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Wappentiere

Wie der Löwe in den Thurgau kam

Wappentiere | Dienstag, 19. März 2013 15:15, Niklaus Salzmann

Historisch gesehen würden Kühe besser ins Thurgauer Wappen passen als die zwei Löwen. Und der eine von denen verstösst erst noch gegen eine uralte Regel. Trotzdem sind die Raubtiere den Thurgauern lieb.

Wo man im Thurgau garantiert «Löwen» findet, ist im Telefonbuch. 22 Treffer liefert die Suche nach Restaurants dieses Namens – dagegen gibt es gerade mal vier «Bären». Die Thurgauer schätzen also durchaus ihr Wappentier. Und dies, obwohl natürlich niemals Löwen im Kantonsgebiet lebten (im Gegensatz zu den Bären).

Das ist wohl auch besser so. Zwar würde es dem Raubtier im landwirtschaftlich geprägten Thurgau nicht an Beutetieren mangeln, doch spätestens mit der zweiten gerissenen Kuh würde der Löwe zum Problemlöwen.

Die Grafschaft der «Küh-Burg»
Doch der Löwe ist nicht da und kann sich deshalb uneingeschränkter Popularität erfreuen. Der starke, mächtige König der Tiere ist das wohl beliebteste Wappentier. Die Grafschaft Kyburg  zum Beispiel hiess zwar vor rund tausend Jahren noch Küh-Burg, doch im Wappen verzichtete sie auf Wiederkäuer und setzte stattdessen zwei gelbe Löwen hinein, zuerst auf schwarzem Grund, später dann auf rotem.

Die Landgrafschaft Thurgau übernahm das Wappen, und auch als 1803 der Kanton gegründet wurde, überlebten die Löwen. Nur die Hintergrundfarben änderten zu Grün (nicht etwa für die grünen Kuhweiden, sondern als Farbe der Freiheit) und Weiss als Farbe der Unschuld.

Ein Regelverstoss!
Wieso der Löwe plötzlich seine Unschuld beweisen musste, ist nicht klar (hatte er vielleicht doch ein Kuh gerissen?), aber der weisse Farbtopf erwies sich als Fettnäpfchen. Denn die Wappenkundler sahen nun plötzlich einen goldenen Löwen auf silbernem Grund – und da Gold und Silber zwei Metalle sind, dürften sie nach heraldischen Regeln nicht aneinander grenzen.

Doch wie es so geht, für ein Scheffel Gold und Silber ist man gerne bereit, ein Auge zuzudrücken. So scheiterte denn im Jahr 1948 der Vorschlag für ein korrigiertes Wappen im Grossen Rat. Nun muss also der Thurgau mit der illegitimen Situation leben – im Gegensatz etwa zu Winterthur, in dessen Wappen sich die kyburgischen Löwen bis heute an die alten Regeln halten.

Löwen und Lions
Doch damit haben wir den Thurgau verlassen und befinden uns im Kanton Zürich. Und wen treffen wir da als Schildhalter an? Zwei Löwen, die sogenannten Zürileuen.

Die stammen allerdings nicht von den Kyburgern, sondern demonstrieren einfach einmal mehr, wie beliebt die Raubtiere als Symbole sind. Ihre unerschrockene Kraft ziemte sich für mittelalterliche Soldaten ebenso wie für neuzeitliche Hockeyspieler. Während sich der Stadtzürcher Club seit einigen Jahren offiziell ZSC Lions nennt, werden die Spieler des HC Thurgau inoffiziell als Thurgauer Löwen bezeichnet. Und wir sind irgendwie froh, dass die Kyburger einst keine Kühe ins Wappen nahmen.

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