Sie sind hier: TierweltAktuellDossiersWappentiere

Share

Der Berner Bär

Geraubte, geschenkte und erfundene Bären

Wappentiere | Samstag, 16. Februar 2013, Niklaus Salzmann

Jeder kennt das Wappentier des Kantons und der Stadt Bern. Doch die Legende, welche den Berner Bären mit der Stadtgründung verknüpft, stimmt vermutlich nicht.

Angeblich soll der Stadtgründer Herzog Berchtold V. von Zähringen die Stadt nach dem ersten in den umliegenden Wäldern erlegten Tier benannt haben. Diese Anekdote kennt in Bern jedes Kind – doch sie ist wohl falsch. Gemäss neueren Erkenntnissen stammt das Wort «Bern» wohl eher vom keltischen «berna» für «Kluft». Der Bär hielt schlicht deshalb auf dem Wappen Einzug, weil die Worte «Bären» und «Bern» fast gleich tönen. 

Bärenraub
Den Bernern ist dies egal, sie identifizieren sich mit ihrem Wappentier. Und dies seit mindestens 500 Jahren. Im Sommer 1513 brachten die siegreichen Söldner nach der Schlacht von Novara im Piemont einen Bären mit, der fortan im Stadtgraben wohnte.  Noch heute erinnert die Bezeichnung «Bärenplatz» an diesen ersten Bärengraben. Der Bärengraben wurde zum Wahrzeichen der Stadt, die Tiere stammten in den darauffolgenden Jahrhunderten meist aus dem damals bernischen Waadtland.

Die Verlierer der Schlacht von Novara waren die Franzosen gewesen. Doch im Jahr 1798 brachten sie ihrerseits den Berner eine schmähliche Niederlage ein. Sie raubten nicht nur die Staatskasse, sondern auch die Bären aus dem Graben. Der einzige, der zurückblieb, starb kurz darauf und kann heute ausgestopft im Naturhistorischen Museum bestaunt werden. Zwölf Jahre dauerte es, bis wieder Mutzen in den Graben kamen.

Das Staatsgeschenk der Medwedews
Der Bärengraben wechselte mehrmals den Standort, bis er vor vier Jahren endgültig aufgehoben wurde – er war mit den heutigen Ansprüchen an tiergerechte Haltung längst nicht mehr vereinbar. Im stattdessen neu gebauten Bärenpark an der Aare können sich die Braunbären Finn, Björk, Ursina und Berna austoben, klettern, baden, aber auch in Höhlen zurückziehen, wenn sie mal genug von den teils über zehntausend täglichen Besuchern haben.

Die vier sind aber nicht mehr die einzigen Bären in Bern. Wenige Wochen vor der Eröffnung des neuen Bärenparks brachten der damalige russische Präsident Dmitri Medwedew und seine Frau zwei ussurische Braunbären als Staatsgeschenk mit. Für Mischa und Mascha baute der Tierpark Dählhölzli in den vergangenen Jahren sein bisher teuerstes Einzelgehege. 2.5 Millionen Franken kostete der Bau, davon kamen 1.5 Millionen von einem anonymen Spender – einem Berner, der sich mit seinem Wappentier identifiziert, darf vermutet werden.

Echte Manneskraft
Doch nicht nur die echten Bären ziehen in der Hauptstadt Publikum an. Der Eishockeyclub SC Bern, der den Bären in seinem Logo trägt, macht alles andere als Winterschlaf. Der SCB, in Medienberichten gern auch als «die Mutzen» bezeichnet, gehört zu den Mannschaften mit den höchsten Zuschauerschnitten Europas und spielt in der Nationalliga A an der Spitze mit. Offenbar wirkt die Manneskraft des Bären.

Ja, Manneskraft. Der Berner Bär ist eindeutig ein Männchen, wie der Blick auf das Wappen eindeutig zeigt. Das unterscheidet ihn von seinem amerikanischen Geschwister im Wappen von New Bern, North Carolina – die prüden Amerikaner verzichteten selbstverständlich auf die Darstellung eines Geschlechtsmerkmals.

Webcam des Bärenparks

 

 

 

Share

Kommentar schreiben


Die Redaktion behält sich vor, Kommentare zu kürzen, als Leserzuschriften im Heft abzudrucken oder auf die Publikation zu verzichten.

Galerien Alle Galerien