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Tierische Redewendungen

Auf den Hund gekommen

1 Kommentare Tierische Redewendungen | Dienstag, 5. März 2013, Matthias Gräub

Wer auf den Hund kommt, dem geht es schlecht. Entweder körperlich oder psychisch ist er niedergeschlagen. Doch was hat das mit unserem vierbeinigen Freund zu tun? Eine Spurensuche.

Für die Redensart «auf den Hund gekommen» schweben mehrere plausible Erklärungen in Lexika, Geschichtsbüchern und den Weiten des Internets herum. Welche davon der Wahrheit am nächsten kommt, ist umstritten. Aber ein Ansatz ist garantiert falsch.   

Kommen wir gleich zum schwarzen Schaf: Wir befinden uns irgendwo zwischen Mittelalter und 1900. So lange war nämlich der Hundekarren ein ernsthaftes Transportmittel. Klar, bequemer als zu Fuss ist eine Reise darin allemal. Händler oder Hausierer, die sich so weit nach oben gearbeitet haben, um sich einen Hundewagen leisten zu können, sind also «auf den Hund gekommen». So die Interpretation einiger Historiker. Die Erklärung widerspricht allerdings der heutigen Bedeutung der Redensart, die eindeutig negativ geprägt ist.  

Besser passt hier eine Erklärung aus der grossen Zeit der Bergwerke. Kohle war für lange Zeit das, was Erdöl heute ist: DIE Energiequelle überhaupt. Bergarbeiter mussten in Minenschächten graben und pickeln und die Steinkohle ans Tageslicht befördern. Dies ging schneller, wenn der Transport mittels Rollwägen auf Schienen passierte, den sogenannten «Hunten» – oder eben «Hunden». Der Job als Wagenschieber war allerdings anstrengend und gefährlich. Wer ihn ausüben musste, war zuunterst angekommen. Also «auf den Hund gekommen». 

Ist Grimms Erklärung ein Märchen?
Die Gebrüder Grimm sind nicht nur für ihre Märchensammlung bekannt, sondern auch für ihr allumfassendes Wörterbuch. Und sie haben fast immer Recht. Für unsere Redewendung schlagen sie eine andere Erklärung vor: Zum Tode Verurteilte mussten angeblich früher ein Abzeichen in Form eines Hundes tragen, um zu zeigen, «dass er wert sei, gleich einem Hund erschlagen und aufgehängt (...) zu werden». Plausibel, aber für meine Begriffe etwas unkreativ, genau wie die Erklärung, die Redewendung wäre eine Steigerungsform der Redensart «vom Pferd auf den Esel kommen», die einen sozialen Abstieg beschreibt. Wer also noch tiefer sinkt, kommt schliesslich auf den Hund.  

Die schönste Erklärung habe ich mir für den Schluss aufgespart. Ob sie mehr Wahrheitsgehalt hat, als die anderen? Es gibt jedenfalls Indizien dafür.  

Kaufleute im Mittelalter deponierten ihr Geld meist nicht in der Bank, sondern in einer Schatztruhe. Und da viele dieser Kaufleute abergläubisch waren und sich vor Dieben schützen wollten, liessen sie sich einen Wachhund auf den Grund der Truhe malen. Ob sich Banditen von diesem leblosen Wächter abschrecken liessen, ist nicht überliefert, aber zumindest wissen wir, dass ein Kaufmann, dem langsam das Geld ausgeht, allmählich «auf den Hund» kommt. 

Kommentare (1)

Rainer Höster am 27.05.2014 um 12:09 Uhr
Wer auf den Hund gekommen ist, scheint unten angekommen zu sein, hat aber unter Umständen diese Lebensweise frei gewählt. Er ist ein Kyniker (altgriechisch ????sµ??, kynismós, wörtlich „Hundigkeit“), auch Ursprung des Wortes: Zyniker.
Seit den alten Griechen jemand der nach Bedürfnislosigkeit und Natürlichkeit strebt.

--> Diogenes von Sinope (Der mit dem Fass)

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