Sie sind hier: TierweltAktuellDossiersTierische Redewendungen

Share

Tierische Redewendungen

Die diebische Elster

4 Kommentare Tierische Redewendungen | Samstag, 13. April 2013 10:00, Matthias Gräub

Oft basieren Redensarten auf Missverständnissen. Manchmal auch nicht. Wenn der Elster unterstellt wird, sie sei diebisch, muss sie sich gegen eine ganze Reihe von Anklagepunkten verteidigen.

Die Elster ist ein Rabenvogel und gleichzeitig einer der intelligentesten Vögel, die es gibt. Ja, sie stellt sogar manch ein Säugetier in den Schatten. Das hat sie in einem Experiment bewiesen, als ihr Federkleid an Stellen bemalt wurde, die sie nicht selber einsehen konnte. Als man die Elster vor einen Spiegel stellte, hat sie an den richtigen Stellen versucht, die Farbflecken zu entfernen. Sie wurde damit zum ersten Nicht-Säugetier, dem nachgewiesen wurde, dass es sich selbst im Spiegel erkennen kann.  

Glücksbringer und Todesbote
Die unbestrittene Intelligenz der Elster wird in Asien deutlich mehr geschätzt als hier in Europa. Dort gilt sie nämlich traditionell als Glücksbringer, während sie bei uns seit jeher einen üblen Ruf hat.  

Schuld daran sind die Germanen. In deren Mythologie ist die Elster nämlich die Gefährtin der Todesgöttin Hel. Da liegt auf der Hand, dass sie eher selten gute Neuigkeiten verbreitet, ihr Auftauchen wurde dadurch schon früh mit einem drohenden Unheil in Verbindung gebracht. 

Ihren Ruf konnte die Elster auch im Mittelalter nicht aufpolieren. Dort wurde sie (wie ihr Verwandter, der Rabe) als Hexentier und gar als «Galgenvogel» betrachtet: Als Vogel, der wartet, bis der zum Tode Verurteilte das Zeitliche gesegnet hat, um ihm dann Augen und Gedärm auszupicken. Das macht die Elster auch nicht unbedingt zum sympathischen Gesellen.  

Dann war da noch die Geschichte mit dem Nestraub. Diesmal keine Legende, sondern die reine Wahrheit, und die hört sich nicht viel besser an als die Geschichten aus der Frühzeit. Die Elster ist nämlich ein Nesträuber.  Sie stiehlt Eier oder kleine, frisch geschlüpfte Singvögel aus Nestern und frisst sie.

Eine Oper für die Elster
An dieses ganze «Vorstrafenregister» denkt allerdings kaum einer, wenn er jemandem unterstellt, diebisch wie eine Elster zu sein. Der heutige Mythos um die Elster dreht sich um glänzendes, goldenes und silbriges Geschmeide, um Schmuck und Besteck, dass sie angeblich klaut und in ihrem Nest hortet.  

Die Geschichte ist so bekannt, dass ihr der berühmte Komponist Rossini eine ganze Oper gewidmet hat. «La gazza ladra» spielt im Piemont, um 1800, und handelt von einem Dienstmädchen, das angeblich einen Silberlöffel ihrer Vorgesetzten gestohlen hat. In Wirklichkeit war der Täter – wer sonst? – eine Elster, die das arme Mädchen fast um Kopf und Kragen bringt.

Die Beute wird gut versteckt
Tatsache ist: Die Elster interessiert sich stark für glänzende Dinge und stibitzt diese auch ab und zu, allerdings konnte bis heute kein eindeutiger wissenschaftlicher Beweis dafür erbracht werden, denn kaum einmal wurden im Nest einer Elster glänzende Objekte gefunden. Experten gehen davon aus, dass die Elster tatsächlich gerne Glitzerdinge von Kaugummipapier bis Ehering entführt, sie jedoch nicht zentral in ihrem Nest hortet, sondern einzeln, an verschiedenen Orten, versteckt, damit ihr – sollte sie ihrerseits einmal ausgeraubt werden – nicht gleich die ganze Beute abhanden kommt.  

Letztlich ist die «diebische Elster» wohl tatsächlich diebisch. Einziger Punkt, den man ihr zugute halten kann, ist der, dass sie die funkelnden Gegenstände nicht aus reiner Boshaftigkeit klaut, sondern hauptsächlich aus Neugier. Neugier auf das Unbekannte, das Glänzende, das Spiegelnde und Funkelnde. Eine Faszination, die – gerade für uns Menschen – durchaus nachvollziehbar ist und von Intelligenz zeugt.

Share

Kommentare (4)

Jasmin am 23.07.2018 um 16:17 Uhr
Es ist wahr. Die Elster ist eine Todesbotin.. Heute morgen bin ich in meinem Zelt aufgewacht und das erste was ich gesehen habe, war eine Elster.. Die letzten Tage hatte ich viele Tauben um mich, was etwas anderes bedeutet und Jetzt nicht weiter wichtig ist. Fakt ist, dass meine Mama mir danach erzählt hat, dass mein Stiefpapa auf der Intensivstation liegt und keine Chancen hat zu überleben. Wenn dieser Fall Jetzt wirklich Eintritt, dann würde ich sagen, dass sie Schamanen Recht behalten umd die Elster mir mitteilen wollte, dass etwas passieren wird. Lg Jasmin

Birgit am 21.05.2017 um 11:53 Uhr
Ich züchte Deutsche Widder Kaninchen in ökologischer Freilandhaltung. Diese haben Holzhäuser als Unterschlupf. In einem der Häuser war ein Hasennest mit drei Jungtieren. Jeden Tag war es ein Junges weniger. Vorhin habe ich geschaut ob das letzte Hasenbaby noch da ist... weg war es. Ich habe überlegt, wer meine Hasen stiehlt, denn alles ist doppelt abgesichert. Und wie ich so schaue sehe ich doch die Elster wie sie sich mit dem letzten Hasenbaby im Schnabel in die Lüfte erhebt. Total ärgerlich das ganze. :-(

Simone Bauermeister am 29.09.2016 um 21:20 Uhr
Am Heutigen Tag, gegen 14 Uhr, habe ich Unkraut im Garten gejätet. Meinen Schlüsselbund legte ich in die Sonne auf eine kleine Mauer im Garten. 1 STunde Später war der Schlüsselbund samt Autoschlüssel gestohlen von einer Elster. Denn niemand anders kann den Garten betreten . MFG Simone Bauermeister

Feyza Tekbas am 02.04.2016 um 17:41 Uhr
Unglaubliche Vögel...
Ich wusste nicht dass sie verschiedene Glänzende dinge stehlen...

Kommentar schreiben


Die Redaktion behält sich vor, Kommentare zu kürzen, als Leserzuschriften im Heft abzudrucken oder auf die Publikation zu verzichten.

Galerien Alle Galerien