Rekorde aus der Tierwelt

Die schnellsten Landtiere

Rekorde aus der Tierwelt | Montag, 11. Februar 2013 08:00, Matthias Gräub

Dass der Gepard seine tierische Konkurrenz in Sachen Geschwindigkeit spielend abhängt, weiss wohl jeder. Doch auch andere Tiere bringen beachtliche Tempoleistungen zustande.

August 2009, Berlin: Der schnellste Mann der Welt stösst sich kraftvoll aus seinem Startblock ab, beschleunigt in vier Sekunden auf 40 Stundenkilometer und fliegt mit der neuen Weltrekordzeit von 9,58 Sekunden ins Ziel des WM-Hundertmeterlaufs. Der Jamaikaner Usain Bolt ist derzeit das Mass aller Dinge in den Sprint-Disziplinen der Leichtathletik-Events dieser Welt. Doch er ist bei weitem nicht das schnellste Lebewesen auf diesem Planeten. 

Im Juni 2012 schickt sich ein elfjähriges Gepardenweibchen an, ihren eigenen Weltrekord über die hundert Meter zu knacken. Die Gittertür ihres Käfigs wird geöffnet, Sarah läuft los. Ein Stofftier an einer Schnur dient ihr als Lockvogel, sie beschleunigt auf fast 100 Stundenkilometer und durchläuft die Zielmarke in gerade mal 5.95 Sekunden – dreieinhalb Sekunden schneller als Usain Bolt. Sarah, die im Zoo von Cincinnati lebt, hält damit den offiziellen Weltrekord aller Lebewesen über die Sprintstrecke. Doch es ist anzunehmen, dass Geparden in der Wildnis Afrikas noch deutlich schneller rennen können, wenn es darum geht, Beute zu jagen, um sich zu ernähren. 


Leopardenweibchen Sarah sprintet die 100 Meter in unter 6 Sekunden. Quelle: Youtube/National Geographic

Nicht schneller – aber länger
In Nordamerika sind Geparden vor über 10'000 Jahren ausgestorben. Ein Relikt aus diesen vergangenen Zeiten hat jedoch überlebt: der Gabelbock. Damals war er eine begehrte Beute der Raubkatzen und musste schnelle Beine haben, um dem Tod zu entrinnen. Heute ist er jedoch auf dem neuen Kontinent konkurrenzlos in Sachen Geschwindigkeit. Höchstens alte oder Kranke Tiere werden ab und zu noch von Wölfen oder Kojoten gerissen. 

Erstaunlicher als die Spitzengeschwindigkeit des Gabelbocks von etwa 85 Stundenkilometern, die auch von einigen afrikanischen Antilopenarten erreicht wird, ist seine Ausdauer: Über mehr als zehn Kilometer kann er eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 65 km/h durchhalten. Zum Vergleich: Der menschliche Weltrekord über die 10'000 Meter liegt bei etwas über 26 Minuten, was ein Durchschnittstempo von gerade mal 22 Stundenkilometern ergibt. 


Stilstudie des Gabelbocks in Zeitlupe. Quelle: Youtube/Ross Mitchell

25-mal schneller als Bolt
Ein winziger Käfer, nur wenige Zentimeter gross, reiht sich ebenfalls in die Liste der schnellsten Tiere ein. Der Sandlaufkäfer ist in unterschiedlichen Grössen und Gestalten rund um den Globus verbreitet. Und gefürchtet. Denn er ist ein unerbittlicher Jäger, vor dem im Reich der Insekten niemand sicher ist. Setzt sich der Sandlaufkäfer in Bewegung, erreicht er fast sofort Geschwindigkeiten von bis zu 9 Stundenkilometern. Diese Beschleunigung ist für des Käfers zarten Organismus so heftig, dass er während des Krabbelns erblindet. Natürlich nur kurzzeitig, aber trotzdem muss er nach einigen Metern erst einmal  anhalten und sich umschauen, wo denn die potenzielle Beute ist, bevor er weiterjagen kann. 

Zurück zum jamaikanischen Weltrekordsprinter Usain Bolt: Auf seinem Hundertmeterlauf legt der fast zwei Meter grosse Athlet jede Sekunde etwas mehr als zehn Meter zurück. Gerundet ergibt das eine relative Geschwindigkeit von fünf Körperlängen pro Sekunde. Zum Vergleich: Der schnellste Sandlaufkäfer schafft mit seinen 9 km/h bei zwei Zentimetern Körperlänge ganze 125 Körperlängen pro Sekunde. Wenn Bolt hier dagegenhalten möchte, müsste er die 100 Meter in 0.4 Sekunden rennen. Das dürfte schwierig werden.

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