Zürcher Forscher: Mäuse erfolgreich gegen Alzheimer geimpft

Zürich (sda) Zürcher Forscher haben ein neues Molekül für eine potenzielle Alzheimer-Impfung entdeckt. Sie fanden im Blut von Alzheimer-Patienten Antikörper gegen ein gewisses Protein. Eine Impfung damit liess bei Mäusen mit Alzheimer die typischen Ablagerungen im Gehirn schrumpfen.

Bei Alzheimer verändern sich kleine, körpereigene Eiweisse so, dass sie toxisch werden und sich im Gehirn zu sogenannten Plaques ablagern. Diese zerstören Nervenverbindungen. In den vergangenen Jahren hat sich gezeigt, dass das Immunsystem auf die Eiweisse reagiert und Antikörper dagegen erzeugt.

Die Hoffnung ist nun, die Antikörper als "Impfung" spritzen zu können, damit der Körper die Plaques abbaut. Diverse solche Impfstoffe sind derzeit in Erprobung. Es gibt aber Hinweise darauf, dass die vielseitige Krankheit nicht mit einem Antikörper allein bekämpft werden kann.

Nun beschreibt das Team um Antonella Chadha Santuccione ein neues Molekül, das das Arsenal an Impfstoffen ergänzen könnte. Die Forscher der Abteilung für Psychiatrische Forschung der Universität Zürich fanden im Blut von Alzheimer- Patienten Abwehrstoffe gegen ein Eiweiss namens Ankyrin G, ein wichtiges Transportprotein im gesunden Gehirn.

Patienten, die mehr dieser Antikörper hatten, litten an weniger starkem geistigen Zerfall als Patienten mit weniger davon. "Dies weist darauf hin, dass diese Antikörper einen schützenden Effekt auf das Gehirn haben können", sagte Santuccione, die inzwischen für die Schweizer Pharmafirma Roche arbeitet, zur Nachrichtenagentur sda.

Plaques bei Mäusen schrumpften

Um diese Schutzwirkung zu testen, impften die Forscher genveränderte Mäuse mit Alzheimer-Symptomen mit dem Ankyrin G-Protein, damit sie Antikörper produzierten. Nach mehreren Monaten hatten die geimpften Mäuse deutlich weniger und kleinere Plaques im Gehirn als ungeimpfte Tiere, berichteten sie am Dienstag in der Online-Frühausgabe von "Molecular Psychiatry". Auch die Gerüst- Struktur der Zellen war verbessert.

Die aktuelle Studie zeigt laut Santuccione auf, wie vielschichtig die Alzheimer- Krankheit ist. "Wir müssen herausfinden, was sonst noch zur Krankheit beiträgt", sagte sie. "Wenn verschiedene Moleküle bei ihrer Entstehung involviert sind, müssten vermutlich auch mehrere attackiert werden."

Ankyrin G könnte hierbei ein neuer und wichtiger Mitspieler sein, sagt sie. Die Forschenden werden die Ankyrin G-Antikörper zusammen mit der Schweizer Startup Firma Neurimmune weiter testen.

Das Konzept einer Impfung für Gehirnkrankheiten ist an sich schon revolutionär: Bis vor kurzem ging die Wissenschaft davon aus, dass keine grösseren Moleküle die Blut-Hirn-Schranke überwinden können. Doch dann gedieh mit der Beobachtung, dass Gehirnkrankheiten wie Alzheimer, Parkinson oder Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) im Blut eine Immunreaktion auslösen, die Idee der Alzheimer-Impfung.

Klinische Studien mit Rückschlägen

Derzeit laufen mehrere klinische Studien mit Antikörpern gegen Alzheimer, unter anderem von Neurimmune, Novartis und der Roche-Tochterfirma Genentech. Die meisten zielen darauf ab, die Hauptkomponente der schädlichen Plaques, das Amyloid-Beta, zu zerstören.

Nachdem 2002 der erste Menschenversuch wegen Nebenwirkungen abgebrochen werden musste, gibt es nun erste Erfolge. Diesen Monat vermeldete ein schwedisches Team, in Alzheimer-Patienten erfolgreich die Produktion von Antikörpern gegen Amyloid-Beta angekurbelt zu haben.

Doch obwohl die Plaques abgebaut werden, zeigten die Patienten bislang keine verbesserte Kognition, sagt Santuccini. Vermutlich sei die Impfung zu spät erfolgt. Künftig müssten deshalb die Impfungen bei jüngeren Personen ohne Symptome - etwa Angehörigen von Patienten - getestet werden.

(SDA/ATS - kt tm/bsd147/SCT/3/120613 1510)

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