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Glosse

Tierschutz vs. Artenschutz

1 Kommentare Wildtiere, Unterhaltung | Freitag, 22. Mai 2015, Prof. Dr. Pesud O. Brehm

Ist Prinz Charles ein Tierfreund? Nach den neusten Enthüllungen stellt sich ganz England diese Frage. Professor Pseud O. Brehm, Experte für Tierproblematik, gibt die Antwort.

Sie haben es vielleicht gelesen: Prinz Charles setzt sich für den Schutz der Albatrosse ein, Dachse dagegen will er abschiessen lassen. Zudem hat der Thronfolger und WWF-UK-Präsident einst das Verbot von Gänsestopfleber unterstützt und ruft öffentlich zum Kampf gegen die Elefanten- und Nashornjagd auf, zählt aber die Fuchsjagd zu seinen Hobbys. Da stellt sich die Frage: Ist der Prinz nun ein Tierschützer oder nicht?

Um diese Frage zu beantworten, müssen wir ein verbreitetes Missverständnis aus dem Weg räumen: Es gibt auf der einen Seite Tierschützer, auf der anderen Seite Artenschützer – und das sind zwei grundverschiedene Lebenseinstellungen.

Der Tierschützer will grundsätzlich kein Tier töten. Ob Hundeblick oder traurige Hühneraugen, die stummen Hilferufe misshandelter Tiere stossen bei ihm auf offene Ohren. Spitzmaulnashorn, Angusrind, Stechmücke, jedes Tier hat ein Recht auf Leben. In der Konsequenz ernährt er sich der Tierschützer vegetarisch oder noch besser vegan. Sein Gewissen ist rein wie der Kittel des Tierarztes, auf Gewalt verzichtet er, es sei denn, um wehrlose Wölfe, Rottweiler oder Küchenschaben gegen den Menschen zu schützen – nur der Homo sapiens ist kein Tier und gehört folgerichtig auch nicht geschützt.

Der Artenschützer hingegen ist nur dann gegen das Töten, wenn das Tier selten ist. Englische Füchse abschiessen ist in Ordnung, Bengalische Tiger jagen nicht, Gemeine Stechmücken zerdrücken geht klar, asiatische Tigermücken werden verschont. Lieber isst der Artenschützer ein Rindssteak als ein saftiges Stück Tofu aus Soja, denn für den Anbau von Sojabohnen wird in Brasilien Regenwald abgeholzt und damit Lebensraum für bedrohte Arten vernichtet; die Brandrodung führt zudem via Klimawandel zum Ertrinken von Eisbären (Rote Liste: «gefährdet»), denen in der Arktis das Eis unter den Pfoten wegschmilzt. Wenn ein Artenschützer Vegetarier oder Veganer ist, dann weil Rinder mit brasilianischem Soja gefüttert werden und weil der Treibhauseffekt durch den bovinen Methanausstoss verstärkt wird, sprich durch die Fürze und Rülpser der Kühe.

Wenn Sie den Unterschied zwischen Tier- und Artenschützern verstanden haben, ist Ihnen nun auch klar, zu welcher Kategorie Prinz Charles zählt. Füchse und Dachse sind häufig und bedürfen seiner Ansicht nach keines Schutzes. Elefanten und Nashörner hingegen liegen ihm offensichtlich deshalb am Herzen, weil sie gefährdet sind. Und auch sein Engagement gegen den Konsum von Gänsestopfleber erklärt sich im Sinne des Artenschutzes. Denn das Verschwinden von Foie gras aus den Ladenregalen deutet darauf hin, dass Stopflebergänse selten geworden sind und folglich geschützt werden müssen.

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Kommentare (1)

Andrej am 02.12.2017 um 21:05 Uhr
Also ganz ehrlich, dass der Artenschützer auf Soja verzichten würde und lieber Rindssteak ist, weil wegen des Anbaus von Soja die Regenwälder abgeholzt werden, ist wirklich vollkommener Quatsch. Im Satz darauf stellen Sie es doch selbst richtig klar, dass das Soja eben für die Nutztierhaltung verwendet wird. Fast der ganze Sojaanbau wird doch für die Massentierhaltung genutzt. Also auch ein Artenschützer müsste konsequenter Weise vegetarisch oder vegan leben. Auch und noch etwas: der Homo Sapiens ist auch ein Tier, folglich gehört er auch geschützt. Eine vegane Ethik umfasst im konsequenten Sinne alle Lebewesen, auch Menschen.

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