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Die Sage vom Uristier

Wappentiere | Dienstag, 5. Februar 2013 12:10, Niklaus Salzmann

Der rote Ring in der schwarzen Nase verrät, in welchem Verhältnis der Kanton Uri zur Natur steht. Der Uristier ist aber mehr als nur ein Wappentier.

Im Vergleich zu den Bären, Löwen, Adler anderer Wappen tanzt der Uristier aus der Reihe. Zwar steht auch er, der Auerochse (Ur) für Kraft. Aber es ist nicht die ungebundene Kraft der Natur. Der Nasenring zeigt deutlich, dass diese gebändigt wurde – wie es für das Leben in einem rauen Bergkanton essentiell ist. Erstmals überliefert ist das Wappen auf einem Landessiegel aus dem Jahr 1243, also fast fünfzig Jahre vor der Gründung der Eidgenossenschaft.  

Zeitung, Beiz und Punkband
Doch wer «Uristier» sagt, redet nicht unbedingt vom Wappen. Viele Urner werden dabei an den Gratisanzeiger denken, der ihnen jeden Freitag in den Briefkasten flattert. Andere lesen ihn vielleicht nicht zu Hause, sondern im gleichnamigen Restaurant in Altdorf. Verlassen wir den Kanton und gehen nach Basel – dort verkehrte ab 1926 der Tramwagen «Zum Uristier». Auch die Punk-Band «Uristier» stammt keineswegs aus Uri, sondern ist in Schwanden bei Sigriswil im Berner Oberland beheimatet. Doch kehren wir mit den lauten Klängen zurück in die Urschweiz: Uristier hiess auch das Stierhorn, das die gefürchteten Urner bliesen, wenn sie in den Krieg zogen.  

Die Sage von der Surenenalp
Um den Stier, von dem das Schlachthorn angeblich stammte, rankt sich eine schöne Legende. Und zwar habe es sich begeben, dass auf der Surenenalp ein Junge ein Schaf so gern gehabt habe, dass er in der Kirche Weihwasser geholt und es getauft habe. Im Moment dieses Frevels verwandelte sich das Schaf in ein Ungetüm und tötete den Buben. Fortan liess es sich nicht mehr von der Alp vertreiben.

Bis die Urner eines Tages von einem unbekannten Fremden einen Tipp bekamen. Sie sollten ein Stierkalb im ersten Jahr an einer Kuh säugen lassen, im zweiten Jahr an zweien und so weiter, sieben Jahre lang. Sie taten wie ihnen geheissen, das Kalb wuchs zum riesigen, wilden Stier heran. Nach Ablauf der sieben Jahre liess er sich, zu aller Erstaunen, widerstandslos von einer Jungfrau zur Alp führen. Er besiegte das aus dem Lamm entstandene Ungeheuer, starb aber selber an den Strapazen des Kampfes. Die Jungfrau übrigens kam auch ums Leben, da sie sich entgegen der Anweisungen auf dem Rückweg nach dem Kampfgeschehen umdrehte.

Nun, das Ungeheuer ward besieht, und aus dem Horn des Stieres fertigten die Urner ihr Schlachthorn. Bleibt zu sehen, ob sich auch ein Uristier findet, der etwas gegen die Schlangen ausrichten kann, die – kilometerlang und aus Blech – bevorzugt vor dem Gotthardtunnel ihr Unwesen treiben.  

Die Surenensage

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