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Nager mit schlechtem Ruf

Ratten sind intelligent und sozial

Wildtiere | Dienstag, 5. Februar 2019, René Schulte

Sie fressen fast alles und vermehren sich im Eiltempo. Doch das allein macht den Erfolg von Ratten nicht aus. Sie helfen sich auch gegenseitig. Manche opfern gar ihr Leben für die Gruppe. 

Weltweit sind derzeit fast 70 wild lebende Rattenarten bekannt. In der Schweiz macht die Wanderratte (Rattus norvegicus) den Grossteil dieser Nagetiere aus. Die Hausratte (Rattus rattus) dagegen ist selten. Immer mehr von der Wanderratte verdrängt, steht sie auf der Roten Liste und gilt als stark gefährdet. 

Die Dritte im Bunde ist die Farbratte (Rattus norvegicus domestica). Sie ist eine domestizierte Form der Wanderratte und wird als Haustier gehalten oder, meist in Albinoform, als Laborratte in der Forschung eingesetzt. 2017 fanden laut Schweizer Tierversuchsstatistik Experimente an über 67 000 Individuen statt. Damit liegen die Ratten an zweiter Stelle hinter den Mäusen (rund 395 000).

Ratten gehören zu den Altweltmäusen, einer Unterfamilie der Langschwanzmäuse. Ihr ursprüngliches Herkunftsgebiet liegt in Asien. Wander- und Hausratte sind mit Abstand die am weitesten verbreiteten Arten. Als typische Kulturfolger sind sie rund um den Globus zu finden. Mit ein Grund für diesen Erfolg ist, dass die Tiere Allesfresser sind. Da sie ihre Nahrung im Siedlungsraum finden, unter anderem in Vorratskammern, Lebensmittellagern und Silos, gelten sie als Hygieneschädlinge. Zur Not vertilgen die Nager auch mal Papier, Seife oder Leder.

«Hilfst du mir, so helf’ ich dir»
Ratten sind intelligent und sozial. Sie leben in hierarchisch geordneten Gruppen von mehreren Dutzend Tieren. Gleichzeitig sind sie territorial und verteidigen ihr Revier gegen Eindringlinge. Mitglieder des eigenen Clans erkennen sich am Geruch. Forscher der Universität Bern haben zudem herausgefunden, dass Wanderratten nach dem Prinzip «Hilfst du mir, so helf’ ich dir» funktionieren. Dabei unterscheiden sie sogar, welche Art von Hilfe sie erhalten haben. Laut der 2015 erschienenen Studie entscheidet die Qualität der geleisteten Unterstützung, inwiefern ein Tier seinem Helfer einst selbst zu Hilfe kommt. Auch sind Ratten bereit, ihr Leben für die Gemeinschaft zu riskieren. So probieren junge männliche Vorkoster potenzielles Futter, um sicherzustellen, dass es nicht giftig ist.

Wanderratten sind kräftig und gedrungen gebaut. Ihr Körper kann bis zu 30 Zentimeter  messen, manchmal mehr. Der dicke, geringelte Schwanz ist dagegen etwas kürzer. Bei Hausratten ist es umgekehrt. Sie sind schlanker und mit 20 Zentimeter Körperlänge etwas kleiner. Dafür haben sie einen längeren Schwanz. Auch ist ihr Kopf vorne spitzer. 

Beide Arten haben harte, ständig nachwachsende Nagezähne, einen ausgeprägten Geruchssinn und ein Gehör, das bis in den Ultraschallbereich hineinreicht. Dafür ist ihr Sehvermögen beschränkt, was die vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiven Tiere aber nicht gross einschränkt. Weibchen sind bereits nach wenigen Wochen geschlechtsreif. Sie haben kurze Sexualzyklen, sind stets empfängnisbereit und können pro Jahr mehrere Würfe von jeweils sechs bis zwölf Jungen haben. Die Tragezeit beträgt rund drei Wochen.

Infos zu Ratten als Haustieren gibts beim Schweizer Tierschutz STS.

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