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Schaffhausen

Vom Schaf zum Bock

1 Kommentare Wappentiere | Samstag, 27. April 2013, Niklaus Salzmann

Der Widder, das ist ja klar, verkörpert das Schaf aus Schaf(f)hausen. Explizit männlich wurde er mit dem Segen des Papstes.

Ein Wappen hat ja immer eine symbolische Bedeutung. Der Name Schaffhausen zum Beispiel verlangt nach einem Haus und einem Schaf, und letzteres steht für Eigenschaften wie Gutmütigkeit, Verletzlichkeit und Herdentrieb.

Doch das waren nun nicht gerade die Charakteristika, mit denen sich der Abt des Klosters Allerheiligen schmücken wollte. Deshalb liess er statt eines Schafs einen Schafbock auf seine Münzen prägen. Und die Stadt Schaffhausen übernahm für ihr Siegel im Jahr 1218 das Sujet des Bocks, der aus dem Torborgen eines Turms hinaustritt.

Heute rätselt man, ob das Wort Schaffhausen wirklich vom Schaf kommt, oder eher vom althochdeutschen «scaft» für «Röhricht» oder gar «sca(p)f» für «Scheffel», ein altes Getreidemass. Unbestritten ist hingegen die Bedeutung des Wortteil, «Hausen», die im Wappen durch einen Turm dargestellt wurde. Nur – im aktuellen Kantonswappen ist auch dieser nicht mehr zu sehen. Wo er heute noch anzutreffen ist, werden wir weiter unten verraten, doch schön der Reihe nach.  

Winkelrieds Truppe eroberte das Banner  
Die Stadt hatte also 1218 den Widder in ihr Siegel geholt und stellte ihn auch auf ihren Bannern dar. Doch trotz aller Symbolkraft reichte es den Schaffhausen 1386 in der Schlacht von Sempach, wo sie auf der Seite der Habsburger kämpften, nicht zum Sieg über Winkelrieds Truppen. Die Luzerner eroberten das Widderbanner – und dieses älteste noch erhaltene Schaffhauser Banner befindet sich bis heute im Luzerner Rathaus. 

1512 waren die Schaffhauser als Söldner dann erfolgreicher. Unter Papst Julius II. (dem Gründer der Schweizergarde) vertrieben sie die Franzosen aus dem Herzogtum Mailand. Zum Dank erhielten sie ein Bannerprivileg – ihr Wappen wurde verschönert: Durch eine Krone und durch Vergoldung von Hörnern, Hufen und Hoden.  

Die Stadt ist züchtiger  
Einer anderen Quelle zufolge wurde der Widder hingegen erst 150 Jahre später ganz sichtbar, als ein französischer Medailleur das Staatssiegel im Auftrag des Rats nach dem Geschmack des Barockzeitalters umgestaltete.  Um Platz für das Tier zu schaffen, wurden der Turm und die Stadtmauer weggelassen.

Doch ganz vergessen gingen sie nicht – als aus dem Stadtstaat ein Kanton und eine unabhängige Stadt wurden, entstand Bedarf nach zwei unterschiedlichen Wappen. Die Stadt griff deshalb 1831 auf das alte Wappen zurück. Sie schmückt sich bis heute mit einem Widder ohne Krone – und ohne explizite Darstellung der Männlichkeit.

Kommentare (1)

Tamara am 07.07.2016 um 16:42 Uhr
Schaffhausen kommt von "Schiffshäuser", nur um das klarzustellen. :)

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