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Militärtechnik

Roboter-Aale sollen Kriegsdelfine ablösen

Bionik | Montag, 1. Dezember 2014, Matthias Gräub

Noch heute werden Delfine zu militärischen Zwecken eingesetzt. Klar, empören sich Tierschützer darüber. Forscher aus Singapur bieten nun eine Alternative dazu an: aalförmige Unterwasser-Roboter.

Das Wettrüsten im Kalten Krieg hat in den 1960er-Jahren auch vor Meerestieren nicht Halt gemacht. Sowohl die US-Navy als auch das Russische Militär bildeten Delfine zu militärischen Zwecken aus. Für welche Einsätze die hochintelligenten Meeressäuger dabei trainiert wurden, ist nicht klar, da die Operationen stets streng geheim waren. Vorstellbar sind jedoch eine ganze Menge von Einsatzzwecken.

So ist durchaus nicht auszuschliessen, dass die Tiere unter anderem darauf trainiert wurden, mit angeschnallten Bomben Kamikaze-Angriffe auf feindliche Schiffe oder Taucher durchzuführen oder zur «Entschärfung» von Seeminen engesetzt wurden. Bei solchen Einsätzen gab es für die Delfine keine Überlebenschancen.

Kein Wunder also, gehen Tierschützer auf die Barrikaden und möchten diese Form der Landesverteidigung schon lange verboten sehen. Noch ist es nicht soweit, sowohl die USA als auch Russland trainieren nach wie vor Delfine zu militärischen Zwecken. Russland übrigens erst seit 2014 wieder, nachdem das Programm infolge der Krim-Krise von ukrainischer wieder in russische Hand übergegangen war.

 Der Roboter-Aal im Testbecken.
 Bild: Unmanned Systems

Ein Aal als Ersatz
Bald jedoch könnte ein Ersatz für die «Kampfdelfine» bereitstehen. Geht es nach einem Forscherteam von der Universität von Singapur, wird ein Roboter den Delfin in Bälde ersetzen. Die Voraussetzungen sind klar: Das «Werkzeug» soll unter Wasser in Gebiete vordringen können, die für Taucher nur schwer oder unmöglich zu erreichen sind. Es soll in der Lage sein, Minen zu inspizieren und zu entschärfen und idealerweise sogar feindliche Taucher bekämpfen können.

Die Lösung der Wissenschaftler: Ein mechanischer Aal. Durch die flexible Form kann sich der Prototyp, den die Forscher entwickelt haben, durch kleinste Lücken schlängeln, er kann vorwärts und rückwärts schwimmen und auf engstem Raum wenden – genau wie sein Vorbild aus der Natur halt.

Der Roboter-Prototyp hat laut den Forschern alle Tests und Simulationen bestanden. Einerseits mit einer Fernsteuerung, andererseits aber auch mit einer einprogrammierten Bewegungs-Sammlung, anhand der sich der Aal selbstständig bewegen kann.

Wenn wir also am Badestrand bald einen merkwürdig surrenden Aal vorbeischwimmen sehen, könnte das eine militärische Operation sein. Oder aber ein Zitteraal. Grund zum Fliehen gibts bei beiden, sie könnten beide Stromstösse verteilen.

Originalpublikation:
Xuelei Niu, Jianxin Xu: «Modeling, Control and Locomotion Planning of an Anguilliform Robotic Fish», Unmanned Systems (2014).
DOI: 10.1142/S230138501440007X

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