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Ausgestorbene Tiere

Gepanzerte Bewohner der Urmeere

Ausgestorbene Tiere | Donnerstag, 6. März 2014 06:00, Frank Wieland

Vor mehreren Hundert Millionen Jahren bevölkerten die Panzerfische die Meere. Sie gehörten zu den ältesten Fischen mit einem Kiefer – und zermalmten damit selbst die härtesten Beutetiere.

Die Panzerfische erlebten im Devon (vor 420 bis 360 Millionen Jahren) ihre Blütezeit.  Sie existierten beinahe 60 Millionen Jahre lang, bevor sie gegen Ende des Devons ausstarben. Ein solcher Zeitraum klingt beeindruckend. Hält man sich jedoch vor Augen, dass Haie seit 400 Millionen Jahren durch die Weltmeere ziehen, haben die Panzerfische die Ozeane nur für eine kurze Zeit «regiert». 

Die meisten Panzerfische waren kleine Tiere, die meisten Arten nicht grösser als 20 bis 30 Zentimeter. Allen gemeinsam war die Panzerung vor allem des Vorderkörpers – daher stammt auch der Name. Kopf und Brust waren mit massiven, gelenkig verbundenen Knochenplatten besetzt und schützten die Tiere vor den Meeresräubern ihrer Epoche. Bei einigen Arten waren sogar die Vorderflossen von einer Knochenrüstung umgeben. 

Doch nicht alle Panzerfische waren klein. Gegen Ende ihrer Ära brachten sie Riesen hervor, die ihrerseits die Meere unsicher machten. Der grösste war der 1867 in Nordamerika entdeckte Dunkleosteus terrelli. Der gepanzerte Gigant lebte vor 380 bis 360 Millionen Jahren. Von seinem Körper ist im Fossilbericht nicht viel überliefert, von seinem Kopf hingegen schon. 

Zehn Meter lang und ein kräftiger Biss
Unmengen versteinerter Knochenplatten wurden gefunden, viele davon im Nordosten der USA. Die Grösse der Urzeitrüstung ist beeindruckend, sie erreicht bei den grössten Fundstücken fast einen Meter Länge. Es wurden Knochenplatten von Dunkleosteus terrelli gefunden, die auf eine Grösse von zehn Metern bei einem geschätzten Gewicht von vier Tonnen schliessen lassen – wobei die äussere Gestalt nicht überliefert ist.

Von seinen kleineren Verwandten hingegen sind nahezu vollständige Fossilien entdeckt worden. Aus ihnen lassen sich Rückschlüsse ziehen. So ist es wahrscheinlich, dass Panzerfische eine asymmetrische Schwanzflosse trugen, deren oberer Teil sehr lang war und weit nach hinten gestreckt verlief, während der untere Teil kurz war.

 Rekonstruktion eines «Dunkleosteus terelli».
 Bild: Dmitry Bogdanov/wikimedia.org

Die Panzerfische waren die ersten Wirbeltiere, die einen Kiefer entwickelten, der sich allerdings vom Kiefer der übrigen Wirbeltiere unterschied. Echte Zähne gab es bei ihnen noch nicht. Stattdessen trugen die mächtigen Kiefer des Dunkleosteus grosse Knochenspitzen und scharfe Grate, welche die Funktion von Zähnen übernahmen. 

Der Biss eines grossen Dunkleosteus gehörte zu den kraftvollsten im Tierreich. Seine Kraft lag nur wenig unter jener des Weissen Hais oder des Mississippi-Alligators, die zu den stärksten Beissern der heutigen Tierwelt zählen. Einzig neben dem Biss des urzeitlichen Riesenhais Carcharocles megalodon (siehe «Tierwelt» Nr. 2/2014) mutet das Zuschnappen des Dunkleosteus wie ein sanftes Zwicken an. Es lässt sich nur spekulieren, was er gejagt hat. Vermutlich frass er alles, was ihm in die Quere kam. Zerbeissen konnte der Panzerfisch es auf jeden Fall, egal wie hart es gewesen sein mag.

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