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Tierische Redewendungen

Eine Eselsbrücke bauen

Tierische Redewendungen | Donnerstag, 2. Mai 2013 08:00, Matthias Gräub

Die Eselsbrücke – ein schöner Begriff aus der Tierwelt. Eine Gedankenstütze, die uns bei Prüfungen schon so oft Kopf und Kragen gerettet hat. Doch wieso benennen wir die Denkhilfe nach einem Grautier?

«Na klar!», werden Sie wohl jetzt sagen. Der Esel ist einfach dumm. So dumm, dass er sich nichts merken kann. Deshalb benötigt er für jede kleine Information, die er im Kopf behalten müsste, einen Spickzettel, eine Erinnerung – oder eben eine Eselsbrücke.  

Völlig falsch. Esel sind nämlich alles andere als dumm. Sie würden sich nie übermütig in gefährliche Situationen begeben. Im Gegenteil: Sie sind extrem auf Vorsicht bedacht und werden wohl deshalb auch als störrisch angesehen.  

Ein zuverlässiger Begleiter
Esel waren über alle Epochen hinweg – und auch heute noch in vielen Ländern ums Mittelmeer herum und südlicher – sehr zähe, robuste und zuverlässige Lastentiere. Sie schleppen pro Tag bis zu 90 Kilogramm über eine Distanz von 25 Kilometern. Gut, Pferde oder gar Kamele schaffen noch mehr, aber die waren und sind für den gewöhnlichen Kleinbauern oder Händler unerschwinglich.  

Einen grossen Nachteil bringt der Esel im Vergleich zum Pferd allerdings mit sich: Er ist wasserscheu. Und dies hat seinen guten Grund. Mit seinen Augen kann er nämlich nicht erkennen, wie tief ein Gewässer ist.  

Nasse Hufe holt er sich nicht
Will ein Händler mit seinem Esel also einen Fluss oder auch nur einen Bach überqueren, kann das ziemlich kompliziert werden. Selbst bei geringen Wassertiefen weigert sich der Esel, seine Hufe nass zu machen. Dem Händler bleibt also nichts anderes übrig, als dem Ufer entlang zu laufen, bis er zu einem Steg kommt (was heute nicht mehr so tragisch ist, weil bei uns alle 50 Meter eine Brücke über Flüsse führt) oder eben selber eine Brücke zu bauen. Eine Eselsbrücke.  

Die Mühe lohnt sich
Eine Eselsbrücke zu bauen ist also ein zusätzlicher Aufwand, der sich aber letztendlich lohnt, wenn der Esel trockenen Fusses am anderen Flussufer steht und die Reise weitergehen kann. Genau so ist es mit «unseren» Eselsbrücken. Vor einer Prüfung lohnt es sich, die Namen der Bundesräte, Kantonshauptstädte oder Planeten mithilfe eines Aufzählreims auswendig zu lernen, wenn die Note anschliessend erfreulich ausfällt.  

Dazu kommt noch ein weiteres Element: Esel sind – wie bereits angesprochen – sehr auf ihre Sicherheit bedacht. Nie würden sie auch nur einen Fuss auf eine wacklige oder sehr schmale Brücke setzen. Eine echte Eselsbrücke muss Sicherheit vermitteln. Und auch dies gilt für die Lernhilfen-Eselsbrücke. Oft wird sie doch gar nicht mehr benötigt, weil der Prüfling seine Antworten auch so kennt. Schön ist es aber zu wissen, dass er noch eine Hilfestellung, eine Sicherheit, in der Hinterhand hat.

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