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Ausgestorbene Tiere

Samenknacker mit Riesenschnabel

Ausgestorbene Tiere | Donnerstag, 26. Juni 2014 07:00, Frank Wieland

Mauritius war die Heimat des vielleicht berühmtesten ausgestorbenen Vogels: des Dodo. Allerdings beherbergte die Insel im Indischen Ozean noch weitere Vogelarten, die es heute nicht mehr gibt – zum Beispiel den Schopfpapagei.

Der Mauritius- oder Schopfpapagei  mass etwa 70 Zentimeter und zählte somit zu den grössten Papageienarten. Den Rekord unter diesen Vögeln hält allerdings der Hyazinthara, der in Mittel- und Südamerika lebt. Er wird von Kopf bis Schwanzspitze rund einen Meter lang. 

Der britische Anatom Richard Owen beschrieb den Mauritiuspapagei Lophopsittacus mauritianus 1866 anhand eines Unterkieferfragmentes. Dessen Färbung glich jener der bekannten Knochen des Dodo, jenes flugunfähigen Vogels also, der zu einer Art Ikone der ausgestorbenen Tiere geworden ist. Noch heute sagt der Engländer «dead as a dodo» (tot wie ein Dodo), wenn er etwas als mausetot bezeichnen will. 

Owen schloss aus der Ähnlichkeit der Knochen messerscharf, dass «sein» Vogel ebenso ausgestorben sein müsse wie der Dodo – und er behielt recht. Der letzte lebende Mauritius-Papagei war 1675 gesichtet worden, seit dann blieb er verschollen. Vermutlich wurde sein Aussterben durch Abholzung seines Lebensraumes und durch eingeschleppte Haustiere wie Katzen, Hunde, Schweine, Ratten und auch Affen verursacht.

Es handelte sich um einen beeindruckenden Vogel. Wobei Richard Owen anhand des Kiefers, den er fand, noch nicht viel über das Aussehen des Mauritius-Papageis ableiten konnte. Das Kieferfragment ähnelte in Grösse und Form eher dem eines australischen Kakadus als dem eines südamerikanischen Aras. Spätere Untersuchungen zeigten, dass der Mauritius-Papagei weder mit dem einen noch dem anderen nahe verwandt war. Stattdessen gehen Spezialisten davon aus, dass sein Vorfahre ein Edelsittich war. Ähnlich wie der Dodo entwickelte sich also vielleicht auch Lophopsittacus aus sehr viel kleineren Vorfahren zu einer Riesenform. Dieses Phänomen ist von Vögeln auf Inseln wohlbekannt. 

Ein schlechter Flieger mit grossem Kopf
Durch seine günstige Lage auf dem Weg von Europa in den Indischen Ozean war Mauritius eine beliebte Anlaufstelle, um Schiffe auf der langen Reise mit Proviant zu versorgen. So ist es nicht verwunderlich, dass der Inselstaat im Lauf der Jahrhunderte nacheinander von mehreren Nationen erobert wurde. Nach den Portugiesen wurde die Insel 1598 von den Holländern in Besitz genommen und blieb bis 1710 in deren Hand, bevor die Franzosen und dann die Briten die Herrschaft übernahmen.

Aus der niederländischen Herrschaftszeit sind Schiffstagebücher erhalten geblieben, von denen einige Hinweise auf die damals auf Mauritius heimische Tierwelt geben. Unter anderem finden sich in einem zweibändigen Journal des Flaggschiffs «Gelderland» aus dem Jahr 1601 Darstellungen eines Dodo, die offenbar direkt von einem toten Exemplar abgezeichnet wurden. Im selben Werk finden sich Hinweise auf den Mauritius-Papagei, darunter auch Zeichnungen lebender Tiere. 

Demnach war der Vogel untersetzt und massig. Kopf und Schnabel waren verhältnismässig gross. Auf dem Kopf trug der Papagei einen kleinen Schopf, welcher der Schnabelwurzel entsprang. Im Lauf der Jahre wurden auch schriftliche Lebendbeobachtungen in verschiedenen Schiffsjournalen entdeckt. Offenbar war der Vogel zwar ein schlechter Flieger, jedoch nicht vollkommen flugunfähig wie der Dodo. 

Die Färbung ist aus den Beschreibungen nicht eindeutig rekonstruierbar. Der Kopf wird als bläulich beschrieben, der Körper hingegen war anscheinend gräulich schwarz gefärbt. Spätere Knochenfunde zeigten, dass der Unterschied zwischen den beiden Geschlechtern bezüglich Kopf- und Körpergrösse bei dieser Art stärker ausgeprägt war als bei allen anderen Papageien.  

Über die Ernährung von Lophopsittacus ist nichts bekannt. Einige Autoren nehmen an, dass er sich von weicher Kost wie Früchten ernährte. Aufgrund des riesigen Schnabels scheint es jedoch wahrscheinlich, dass der Vogel harte Palmensamen knackte – so wie es der Hyazinthara Südamerikas und der Palmkakadu Australasiens, die einen ähnlich grossen Schnabel ausweisen, noch heute tun.

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