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Tierwelt: Nr. 36, vom 10. September 2010
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Ölpest

Ölteppich auf dem Golf von Mexiko löst sich schnell auf

Neues Öl-Leck nach Schiffsunfall New Orleans (sda/afd/dpa) Knapp zwei Wochen nach Verschluss der defekten BP- Quelle im Golf von Mexiko löst sich der Ölteppich auf dem Meer nach Expertenmeinung überraschend schnell auf.

Nach Angaben der US-Küstenwache war 100 Tage nach Beginn der Katastrophe nur noch an wenigen Stellen Öl auf dem Wasser zu finden.

Fachleuten zufolge ist ein Grossteil des Öls an der Oberfläche verdunstet und von Bakterien im Wasser aufgefressen worden. Zwei Stürme hätten das Meer zudem stark aufgewirbelt und das Öl in kleinere, besser abbaubare Portionen aufgeteilt.

"Das Öl löst sich gerade wirklich richtig schnell auf", sagte John Amos vom der Umweltschutzgruppe SkyTruth der "New York Times" vom Mittwoch.

Langzeitschäden

Die Sorgen über Langzeitschäden für die Umwelt bleiben jedoch. Noch immer wissen Wissenschaftler nicht, wie sich die Ölmassen unter der Meeresoberfläche verteilt haben. Ungewiss ist auch die Wirkung der ölzersetzenden Chemikalien, die BP massenhaft einsetzte.

"Weniger Öl auf der Oberfläche bedeutet nicht, dass kein Öl unter der Oberfläche ist", sagte die Chefin der Ozeanographiebehörde, Jane Lubchenco.

Unterdessen ist nach einem Schiffsunfall vor der Küste des US-Bundesstaates Louisiana ein neues Ölleck aufgetreten. Aus einer Plattform sei Öl ins Meer geströmt, nachdem ein Boot der Küstenwache sie am Dienstag gerammt hatte, sagte der Einsatzleiter der US-Regierung für die Bekämpfung der Ölpest, Admiral Thad Allen.

Auf der Wasseroberfläche habe sich ein "leichter Ölfilm" gebildet. Es handelt sich um eine seit 2008 verlassene Quelle in einer Bucht rund 100 Kilometer südlich von New Orleans.

Ölfontäne

Die US-Behörden entsandten umgehend Rettungsteams und Spezialschiffe zu der Unglücksstelle. Sie versuchten mit einer zwei Kilometer langen Barriere, die Ausbreitung des Öls aufzuhalten. Augenzeugen berichteten nach dem Zusammenstoss von einer meterhohen Ölfontäne.

US-Krisenkoordinator Thad Allen sagte, es sei lediglich ein dünner Ölfilm auf der Wasseroberfläche zu sehen. Ausserdem steige ein Gemisch aus Gas- und Wasserdämpfen auf.

Wegen der Bekämpfung der Ölpest durch die Explosion der BP-Bohrplattform "Deepwater Horizon" im April seien Spezialschiffe zum Absaugen des Öls bereits in der Nähe gewesen, sagte Allen. Dies könne sich nun als Vorteil erweisen.

Nach massiver Kritik am Krisenmanagement gab der britische Konzern BP am Dienstag den Rücktritt seines bisherigen Chefs Tony Hayward im Oktober bekannt.

Hayward klagte an einer anschliessenden Telefonkonferenz, er sei in der Öffentlichkeit "dämonisiert" worden. Die US-Regierung zeigte kein Mitglied: "Ich glaube nicht, dass viele Menschen in irgendeinem Land besonderes Bedauern für den ehemaligen BP-Vorstandschef haben werden", sagte der Sprecher des Weissen Hauses, Robert Gibbs.

US-Ermittler prüften derweil Vorwürfe, ob Beamte der Bundesbehörden über Jahre zu enge Beziehungen mit BP pflegten und den Konzern deshalb möglicherweise nicht richtig kontrollierten.

Laut "Washington Post" (Mittwochausgabe) nehmen sie dabei auch das Unternehmen Transocean mit Sitz in Zug, von dem BP die Ölplattform gemietet hatte, sowie den Ölkonzern Halliburton, der für die Umfassung des Bohrlochs mit Zement zuständig war, ins Visier.

Befragung abgelehnt

Der scheidende BP-Chef Tony Hayward will sich nicht noch einmal von US- Senatoren auf den Zahn fühlen lassen. Er habe "zu viel zu tun", sagte am Mittwoch ein BP-Sprecher in London.

Ein Senatsausschuss im US-Kongress in Washington wollte Hayward dazu befragen, ob BP die vorzeitige Freilassung des libyschen Lockerbie-Attentäters Abdel Basset al-Megrahi aktiv mitbetrieben hat, um anschliessend einen milliardenschweren Ölförderungsvertrag mit Libyen abschliessen zu können.

Der ehemalige britische Justizminister Jack Straw hat es ebenfalls abgelehnt, dafür nach Washington zu kommen, genauso wie Mitglieder der schottischen Regionalregierung in Edinburgh. Senator Robert Menendez, der den zuständigen Ausschuss leitet, bezeichnete die Haltung der Briten als "äusserst enttäuschend".

(SDA/ATS - gb mt/bsd175/DAC/3/100728 1704)

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