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Tierische Redewendungen

Die Hundstage lassen uns schwitzen

Tierische Redewendungen | Donnerstag, 11. Juli 2013, Matthias Gräub

Nun ist sie wieder da, die Zeit, in der sogar die Hunde schlappmachen, von uns Menschen ganz zu schweigen. Wir nennen diese Tage «Hundstage». Doch was haben sie wirklich mit erschöpft hechelnden Vierbeiner zu tun?

Nachmittags um drei im Büro: Soeben hat die Klimaanlage ihren Geist aufgegeben. Das Hemd ist schon seit zehn Uhr durchgeschwitzt, der Wasserverbrauch ist auf vier Liter pro Arbeitstag angestiegen und jeder wartet nur noch auf eine kühle Dusche oder den Sprung in den See nach Feierabend. Sie sind wieder da, die Hundstage.  

Hunde schwitzen mit der Zunge
Nicht nur wir Menschen leiden unter der schwülen Hitze. Hunde sind noch fast etwas schlimmer dran als wir, denn sie können nicht schwitzen. Zumindest nicht wie wir durch die Haut. Ihre Temperatur-Regulation funktioniert hauptsächlich über die Zunge und die Nase, deren Oberfläche aus sehr feinem, gefaltetem Gewebe bestehen.  

Kein Wunder also, hecheln unsere vierbeinigen Freunde aktuell auf Hochtouren. Nicht umsonst nennen wir die aktuelle Phase «Hundstage».  

Nicht umsonst, aber auch nicht deswegen.

Der Hund im Himmel
Den Begriff der Hundstage gibt es schon seit dem Zeitalter der Römer. «Dies caniculares» hiessen sie damals, kurz vor Christi Geburt, und bezogen sich nicht auf die hitzeleidenden Hunde am Boden, sondern auf den Hund im Himmel.  

Das Sternbild «Grosser Hund» ist gemeint. Und mitten in diesem Sternbild befindet sich Sirius, der «Hundsstern». Er ist der hellste Stern am Nachthimmel und sein Erscheinen am Himmel war für die Römer (und zuvor auch schon für die Ägypter) ein Highlight, das es festzuhalten galt. 


Der grosse Hund, wie er auf einem Stich von 1782 festgehalten wurde (links) und wie wir ihn am Sternenhimmel ausmachen können. Bilder: unbekannt; Till Credner/wikimedia.org/CC-BY-SA.

Im alten Rom wurde das Datum, an dem Sirius zum ersten Mal am Morgenhimmel auftauchte, als Anfang der «Tage des Hundes» definiert und der Tag, an dem das ganze Sternbild zu sehen ist, als Ende davon. Und seither haben wir vom 23. Juli bis zum 23. August unsere Hundstage. Purer Zufall, dass es genau dann so heiss ist, dass sich Mensch und Hund vor Hitze hundeelend fühlen.

Doch erst Ende August?
Aber halt: Eigentlich ist die ganze römische astronomische Berechnung veraltet. Heute fehlt am 23. Juli noch jede Spur von Sirius und seinem Sternbild am Morgenhimmel. Durch die ständige Bewegung der Sternbilder relativ zur Erde hätten wir unsere Hundstage eigentlich von Ende August bis Ende September.  

Doch wir haben uns zu sehr an die Verbindung des Begriffs «Hundstage» mit der grossen Sommerhitze gewöhnt, dass das alte Datum so stehengeblieben ist und das namensgebende Sternbild alleine weitergezogen ist. 

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