Rekorde aus der Tierwelt

Älter als die Natur erlaubt

Rekorde aus der Tierwelt | Donnerstag, 21. Februar 2013 12:30, Matthias Gräub

Seit Jahrhunderten ist der Mensch auf der Suche nach dem Elixier ewiger Jugend. Einige Tiere scheinen es gefunden zu haben und überleben unsere Spezies um Jahrtausende.

Jeanne Louise Calment – sagt Ihnen dieser Name etwas? Nein? Die Tochter eines Schiffsbauers wurde 1875 im französischen Arles geboren und starb am selben Ort – 122 Jahre später. Damit ist sie offiziell der älteste Mensch, der je gelebt hat. Ein beträchtliches Alter. Im Tierreich gibt es allerdings einige Kandidaten, die eine deutlich längere Lebensspanne aufweisen können.  

Darwins Begleiterin
Im Australia Zoo in Queensland lebte bis 2006 eine Galápagos-Riesenschildkröte namens Harriet. Wie alt sie wirklich war, darüber streiten sich die Experten. Sicher ist jedenfalls: Sie hatte ein langes, bewegtes Leben. Die offiziell vom Zoo verbreitete Geschichte ist die: 1835 hat der grosse Naturforscher und Evolutionstheoretiker Charles Darwin die Schildkröte auf den Galápagos-Inseln eingefangen und nach England gebracht. Einige Jahre später wurde sie in den Botanischen Garten von Brisbane (Australien) gebracht, wo sie über hundert Jahre lang lebte. Nach der Schliessung des Gartens wurde sie in ein Naturschutzgebiet  verfrachtet und 1987 in ihre Altersresidenz im Australia Zoo gebracht. Offiziell wurde Harriet also 176 Jahre alt – wovon sie mehr als die Hälfte als «Harry» durchs Leben kroch, wurde doch erst 1960 festgestellt, dass sie ein Weibchen war.  

Nichts tun und alt werden
Schwämme sind uns unter dem Begriff «Tier» nicht besonders geläufig. Im Klassenzimmer wischte der Lehrer mit ihnen die Kreide von der Wandtafel – und ahnte wohl kaum, dass er dabei ein jahrhundertealtes Tier in der Hand halten könnte. Schwämme haben keine Organe, leben an Ort und Stelle am Meeresgrund und bewegen sich hauptsächlich durch die Strömung. Doch genau dieser zurückhaltenden Lebensweise verdanken sie ihr langes Leben. Durch den minimalen Stoffwechsel und Sauerstoffverbrauch verändert sich ihr Äusseres nur sehr, sehr langsam. Die ältesten Schwämme leben in der Antarktis, werden bis zu zwei Meter gross und heissen Anoxycalyx joubini. Forscher sind zu der Schätzung gekommen, dass sich das Alter dieser Tiere auf 10'000 Jahre beläuft.  

Die Natur ausgetrickst
Älter kann ja kaum noch ein Tier werden, ausser vielleicht, es wäre unsterblich. Unmöglich? Nicht ganz, denn eine gewisse Turritopsis nutricula, eine Quallenart, die gerade mal einen halben Zentimeter gross wird, wendet einen Trick an, der sie quasi unsterblich macht. Die meisten Quallen sterben nach ihrer Vermehrung, nicht aber diese: Sie erstellt aus einigen Zellen ihres Schirms einen neuen Polypen, der dann erneut zur Qualle heranwächst. Der Clou daran: Die neue Qualle ist genetisch identisch mit der anderen, also ein und dasselbe Individuum. Dieser Benjamin Button der Tierwelt kann sein Leben also immer und immer wieder beginnen, muss aber – jede Medaille hat ihre Kehrseite – auch unendlich oft durch die Pubertät und die Midlifekrise.

 

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