Die Langsamkeit des Seins hat sich etabliert
10 Jahre nach dem 1. SlowUp in der Schweiz Von Daniel Wirth, SDA Hintergrund Murten FR/St. Gallen (sda) Das horrende Tempo des Alltags verlangsamen, genüsslich in die Pedale treten, sich regionale Spezialitäten zu Gaumen führen: Das ist SlowUp. Was 2000 im Vorfeld der Expo.02 am Murtensee begann, hat sich in der Schweiz etabliert und ist heute zunehmend beliebt.
Der Frauenfelder Clemens Wäger ist ein SlowUp-Mensch der ersten Stunde. Er und seine auf Langsamverkehr spezialisierte St. Galler Firma arbeiteten am "Human Power Mobility"-Projekt mit und gehören zu den Mitinitianten des ersten SlowUp am Murtensee. Verantwortlich dafür war Daniel Leupi, der heute für die Grünen in der Zürcher Stadtregierung sitzt.
Wenn von der Landessaustellung, die von 2000 auf 2002 hatte verschoben werden müssen, etwas nachhaltig geblieben ist, dann der SlowUp: Er gelangt heute bereits in 16 Regionen in der Schweiz und zum Teil im grenznahen Ausland zur Austragung.
Clemens Wäger ist heute Geschäftsführer des Lenkungsausschusses des Trägervereins "SlowUp Bodensee". Am Sonntag, 29. August, wird der SlowUp Bodensee zum 9. Mal Zehntausende Velofahrer, Inline-Skater und andere Genussmenschen anlocken. Wäger organisierte den Anlass 2002 zum ersten Mal auf Wunsch von Ostschweiz Tourismus.
Unverbindlich
Doch was macht die Veranstaltung, die jeweils an einem Sonntag stattfindet, so beliebt? Für Wäger ist klar: "Es ist die Unverbindlichkeit; es gibt weder eine fixe Startzeit noch die Pflicht, den ganzen Rundkurs zu absolvieren." Der SlowUp eigne sich sehr für Familien, sagt Wäger, der Mann fürs Langsame.
Das Erfolgsrezept des SlowUp Bodensee als Beispiel ist ein einfach: Man sperrt von 10 bis 17 Uhr rund 40 Kilometer Strasse in schöner Natur für den motorisierten Verkehr, überlässt den Gemeinden und ihren Vereinen die Autonomie, Festwirtschaften zu betreiben - und man erhofft sich von Petrus freundliches Wetter.
Bewegung und Genuss
Was für den SlowUp Bodensee gilt, gilt auch für die anderen 15 "autofreien Sonntage" in der Schweiz. In der Region Oberthurgau ist der SlowUp längst zum Happening von Bewegungs- und Genussmenschen geworden. "Das Motto lautet 'Sehen und gesehen werden'", so Wäger.
Routinierte SlowUper haben längst ihre Stammbeizen bestimmt, wissen, wo es ihrem Empfinden nach die beste Verpflegung gibt. Dort sitzt man stundenlang, ehe es weiter geht im Tross von Velofahrern und Inline-Skatern, bis zur nächsten Einkehr, bis zum nächsten unbeschwerten Gespräch: "Hey, du bist auch wieder am SlowUp? Cool."
Heerscharen von Helfern
In den Organisationskomitees in den Dörfern, die am Rundkurs des SlowUp Bodensee liegen, arbeiten heute laut Wäger gegen 400 Helferinnen und Helfer mit. Der erste SlowUp am Bodensee hatte ein Budget von 200'000 Franken, heute liegt es bei knapp einer Million Franken. Die Zahl der Teilnehmer stieg von 25'000 auf rund 80'000.
SlowUp - das wird mit Langsamkeit assoziiert, aber auch mit Ruhe. An der Bodensee-Strecke häuften sich in den letzten Jahren Bühnen von Bands und die Mischpulte von DJ's - es gibt SlowUper, die stören sich daran. Clemens Wäger weiss von dieser Tendenz. "Wir werden die Sache im Auge behalten", sagt der gelernte Kartografe.
(SDA/ATS - wd md pa/rdo205/POL/3/100729 0949)
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