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Skurrile Spinnenbrutstätte

Rätsel um «Netzkäfige» in Peru gelöst

2 Kommentare Wunder der Natur | Montag, 6. Januar 2014, Matthias Gräub

Vor einem knappen halben Jahr hat eine seltsame, kreisrunde Netzstruktur im Internet für ratloses Staunen gesorgt. Forscher sind den wundersamen Geflechten nun auf die Spur gekommen. Es sind Eisäcke von Spinnen.

«Silkhenge» wurden die kuriosen, kreisrunden Gebilde in Internet-Diskussionen genannt, die vor kurzem im peruanischen Amazonasgebiet entdeckt wurden («Tierwelt Online» hat berichtet). Als Anspielung auf die Steinkreise in Stonehenge und das englische Wort für Seide, «silk». Monatelang haben sich ausgewiesene und selbsternannte Experten darüber die Köpfe zerbrochen, worum es sich bei den gut zwei Zentimeter grossen Netzen handeln könnte. Schleimpilze, Florfliegen, Motten und Spinnen – ja sogar Aliens wurden als Baumeister dieser Strukturen genannt. Für ein Biologenteam um Phil Torres war klar: Sie mussten herausfinden, worum es sich dabei handelt.

Also zogen Torres und seine Kollegen Larry Reeves und Geena Hill von der Universität von Florida nach Peru los, um dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Mit im Schlepptau: Fotograf Jeff Cremer, der die «Täter» auf frischer Tat per Makrofotografie festhalten sollte.

 Bild: Jeff Cremer / Tambopota Jungle Lodge

Im letzten Moment geschlüpft
Während einer Woche fanden die Forscher mehr als 45 der mysteriösen Netze, wie Torres in seinem Blog schrieb. Sie nahmen einige der Strukturen mit ins «Tambopata»-Forschungszentrum und warteten, was passiert. Doch als sich nach mehreren Tagen des Wartens nichts tat, wollten die Wissenschaftler aufgeben. Es blieb ihnen nur die Vermutung, es handle sich um eine sogenannte Spermatophore, quasi ein Spermienpaket, das Spinnenweibchen anlocken, befruchten und ernähren soll. 

Am letzten Morgen ihrer Peru-Exkursion geschah dann das nicht mehr Erwartete: Aus zwei Netzen schlüpfte je eine kleine, bernsteinfarbene Spinne. Und am nächsten Tag aus einem dritten. Sofort richtete Fotograf Cremer die Kamera auf die frisch geschlüpften Tiere und bannte sie auf Film (Bild rechts). Nun war also klar: Beim mysteriösen Netz handelt es sich um einen Eisack.

Gelöstes Geheimnis sorgt für neue Fragen
Die neuen Erkenntnisse warfen aber direkt neue Fragen auf. Zum einen haben die Forscher keine Ahnung, um welche Spinnenart es sich genau handelt. Zum anderen scheint es, dass in jedem dieser Eisäcke nur ein einziges Ei abgelegt wurde. Das sei bisher einmalig in der Spinnenwelt; normalerweise platzieren Spinnen mehrere Eier in ihre Eisäcke und weben sie in ihr eigenes Netz mit ein. Diese Spezies verlässt aber ihren ungeborenen Nachwuchs.

  Bild: Jeff Cremer / Tambopota Jungle Lodge

Und auch die Lösung des Geheimnisses um die seltsame Struktur kann nur erahnt werden: Das seidene «Gefängnis» könnte Motten anlocken, die – einmal drin – nicht mehr ausbrechen können und damit eine leichte erste Mahlzeit für die frischgeschlüpften Spinnenbabys darstellen. Diese Theorie wird dadurch untermauert, dass in vielen der Netzstrukturen Motten entdeckt wurden (Bild links). 

Ebenfalls vermutet Torres, dass der «Zaun» als Schutzwall gegen Ameisen dienen könnte. Im Seidengerüst könnten sich die potenziellen Räuber verheddern und der Abstand zum zentralen Eisack könnte dafür sorgen, dass die Ameisen ihre Beute nicht wittern können.

Quelle: YouTube/Rainforest Expeditions

 

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Kommentare (2)

Dr. T. Frankenhauser am 17.05.2016 um 14:44 Uhr
... oder legt die Spinne wirklich nur ein einziges Ei ???

Dr. Thomas Frankenhauser am 17.05.2016 um 14:40 Uhr
Die junge Spinne schein den "Zaun" für seine noch schlüpfenden Geschwister zu verstärken ... Feine Aufnhamen! LG, T.F.

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