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Lucky Luke

Jolly Jumper – ewig im Schatten des Cowboys

Tiere im Comic | Donnerstag, 12. März 2015 08:00, Niklaus Salzmann

Neben Lucky Luke bleibt Pferd Jolly Jumper eine Nebenfigur – obwohl es dem Revolverhelden so manche Male das Leben rettet und einst gar den Entscheid des Zeichners beeinflusste, eine Cowboystory zu entwerfen.

Ein Cowboy ohne Pferd ist kein Cowboy. Das gilt auch für Lucky Luke. Dessen Griff zum Revolver mag noch so schnell sein, es gibt Situationen, wo ihm auch das Schiesseisen nichts mehr nützt. Sein Pferd aber, der treue Jolly Jumper, lässt ihn nie im Stich. Es erkennt brenzlige Situationen, stellt sich zum Beispiel während einer Gerichtsverhandlung strategisch unters Fenster, in Erwartung, dass sein Cowboy gleich dort hinaus springen wird. Genau das passiert, und da Jolly Jumper das schnellste Pferd im Wilden Westen ist, sind die beiden über alle Berge, bevor überhaupt jemand die Verfolgung aufnehmen kann.

Dabei verbringt Jolly Jumper seine Tage eigentlich lieber beim Angeln (es ist Lucky Luke ein Rätsel, wie das Pferd den Wurm an den Haken macht...). Auf gefährliche Abenteuer könnte es gut verzichten, wie es in lakonischen Kommentaren zum Ausdruck gibt, und die ewigen Gefängnisausbrüche der Gebrüder Dalton betrachtet es im Grunde genommen nicht als sein Problem. Doch schlussendlich fügt es sich immer in sein Schicksal und unterstützt seinen Cowboy.

Lucky Luke 85
In den frühen Werken war Jolly Jumper noch stumm.
Bild: Lucky Comics

Goscinny gab dem Pferd die Sprache
In den ersten Bänden der Serie, die der belgische Zeichner Maurice de Bevère alias Morris ab 1946 veröffentlichte, sprach Jolly Jumper noch nicht. Den Namen, der «fröhliches Springpferd» bedeutet, hatte der Bruder von Morris erfunden, von dem übrigens auch der Name «Lucky Luke» stammt. Die Rasse, erkennbar an den Flecken auf der Hüfte: Appaloosa, in den USA noch heute beliebt zum Westernreiten. 

Es war der geniale René Goscinny, welcher Jolly Jumper zur Sprache verhalf. Ab 1957 spannte Morris mit dem späteren Asterix-Texter zusammen, und dieser formte Jolly Jumper zu einem eigenständigen Charakter, sarkastisch, intelligent, zuweilen philosophisch. Morris erklärte einst in einem Interview: «Wenn es etwas tiefgründigeres zu sagen gibt – was sehr selten vorkommt – ist es meist das Pferd, das es sagt.»

Weshalb Morris einen Western zeichnete
Jolly Jumper erhielt mehr und mehr menschliche Züge, besiegt seinen Cowboy im Schach, kauft ein, macht die Wäsche und zeigt sich beleidigt, wenn ihn Lucky Luke ihn mal unfreundlich behandelte. Goscinny ist 1977 gestorben, doch Jolly Jumper behielt seine Rolle, auch nach dem Tod von Morris im Jahr 1991. Fast jedes Jahr erscheint ein neuer Band, inzwischen gezeichnet vom Franzosen Achdé, der neuste mit dem Titel «Meine Onkel, die Daltons» kam soeben auf den Markt.

Immer ist Jolly Jumper mit von der Partie, doch im Rampenlicht steht ganz klar Lucky Luke. Das missfällt dem Pferd zuweilen. Falls es diese Zeilen liest – ja, Jolly Jumper kann auch lesen – freut es sich wohl, zu erfahren, weshalb sich Morris sich ursprünglich für einen Cowboy als Helden entschied. Die Anfänge seien lange her, sagte Morris in einem Interview im Jahr 1993, doch eines habe sicher eine Rolle gespielt: «Ich zeichnete sehr gerne Pferde. Und ich wusste, dass ich in einem Western viele würde zeichnen können.»

Goscinny & Morris
René Goscinny und Morris.
Bild: Hans Peters / Anefo, Nationaal Archief, cc-by-sa
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