Highway durch die Serengeti bringt Naturschützer auf die Barrikaden
Von Eva Krafczyk, dpa Hintergrund Nairobi/Arusha (sda/dpa) Die Einwohner strukturschwacher Städte im Osten Tansanias hoffen auf Wirtschaftswachstum durch eine Fernstrasse. Die aber soll von 2015 an mitten durch die Serengeti, eines der berühmtesten Naturschutzgebiete Afrikas führen. Widerstand formiert sich.
Für die tansanische Regierung geht es um die Erfüllung von Wahlversprechen, für Naturschützer um die Bedrohung eines der grössten und bekanntesten Naturparadiese Ostafrikas: Eine geplante Fernstrasse, die quer durch die Serengeti führen soll, bringt über die Grenzen Tansanias hinaus Umweltschützer auf die Barrikaden.
Sie fürchten, dass der zu erwartende Fernverkehr die traditionellen Wanderungen der Tierherden in der Serengeti stört. Der Park wird von der UNESCO als Teil des Weltnaturerbes aufgelistet.
Lauter Protest kommt auch von der mächtigen Tourismusindustrie aus dem In- und Ausland. Denn die jährliche Gnuwanderung von der Serengeti in die kenianische Massai Mara bringt alljährlich tausende Touristen ins Land - und mit ihnen Geld, von dem allein in Tansania 600'000 Menschen abhängig sind.
Im Internet veröffentlichte Petitionen sollen den für 2012 geplanten Baubeginn der Strecke stoppen, beim sozialen Netzwerk Facebook klagen Afrikafans über den drohenden Verlust eines der letzten Naturschauspiele.
Höchstgeschwindigkeit 40 km/h
Die Strasse soll die Städte und Dörfer am Viktoriasee mit Arusha in der Kilimandscharo-Region verbinden. Von dort gibt es bereits eine Fernstrasse in die Wirtschaftsmetropole Daressalaam mit dem wichtigsten Hafen des Landes.
Der Strassenbau ist wichtiger Teil der Versprechen an die Bevölkerung in der Region am Viktoriasee, erklärt Naturschutzministerin Shamsa Mwangunga. "Das Projekt wird sich nicht auf das Ökosystem Serengeti und die Tierwanderung auswirken", verspricht sie.
Die etwa 40 Kilometer lange Trasse durch die Serengeti soll im Gegensatz zur restlichen Fernstrasse nicht asphaltiert werden. Schon dies dürfte sicherstellen, dass die in den Nationalparks zulässige Höchstgeschwindigkeit von 40 Kilometern pro Stunde gar nicht überschritten werden kann und Zusammenstösse mit Zebras, Gnus oder Elefanten weitgehend ausgeschlossen sind.
Schlechte Infrastruktur
Wie in vielen afrikanischen Staaten leidet vor allem die Bevölkerung der küstenfernen Gebiete unter schlechter Infrastruktur. Für die wirtschaftliche Entwicklung der Orte am Viktoriasee sei die Strasse lebensnotwendig, räumt der bekannte kenianische Naturschützer Richard Leakey in einem Interview mit der Naturschutzorganisation Wildlife direct ein.
Die Frage solle aber nicht lauten: Wirtschaftliche Entwicklung oder Tiere? "Die Tiere sollten Teil der wirtschaftlichen Entwicklung sein", sagt er. So könnte die Strasse mit leicht erhöhten Kosten südlich der Serengeti gebaut werden - einen solchen Alternativentwurf hat auch die Afrikanische Wildlife Foundation (AWF) bereits vorgestellt.
Andernfalls könne die Strecke durch die Serengeti auch als auf Pfeilern errichtete Hochstrasse gebaut werden. "Das ist sehr teuer, aber nicht unmöglich", sagt Leakey.
Vor allem müsse über die bis 2015 gebaute Strasse hinaus gedacht werden. Noch haben die Städte Mwanza und Musoma am Viktoriasee nur jeweils 500'000 Einwohner. Angesichts der Bevölkerungsentwicklung würden bis zum Jahr 2050 aber jeweils 3 bis 4 Millionen Menschen in diesen Städten leben.
"Dann wird es nicht mehr um eine schmale Strasse gehen, sondern um eine sechsspurige Strasse mit einer Eisenbahnstrecke daneben", prognostiziert Leakey.
Ende der grossen Wanderung?
Fest steht: Die 1,3 Millionen Zebras und Gnus machen sich jedes Jahr nach den Regenfällen zu den Weidegründen in der Massai Mara auf. Wird die beeindruckende Wanderung gestoppt, weil ständig brausender Verkehr die Tiere ängstigt, droht eine Überweidung der Serengeti.
Nach Schätzungen der Frankfurter Zoologischen Gesellschaft würde die Zahl der Tiere dann auf etwa 200'000 zurückgehen. "Das wäre aller Wahrscheinlichkeit nach das Ende der grossen Wanderung", warnt die Gesellschaft.
(SDA/ATS - cm/bsd032/POL/4/100730 0900)
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