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Spirou & Fantasio

Das Marsupilami – ab ins Weltall

Tiere im Comic | Freitag, 23. August 2013, Niklaus Salzmann

Mit seinem acht Meter langen Schwanz kann es hüpfen, retten, kämpfen, kurzum: alles, was einen Comic spannend macht. Kaum bekannt ist hingegen, dass das Marsupilami von einem Wildhund abstammt.

Auf den ersten Blick scheint alles klar: «Marsupial» bedeutet Beuteltier, womit das Marsupilami in der Nähe der Kangurus und Koalas anzusiedeln ist. Doch wir schauen genauer hin und entdecken den Worteil «pil», den nur eingefleischte französischsprachige Comicfans zuordnen können: Es ist eine Anspielung auf «Pilou-Pilou», ein Fabelwesen aus dem Comicstrip Popeye. «Pilou-Pilou» (im Original: «Eugene the Jeep») ist gemäss seinem Erfinder E. C. Segar mit dem Afrikanischen Wildhund verwandt – was sich am gelben Fell mit den dunklen Flecken zeigt.

Die Fellfärbung des Marsupilamis stammt also indirekt vom Wildhund. Wer nun glaubt, damit sei die zoologische Zugehörigkeit des kuriosen Fantasietiers geklärt, irrt sich. Denn ganz im Gegensatz zu Wildhunden und Beuteltieren legt das Marsupilami Eier. Womit sich auch noch die Frage stellt, welche Funktion der deutlich sichtbare Bauchnabel erfüllt.

Auch ernsthafte Zoologen befassen sich mit dem Tier
Mit zoologischen Spekulationen über das Tier wurden bereits ganze Bücher gefüllt, doch wir suchen nach seriösen wissenschaftlichen Quellen. Und werden tatsächlich fündig: Die renommierte Zoological Society of London hat das Marsupilamus franquini einst in ihren Jahresbericht aufgenommen.

Bei der Lateinisierung des Namens ging allerdings die Endung «ami» (französisch für «Freund») verloren, die den Charakter des Wundertiers beschreibt. Tatsächlich freundete sich das Marsupilami bereits bei seinem ersten Erscheinen – 1952 im «Spirou & Fantasio»-Album «Eine aufregende Erbschaft» – mit den Titelhelden der Serie an. Seine Friedfertigkeit hat aber Grenzen, wer ihm an den Kragen will, muss mit Schlägen rechnen.

Kein Zootier
Womit wir beim Schwanz angelangt wären, dem augenfälligen Merkmal, welches das Marsupilami zum Superhelden macht. In verknoteter Form eignet sich der Schwanz zur Selbstverteidigung. Zur Springfeder aufgerollt dient er der Fortbewegung. Er kann aber auch als Angelrute eingesetzt werden, um Piranhas zu fischen.

Diese Raubfische gehören zusammen mit Termiten und Früchten zu den Leibspeisen des Marsupilamis, die es im palumbianischen Urwald findet. Das erfundene Land Palumbien in Südamerika ist die Heimat des exklusiven Tiers, und dort soll es im Prinzip auch bleiben, wie Zeichner und Autor André Franquin in seinen Geschichten klar macht. Zwar reist das Marsupilami freiwillig mit Spirou und Fantasio nach Europa, doch sämtliche Versuche, eines der seltenen Tiere für einen Zoo zu fangen, lässt der Zeichner scheitern.

Eine vorchristliche und eine ausserirdische Sichtung
Einer anderen Quelle zufolge soll erstaunlicherweise schon in vorchristlicher Zeit ein Marsupilami nach Europa geholt worden zu sein: Sein Bild ist im Asterix-Band «Kampf der Häuptlinge» auf einem Schild an einem Jahrmarkt zu sehen, wo es als «Marsupilamix» dem Publikum vorgestellt wird. Die vielleicht aussergewöhnlichste Sichtung gelang dagegen im Jahr 2000. Ein Amateurastronom entdeckte damals den rund drei Kilometer grossen Asteroiden 98494, der inzwischen auf «Marsupilami» getauft wurde.

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