Sie sind hier: TierweltAktuellUnterhaltung

Share

Buchtipp

Geologie auf Schusters Rappen

Unterhaltung | Donnerstag, 14. März 2019 08:00, Leo Niessner

Wandern und Wissen: Mit den Ausflugstipps von Jürg Alean und Paul Felber lassen sich die beiden Bereiche kombinieren. Auf 200 Seiten haben sie in ihrem neuen Buch «Geologische Wanderungen» zusammengestellt.

Wer beim Wandern etwas entdecken will, muss mitunter lernen, genau hinzuschauen. Vor allem, wenn es um geologische Besonderheiten geht, auf die man sonst nicht achtet. Das scheint auch dem Geografen Jürg Alean und dem Geologen Paul Felber bewusst gewesen zu sein. Gemeinsam haben sie einen Wanderführer verfasst, der den Fokus auf erbendieses Thema richtet. 15 «Geologische Wanderungen» haben sie für das Werk zusammengestellt, gegliedert in «Routen zu Hotspots in der Schweiz», wie der Untertitel verrät.  

Willkommen im geologishen Wunderland! 
Die Schweiz sei ein geologisches Wunderland, schreiben die Autoren im einleitenden Kapitel. Denn «in unserem kleinen Land gibt es fast alles zu sehen, was irgendwie mit Geologie zusammenhängt. Eine Ausnahme sind aktive Vulkane». Wobei, Spuren vergangener Eruptionen könne man auch hierzulande begegnen.

Es folgt ein kurzer, leicht verständlicher Exkurs zu geologischen Vorgängen in der Schweiz, sowie eine Zeittabelle, welche die Entstehung der Erde bis heute zusammenfasst. Dieses Wissen bildet eine gute Voraussetzung, um eine der vorgeschlagenen Routen auszuwählen. Sie sind nach geologischen Gesichtspunkten gegliedert.  

Lässt man sich auf die Tipps ein, wirkt unter anderem plötzlich eine Wanderung durch das Zürcher Oberland ungewohnt spektakulär. Die Autoren empfehlen dazu, man möge sich auf eine «Route entlang des Kreislaufs der Gesteine» begeben. Bei der nächsten Rast empfiehlt es sich, das Buch hervorzuholen und nachzulesen, was es mit etwa der Tobel-Bildung durch den Aabach auf sich hat. Oder mit der Hangrutschung, welche die Autoren beschreiben und die der Wanderer bald schon in Natura erleben kann. Mit den Erklärungen der Wissensachaftler im Hinterkopf ist das besonders eindrücklich.

Der Mensch formt die Natur
Nicht alle Strukturen und Landschaften, die im Buch beschrieben werden, sind jedoch natürlich. Viele wurden durch Menschenhand geformt. Deutliche wird das vor allem dort, wo man auf die «nützlichen Gesteine» trifft, die im zweiten Kapitel beschrieben werden. Dabei kann es schnell geschehen, dass einen das Foto des 51 Meter hohen Steinbruchs Chrüzflue bei Krauchtal (BE) derart in seinen Bann zieht, dass man diesen Ort gleich selber besuchen will.

Etwas trittfest sollte man für diese Wanderung allerdings schon sein, denn der Weg auf die Chrüzflue führt über eine Metalltreppe und über in den Fels gehauene Stufen seil aufwärts, wie die Verfasser schreiben. Umso atemberaubender sei dafür die Aussicht oben – bedrohliche Momente inklusive: Der Steinbruch Brecherflue I wirkt nur schon auf den Fotos im Buch imposant und apokalyptisch.

Abstieg in den Untergrund
Ein umfassender geologischer Wanderführer darf den Blick aber nicht nur auf Berge, Täler und Haine richten, sondern sollte auch den Untergrund erwähnen. Er ist auch in der Schweiz von zahlreichen, teils mächtigen Höhlensystemen durchlöchert. Einige von ihnen sind begehbar.

Orte wie die Grottes des Vallorbes im Kanton Waadt bieten nicht nur Wissenschaftlern Anschauungs- und Forschungsmaterial in Hülle und Fülle, sondern auch Wandersleuten. Gerade die unterirdischen Gänge und Hallen in Vallorbes zeichnen sich durch einen besonders reissenden unterirdischen Flusslauf und eindrückliche Tropfstein-Formationen aus, so die Verfasser. Hilfreich ist auch hier, dass die einzelnen geologischern Prozesse und Formationen sowie deren Entstehung erklärt werden. Praktischerweise liefern die Autoren zugleich Karten mit, die dem Leser einen Eindruck der räumlichen Ausmasse zu vermitteln.  

Den Abschluss des Buches machen zwei Wandervorschläge, die in romantische, ja zauberhafte Gebiete führen: ins Maggiatal, und zu guter Letzt in die Breggia-Schlucht. Wer diese Gebiete bislang nur durchwandert hat, dürfte sich nach der Lektüre der «Geologischen Wanderungen» bewusst sein, dass er beim Baden in den Flüssen von Gesteinen umgeben ist, die unter massivem Druck stehen.


Geologische Wanderungen
Jürg Alean, Paul Felber. Haupt Verlag, 2019. 208 Seiten. ISBN 978-3-258-08098-7.

Share

Kommentar schreiben


Die Redaktion behält sich vor, Kommentare zu kürzen, als Leserzuschriften im Heft abzudrucken oder auf die Publikation zu verzichten.

Galerien Alle Galerien