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Tierische Redewendungen

Da liegt der Hase im Pfeffer

1 Kommentare Tierische Redewendungen | Montag, 28. Januar 2013, Matthias Gräub

Wer den springenden Punkt entdeckt und den Haken an der Sache gefunden hat, weiss, wo der Hase im Pfeffer liegt. Doch woher stammt diese Redensart?

Ich weiss, wo der Hase im Pfeffer liegt. Eine Redensart, die mir leicht über die Lippen geht und von jedermann verstanden wird. Aber wieso sollte ich einen Hasen finden, der sich in einer Pfefferplantage versteckt? Ich begebe mich auf Spurensuche. 

Die Jagd nach dem Pfeffer
Zunächst einmal will ich diesem Pfeffer auf die Spur kommen. Der richtige Ausgangspunkt dafür ist bestimmt die Jägersprache. Pfeffer kann hier nämlich verschiedene Bedeutungen haben. Einerseits nennen viele Jäger die Munition von Schrotflinten so. Das liegt auch auf der Hand, schliesslich sehen die kleinen Bleikugeln frischen Pfefferkörnern tatsächlich sehr ähnlich. Wenn ein Hase nun also mit einer Flinte durchsiebt wird, könnte man sagen, er liege im Pfeffer. 

Na gut, zugegeben, das passt nicht so ganz. Aber ich habe ja noch eine zweite Erklärung aus dem Jägerlatein. Pfeffer wird auch der Hasenkot genannt. Auch das ist relativ naheliegend. Die kleinen Kotkugeln gleichen Pfefferkörnern ebenfalls. Findet man nun also einen Hasen, der in seinem eigenen Kot liegt, hat man das Problem erkannt? Absurd. Wieso sollte ich mehr Erkenntnis aus einem Hasen in Kot ziehen als aus einem Hasen, der nicht in seinen eigenen Exkrementen liegt? Alles Quatsch also. 

Die Wahrheit liegt in der Küche
Auch wenn uns die Jäger auf einige falsche Fährten gelockt haben: Ganz so falsch sind wir bei ihnen nicht auf unserer Suche nach dem Hasen im Pfeffer. Schliesslich sind sie es, die uns das verschaffen, was bei uns schliesslich auf dem Teller landet. Der Hasenpfeffer. Wie auch Hirsch- und Rehpfeffer ist er zur Wildsaison ein beliebtes Gericht in Gaststätten und am heimischen Esstisch. 

Dieses Ragout bestand traditionell aus denjenigen Stücken des Hasen, die nicht zum Braten geeignet waren, also  den Beinen, dem Kopf und den Innereien des Tiers. Diese wurden in einer dicken, dunkelbraunen Sosse mit viel Pfeffer und dem Blut des Hasen gekocht. Nun fanden sich in diesem grossen Eintopf oft nur einige wenige Fleischstücke, die es zu finden galt. Daher freut sich ganz besonders, wer den «Hasen im Pfeffer» findet; er hat gefunden, wonach er gesucht hat, nämlich das einzig Essenzielle in der ganzen Suppe, der Hase. 

Übrigens findet sich der Begriff «Hasenpfeffer» bereits in einem Latein-Deutsch-Wörterbuch aus dem Jahre 1622. Die Redensart «Da liegt der Hase im Pfeffer» taucht zudem in so grossen literarischen Werken wie Kabale und Liebe von Friedrich Schiller und Der Sandmann von E.T.A. Hoffmann auf.

Kommentare (1)

Gloria Isler am 31.07.2014 um 11:35 Uhr
Liebe Redaktion, die tierischen Redewendungen sind genial recherchiert und sehr spannend zu lesen. Vielen Dank für die lehrreiche Lektüre!

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