Verhaltensforschung

Schweizer Studie: Neue Techniken bleiben bei Meerkatzen in Familie

Neuenburg/Zürich/Lausanne (sda) Wilde Grüne Meerkatzen lernen neue Techniken unter mütterlichen Verwandten - Mütter oder Schwestern, - aber nicht innerhalb der ganzen Gruppe, ergab eine neue Schweizer Studie. Dies macht es laut der Forschenden eher unwahrscheinlich, dass bei Affen Kultur und Traditionen entstehen.

Wie Tiere in freier Wildbahn eine neue Aufgabe lösen - und von wem sie eine Technik kopieren - ist ein entscheidender Hinweis dafür, ob kulturelles Lernen stattfindet. Denn nur wenn sich Lösungswege über eine ganze Gruppe oder gar Population ausbreiten, können sich kulturelle Traditionen bilden.

Menschenaffen und Menschen schaffen das mit Bravour. Ob das auch andere Affenarten können, hat ein Team von Neuenburger, Zürcher und Lausanner Forschenden an Grünen Meerkatzen in Südafrika untersucht.

Die Wissenschaftler um Erica van de Waal von der Universität Neuenburg beobachteten sechs wilde Affengruppen, denen sie mit Sand verschmutzte Trauben in einer Plastikbox anboten - für die Affen eine neue Aufgabe. Das Experiment ähnelt einer zuvor in der Wildnis beobachteten Situation: Japanische Makaken lernten spontan, schmutzige Kartoffeln im Meer zu waschen - was bald als Tradition von fast der ganzen Gruppe übernommen wurde.

Die Meerkatzen erfanden vier Wege, um die Trauben zu reinigen: Sie zwischen den Händen zu rubbeln, sie gegen einen Gegenstand zu reiben, sie mit den Zähnen oder mit den Händen zu öffnen, um nur das Innere zu essen. Manche verschlangen die Trauben samt Sand.

Mutter ist das Rollenmodell

Es stellte sich heraus, dass Junge und ihre Mütter in den 15 Wiederholungen überwiegend die gleiche Reinigungstechnik anwendeten, wie die Forschenden am Mittwoch im Fachblatt "PloS One" berichteten. Genetische Untersuchungen belegten die Verwandtschaftsbeziehungen; zudem wiesen die Wissenschaftler nach, dass der Erwerb einer Technik nicht erblich ist.

Zwar konnte das Experiment nicht aufzeigen, wer genau von wem abguckte - ob die Kinder den Müttern oder umgekehrt. Dennoch erlaubt es eine wichtige Schlussfolgerung: "Affen scheinen in kleineren sozialen Einheiten zu imitieren und zu kopieren als Menschen und Menschenaffen", erklärte van de Waal gegenüber der Nachrichtenagentur sda.

Das mütterliche Rollenmodell macht es laut der Autoren eher unwahrscheinlich, dass sich eine neue Technik über die ganze Gruppe oder den Bestand ausbreitet. Diese eingeschränkte Art des sozialen Lernens könnte eine Hürde dafür sein, dass sich in dieser Tierart Kultur und Traditionen entwickeln, erklärte van de Waal.

Notiz an die Redaktion: SPERRFRIST 2300

(SDA/ATS - kt tm/bsd066/SCT/3/120425 1033)

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