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Panorama

Leben für die Artenvielfalt

Unterhaltung | Donnerstag, 23. Mai 2019 09:00, Leo Niessner

Gaby und Harald Schwammer sind «Im ­Einsatz für gefährderte ­Arten». So lautet auch der Name des Buches, in dem sie die Leser auf ihre abenteuerlichen Reisen mitnehmen und von ihren ­Tätigkeiten erzählen.

Etwas war Gaby und Harald Schwammer aus Wien immer klar: dass die Milch nicht einfach aus dem Tetrapack kommt, sondern dass viel Arbeit dahintersteckt, bis sie im Grossverteiler landet. Und natürlich, dass sie von der Kuh kommt. «Beide sind als Kinder auf dem Land mit Tieren aufgewachsen (...), das war ein wesentlicher Start für ein hohes Umweltbewusstsein und die Bemühungen für deinen nachhaltigen Schutz von Natur und Tier», schreibt das Autorenehepaar im Vorwort seines neuen Buches «Im Einsatz für gefährdete Arten». Dass sie einen aktiven Beitrag zum Natur- und Tierschutz leisten wollen, wurde den beiden bereits während des Zoologie-Studiums klar. 

Es sollte nicht lange dauern, bis sie ihre erste gemeinsame Reise unternahmen. Sie führte 1978 in die Rocky Mountains. Dort erhielten sie die Möglichkeit, unter anderem mit Prärie- und Zwergklapperschlangen zu arbeiten. Kurze Zeit später habe ihr Einsatz und die Arbeit für bedrohte Tierarten begonnen, schreiben sie im Vorwort weiter. Diesem Engagement sind sie bis heute treu.

Von ihren Einsätzen berichten Schwammers nun im Buch, das den Untertitel «vom Tiergarten Schönbrunn um die ganze Welt» trägt. Kein Wunder, sind sie dem Wiener Tiergarten doch seit der Studienzeit eng verbunden, unter anderem als Mitarbeiter.

Da staunten sogar die Autoren
Seither ist viel passiert. So viel, dass die beiden beim der Zusammenstellung ihrer Reisen und Engagements für Natur- und Tierschutzprojekte in aller Welt selber ins Staunen kamen. «Zusammenfassend mutet unsere Vielfalt an Aktivitäten, Themen, Engagements und damit verbundenen Riesen in all diesen Jahren völlig verrückt an», schreiben sie. «Und irgendwie können wir es beim Erstellen der einzelnen Beiträge selbst kaum fassen, was wir bisher gemacht haben und erleben durften». Unter diesem Licht wirkt das Buch wie ein Tagebuch der umtriebigen Autoren. Eines, das auch den Leser in seinen Bann zieht. Und eines, das nicht nur auf Erlebnisse und spektakuläre Begebenheiten setzt, sondern den Spagat zwischen Wissensvermittlung und persönlichen Erinnerungen macht. 

Exemplarisch für den Buchaufbau ist die Einleitung zum ersten Kapitel. Es erzählt vom Einsatz der Autoren für den bedrohten Asiatischen Elefanten. Zunächst erfährt der Leser Wissenswertes über die Tiere: Eine Übersicht bringt ihm das Wesen näher, das Leben und die Herkunft. Eine Übersicht über die aktuelle Verbreitung darf natürlich nicht fehlen. Wie bedroht die Art ist, zeigt ein Balkendiagramm, dessen Spanne von «nicht bedroht» bis «ausgerottet» reicht. Bei jeder Tierart, für die sich Harald und Gaby Schwammer engagieren, existiert im Buch ein solcher Balken.

Viele Erzählungen stimmen nachdenklich, indem sie dem Leser vor Augen führen, wie bedroht manche Tierart ist. Andere Passagen hingegen lassen Hoffnung aufkeimen, etwa wenn die Autoren von ihrem Besuch in einer Orang-Utan-Auffangstation auf Borneo erzählen. Immer wieder verlassen sie dabei aber den Tagebuch-Stil und beschreiben Umweltorganisationen, die in den jeweiligen Gebieten tätig sind oder begeben sich auf einen wissenschaftlichen Exkurs. 

Reise in die Polarregionen 
Mitunter führten die Reisen die Autoren auch in die Polarregionen. So begaben sie sich vor Jahren auf die Spuren der Eisbären, als Mitglieder eines Expeditionsteams und als Reiseleiter, mit dem Ziel, die verbliebenen Lebensräume der Tiere zu untersuchen. Auf ihrer Fahrt beobachten sie gleichzeitig Walrosse, von denen zahlreiche Bilder im Buch zu finden sind.

«Im Einsatz für gefährdete Arten» ist ein abwechslungs- und lehrreiches Werk, das sich gut liest. Da es in einzelne Kapitel unterteilt ist, kann man es auch häppchenweise geniessen. Der einzige Schönheitsfehler ist das Fehlen der Jahreszahlen, welche dem Leser helfen würden, die Zeit der Reisen und Expeditionen gleich auf Anhieb einzuordnen. Mitunter sind sie irgendwo in den Texten versteckt oder lassen sich erahnen. Doch hier hätte man sich eine klare Angabe gleich zu Anfang jedes Kapitels gewünscht. Dem Lesevergnügen – insbesondere dem Mitfiebern bei den Tagebucheinträgen – tut dies indes keinen Abbruch.

 


Ein Einsatz für gefährdete Arten –
Vom Tiergarten Schönbrunn um die ganze Welt
1. Auflage 2018 
Gebunden, 264 Seiten 
Verlag: Leopold Stocker Verlag Graz-Stuttgart 
ISBN: 978-3-7020-1712-5

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