling einfügt – zum Beispiel als Revue-Tänzerin oder als Japanerin im Kimono. «Ich würde diese Kleider am liebsten selber anprobieren», sagt sie. Weiter hat sie auch einige zeitgenössische Werke geschaffen, etwa Titelseiten für die fiktive Zeitschrift «Dogue», ein Anspielung an die Modezeitschrift «Vogue».

Nun spielt Marques mit dem Gedanken, einen Kalender mit verlassenen und misshandelten Welpen zu machen, dessen Gewinn der Rettung von Hunden zu Gute käme. In ihren Bildern ist zum Beispiel auch ein Samoyede anzutreffen, den sie einmal bei einem Spaziergang mit Bella angetroffen hatte. Auch der Spaniel ihrer Dogsitterin tritt regelmässig auf. Sogar Katzen finden ihren Platz – und sie kann sich gut vorstellen, noch mehr Katzenbilder zu machen, sollte sie jemand darum bittet und ihr die Modelle zur Verfügung stellen. Also, E-Mail schreiben an amarques@irlbrl.com (wenn möglich Englisch oder Portugiesisch) und Katzenfotos mitsenden!

Weitere Werke von Andrea Marques:
www.facebook.com/glasspetaldesign
www.behance.net/Glasspetal
glasspetal.prosite.com/

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