Spinne sucht Winterplatz

Haussspinne

Die warme trockene Wohnung ist kein guter Platz für Spinnen: Das Klima kann für sie tödlich sein. 

Christine Bird/Shutterstock

Panorama
Je kälter es wird, umso häufiger erhalten wir im Haus (mitunter ungeliebten) Besuch von Spinnen. Viele von ihnen sind zurzeit auf der Suche nach einem Platz zum Überwintern. Sie werden von der Wärme angezogen – oft mit tödlichen Folgen. Bessere Karten haben diejenigen Arten, die sich auf ein Leben in der Kälte draussen eingestellt haben.

Wer Spinnen nicht mag, wird an dieser Meldung keine Freude haben: Im Spätherbst kommen die Krabbeltiere nämlich gerne ins Haus. Hier suchen sie sich eine ruhige Ecke oder eine Ritze und spannen ihr Netz auf. Bei diversen Hausspinnen-Arten liegt das daran, dass sie in dieser Zeit des Jahres besonders aktiv und in Paarungslaune sind. Andere wiederum werden von der Wärme angezogen, und am liebsten würden sie hier die Zeit bis im Frühling verbringen. 

Daraus wird in der Regel allerdings nichts. Denn wenn Spinnen ins Haus kommen, unterschreiben sie praktisch ihr Todesurteil. Grund dafür ist die Trockenheit in der Wohnung, die sie nicht überleben. Sofern sie noch bei Kräften sind, suchen sie sich nach einer gewissen Zeit automatisch eine feuchtere Umgebung. 

Obwohl es die Tiere gerne warm haben, können sie auch tiefe Temperaturen überleben. Viele Arten bei uns in Mitteleuropa haben sich im Laufe der Evolution an die kalten Winter angepasst. Sie verstecken sich unter gefallenem Laub oder ziehen sich in den Boden zurück. Hier überstehen sie extreme Minustemperaturen. Gleichzeitig bewahrt sie dieses Verhalten vor dem Austrocknen.  

Videobeitrag: Spinnen im Haus

Raffinierte Wasserspinnen und Sackspinnen

Eine ganz besondere Taktik des Überwinterns haben einige Wasserspinnen entwickelt. Sie machen sich auf die Suche nach leeren Schneckenhäusern am Boden der Gewässer. Werden sie fündig, füllen sie das Behältnis mit ihrer Atemluft, kriechen hinein und verschliessen es mit einem Netz. Weil Luft leichter ist als Wasser, steigt das Schneckenhaus zur Oberfläche empor, wo es im Eis einfriert – bis das Tauwetter einsetzt. 

Die Suche nach einer fremden, verlassenen Behausung ist für Sackspinnen indes kein Thema. Die Tiere aus der Familie der Echten Webspinnen leben geschützt in einer sackförmigen Behausung, die sie aus Pflanzenteilen bauen, die sie mit ihrer Spinnseide umwickeln. Einige Arten indes bevorzugen Wohnröhren im Boden, die sie mit Seide auskleiden. Um zu überwintern, verschliessen sie ihr Zuhause mit einem dicken Gespinst. Sobald die Temperaturen sinken, fallen sie in eine Kältestarre, die andauert, bis es wieder wärmer wird. Diese Fähigkeit erlaubt es vielen Spinnen, Temperaturen von sogar 20 Grad minus zu überleben. 

Die Wasserspinne

Überwintern im Eikokon

Bei manchen Spinnenarten schlüpfen die Jungen in den warmen Jahreszeiten und überwintern. Erst danach wachsen sie ganz aus. Bei anderen wiederum bleiben die Babys im Eikokon. Das ist etwas bei der Wespenspinne der Fall. Sie zählt zu den Radnetzspinnen. Ihr Weibchen legt 300 bis 400 Eier, schützt sie mit einem Gewebe und befestigt den so entstandenen Kokon zwischen Grashalmen. Sobald der Frühling kommt, verlassen die kleinen Spinnen das Behältnis. 

Bei anderen Arten überdauern die erwachsenen Tiere oder aber die Spinnenbabys im Eikokon. So ist es auch bei der Wespenspinne, die zu den Radnetzspinnen zählt. Ein Weibchen dieser Art legt 300 bis 400 Eier, das es mit einem Gewebe umgibt. Den so entstandenen Kokon befestigt es zwischen Grashalmen. Die jungen Spinnen überwintern schliesslich im Innern des Kokons, den sie erst im Frühjahr verlassen.

Spinnenbabys

Baldachinspinnen besitzen ein eigenes Frostschutzmittel

Eine andere, raffinierte Methode, um die kalten Monate zu überstehen, haben sich einige Baldachinspinnen angeeignet. Sie sind winteraktiv. Möglich macht es eine Art Frostschutzmittel, das sie im Körper haben. Es verindert, dass sich tödliche Eiskristalle bilden. Ähnliche Fähigkeiten haben auch einige Schmetterlingsarten entwickelt. 

Gewiss ist. Die die warme, trockene Wohnung ist kein geeigneter als Zufluchtsort für Spinnen. 

So haust die Baldachinspinne

Autor

Leo Niessner

Leo Niessner

Leo Niessner ist «Tierwelt»-Online-Redaktor, Social-Media-Manager und News-Feed-Leser. Er berichtet gerne über Flora und Fauna oder über Menschen, die sich um Flora und Fauna verdient machen, und schöpft in den Bergen Energie. Er mag Tiere. Und Musik. Am liebsten solche, in der Tiere vorkommen – zu hören in den Spotify-Listen zu jeder «Tierwelt»-Ausgabe, die er mit der Redaktion Woche für Woche zusammenstellt. Und ja, er spielt auch selber Musik. Sein grösster Traum: eine eigene «Arche Leo», in der alle Tiere dieser Welt Platz haben. Mit einem VIP-Sektor für bedrohte Arten.  

Kommentare (0)