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Feenkreise

Nun waren`s doch nicht die Termiten?

Natur & Umwelt, Wunder der Natur | Dienstag, 20. Mai 2014, Matthias Gräub

Die Wissenschaft ist sich nicht immer einig: Vor einem Jahr waren sich Forscher sicher, die mysteriösen Feenkreise in Afrikas Südwesten seien von Termiten geschaffen, nun deutet eine Studie auf eine andere Erklärung hin.

Es sieht aus wie eine Landschaft mit Sommersprossen. In einigen Regionen im Südwesten Afrikas ist das trockene Grasland übersät mit kahlen, runden Flecken. Manche sind nur ein paar Meter gross, andere erreichen Durchmesser bis zu zwanzig Metern. Und meistens haben sie einen Rand aus kräftigem Gras. 

Bisher hat noch niemand die Entstehung eines sogenannten Feenkreises vor Ort beobachten können. Das lädt geradezu zu Spekulationen ein. Vor einem Jahr dann die angebliche Lösung des Rätsels: Termiten knabbern laut einer Studie der Universität Hamburg an den Wurzeln der Gräser und bringen diese so zum Absterben («Tierwelt Online» hat berichtet).

 Die Feenkreise können von zwei bis über zwanzig Meter gross werden.
 Bild: Stephan Getzin/UFZ

Zu regelmässig für Termiten
Ein Forscherteam des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) hat sich mit dieser Erklärung nicht zufriedenstellen lassen. Gemeinsam mit Kollegen aus Israel, Italien und Göttingen hat Stephan Getzin vom UFZ untersucht, ob die Termiten-Theorie plausibel ist.

Und offenbar ist sie es nicht: «Es gibt bisher keinen einzigen Hinweis darauf, dass soziale Insekten grossflächig so homogen verteilte Strukturen schaffen können», sagt Getzin. Sprich: Die Feenkreise sind zu regelmässig und gleichmässig, als dass sie von Termiten stammen könnten. Sämtliche Untersuchungen über die Verteilung von Termiten und Ameisen wiesen laut den Forschern eher unregelmässige, geklumpte Muster auf.

Pflanzen organisieren sich selbst
Neu auf der «Pole-Position» als glaubwürdigste Theorie sind die Pflanzen selber. Die Forscher vergleichen das Gebilde mit einem Wald: «Während in einem jungen Wald die Pflanzen noch eng zusammenstehen, dünnt die Vegetation im Laufe der Jahrzehnte von selbst aus», schreiben sie. Der Konkurrenzkampf zwischen den Gräsern soll also für die kreisrunden Wüstenflecken zuständig sein. Um genügend Nährstoffe mit ihren Wurzeln aufnehmen zu können, sei ein gewisser Mindestabstand zwischen den Nachbarn notwendig.

Unterstützt wird die These durch ein Computermodell, dass die UFZ-Forscher mit ihren israelischen Kollegen aufgestelt haben. Sie haben mit einem Programm die unterirdische Konkurrenz um Wasser simuliert und damit eine Pflanzenverteilung erhalten, die ein ganz ähnliches Muster ergibt wie reale Luftbilder aus Namibia. Für die UFZ-Forscher sei dies ein überzeugendes Indiz dafür, dass die geheimnisvollen Flecken tatsächlich durch die Selbstorganisation der Gräser entstanden sein könnten.

Originalpublikation:
Stephan Getzin, Kerstin Wiegand, Thorsten Wiegand, Hezi Yizhaq, Jost von Hardenberg, Ehud Meron:Adopting a spatially explicit perspective to study the mysterious fairy circles of Namibia. Ecography 2014
DOI: 10.1111/ecog.00911

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