Ein zweites Leben für die Rhinozeros-Babys in Südafrika
Von Johannes Myburgh, AFP Feature Mokopane (sda/afp) Das vier Monate alte schwarze Rhinozeros-Baby schlürft Milch aus einer Cola-Flasche und rennt dann hinter seinem Pfleger her. Einen Namen hat es noch nicht. Das Kleine ist der erste Bewohner der grössten südafrikanischen Auffangstation für verwaiste Nashörner, deren Eltern von Jägern wegen ihrer Hörner getötet wurden.
In der grünen Savanne nahe Mokopane, rund 250 Kilometer nördlich der Hauptstadt Pretoria, soll das Entabeni Safari Conservancy im September offiziell seine Arbeit aufnehmen. Das Rhinozeros-Waisenhaus ist ein nicht auf Profit ausgerichteter Ableger der noblen Ferienanlage nebenan, in der Touristen dafür bezahlen, die südafrikanische Tierwelt zu sehen.
Rund drei Viertel der in Afrika lebenden 20'000 Breitmaulnashörner und rund 4800 vom Aussterben bedrohte Spitzmaulnashörner sind in Südafrika zu Hause. Der Bestand geht dramatisch zurück; Wilderer machen Jagd auf die Dickhäuter, um ihre Hörner nach Asien zu schmuggeln.
Dort werden ihnen Heilkräfte zugeschrieben, auch wenn Wissenschaftler keinen Beweis dafür finden können. Fast 300 Tiere starben so bereits in diesem Jahr in Südafrika, 448 waren es im vergangenen Jahr.
Platz für bis 30 Jungtiere
Ein Drittel der getöteten Tiere sind Weibchen, die schwanger waren oder ein Baby hatten, wie die bekannte Tierschützerin Karen Trendler sagt. "Traurigerweise bleibt in vielen Fällen das Kalb durch die Wilderei als Waise zurück", ergänzt sie.
Die auch als "Mama Rhino" bekannte Trendler zog in den vergangenen zwei Jahrzehnten rund 200 verwaiste Tierbabys gross. "Jetzt gibt es hier ein spezielles Waisenheim für Rhinozerosse, das die Kälber aufnehmen und ihnen die nötige Pflege geben kann."
Bis zu 30 Jungtiere soll die Station aufnehmen, wenn einmal alles fertig ist. Dann soll auch eine Intensivstation schwerkranke Nashörner betreuen, die dort rund um die Uhr per Video überwacht werden können. Sogar ein Brutkasten steht für die Kleinsten bereit.
"Kein Tourismus, kein Kommerz"
Wenn die Dickhäuter die ersten Monate überstanden haben, sollen sie nach und nach wieder in die Natur entlassen werden. Deshalb wird der Kontakt zu den Menschen von Anfang an auf das Nötigste beschränkt.
Besucher der benachbarten Ferienanlage dürfen die kleinen Dickhäuter nicht sehen. Auch Wissenschaftler werden erst nach strenger Prüfung zu den Tierkindern gelassen. "Kein Tourismus, kein Kommerz" lautet das inoffizielle Motto der Tierstation.
Statt der Menschen sollen Tiere sich um die Erziehung der Kleinen kümmern. Mike und Nanna, zwei erwachsene Rhinozerosse, sollen dem Nachwuchs beibringen, "wie man ein Rhino wird", sagt der Chef der Tierstation, Arrie van Deventer.
In immer grösseren Gebieten müssen sich die Tierkinder zurecht finden, bevor sie mit spätestens drei Jahren in die freie Wildbahn zurückkommmen, wo sie dann überhaupt keinen Kontakt mehr zu den Menschen haben.
Die Dickhäuter, die die Auswilderung nicht schaffen, sollen in speziellen Zuchtstationen für Nachwuchs sorgen. "Wenn sie in die freie Wildbahn zurück können, wenn sie trächtig werden und ihre eigenen Kälber aufziehen können, dann ist die Erhaltung der Art gewährleistet", hofft Trendler.
(SDA/ATS - dc/bsd057/HUM/3/120821 1003)
Tierische Redewendungen

