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Dokumentarfilm «Ailos Reise»

Ein kleines Rentier auf grosser Reise

Unterhaltung | Dienstag, 12. Februar 2019, Oliver Loga

Rentiere erfreuen sich vor allem in der Weihnachtszeit grosser Beliebtheit. Doch wie leben die Geweihträger eigentlich in der freien Wildbahn? Die Antwort liefert der Dokumentarfilm «Ailos Reise», der ein neugeborenes Rentier zwölf Monate lang begleitet hat. 

Der Trailer zu «Ailos Reise» (Video: Ascot Elite Entertainment).

Wenn es um Tierwanderungen geht, laufen vor dem geistigen Auge normalerweise unzählige ums Überleben kämpfende Gnus und Zebras durch die afrikanische Savanne. Doch auch im hohen Norden gibt es spektakuläre Wanderungen, die nicht minder gefährlich sind. Die Protagonisten sind hierbei Rentiere. Sie begeben sich auf eine über 500 Kilometer lange Odyssee durch die gefrorene Taiga, müssen eiskalte Flüsse passieren und sich vor diversen hungrigen Raubtieren in Acht nehmen. Besonders hart sind diese Strapazen und Herausforderungen für Jungtiere. Nur jedes zweite überlebt. 

Eines davon ist Ailo. Dabei sieht es zunächst so aus, als würde seine Mutter das neugeborene Rentier zurücklassen, um den Anschluss an die Herde nicht zu verlieren. Nach kurzem Zögern überwiegt aber die Liebe zu ihrem Kalb. Nun gilt es zu zweit, von den Bergen Lapplands herab zu den Sommerweiden zu gelangen. Für Ailo ist das ein riesengrosses, spielerisches Abenteuer. Er lernt aber schnell, Gefahren rechtzeitig zu erkennen und sich dank seiner Mutter den richtigen Weg zu bahnen. 

Frecher Hermelin, behäbiger Vielfrass
«Ailos Reise» ist keine normale Naturdokumentation. Sie setzt mit der Schauspielerin Anke Engelke eine Erzählerin ein, die sich zusammen mit dem Zuschauer an die Fersen von Ailo heftet und auf kindgerechte Weise Wissen vermittelt. Anders als traditionelle Tierfilmer bettet der Regisseur Guillaume Maidatchevsky die in der wilden Natur entstandenen Aufnahmen in einer Geschichte ein, die von vermenschlichten Emotionen erzählt. «Ich sehe die Tiere, die ich filme, als echte Charaktere und nicht bloss als Vertreter einer Spezies», sagt der Franzose. 

Da ist zum Beispiel der freche Hermelin, der wie ein Flummi durch den tiefen Schnee hüpft und versucht einen Lemming zu fangen. Er muss allerdings aufpassen, nicht selbst auf dem Speiseteller von Greifvögeln zu landen. Andere Sorgen hat der Polarfuchs. Er wünscht sich nichts sehnlicher, als endlich seine Herzdame zu treffen. Auch Wölfe kommen immer wieder vor. Sie sind die grössten Feinde der Rentiere und mit ihrer gewieften Rudeltaktik äusserst erfolgreich. Das trifft auf den Vielfrass weniger zu. Er ist zu behäbig und versucht lieber mit Turnübungen das andere Geschlecht zu beeindrucken.

Ein Held zum Mitfiebern
All die grossen und kleinen Tiere haben jedoch eines gemeinsam: Sie leben entlang des Polarkreises in der majestätischen Natur Lapplands. Selbst wenn im Winter die Sonne monatelang nicht zu sehen ist, fehlt es nicht an Licht. So tauchen der Mond und ein funkelndes Sternenmeer die Szenerie nachts in ein magisches Licht. Und im Sommer erwacht die Landschaft in Hunderten von Farben zu neuem Leben. 

Doch der Sommer ist kurz, und für die Rentiere ist es bald wieder an der Zeit, zu den verschneiten Berghöhen zurückzukehren. Denn dort wartet ihr Lebenselixier für den langen und bis zu minus 40 Grad kalten Winter: Bodenflechten. Ailo hat mittlerweile ein kleines Geweih und ist selbstständig genug, die Reise ohne die Hilfe seiner erneut trächtigen Mutter anzutreten. Im Kinosessel drückt man ihm die Daumen, dass er heil ankommt und macht damit den Regisseur glücklich. Dessen grösster Wunsch für seinen Film ist nämlich, dass das Publikum mit Ailo fühlt und ihn beschützen will. 

«Ailos Reise», Dokumentarfilm, 84 Minuten, Studio: Ascot Elite, ab sofort im Kino.

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